Selbsthilfegruppe : Hilfe für Eltern anbieten. Clarissa Dampier ist Mutter eines autistischen Sohnes. Sie will anderen Eltern bei Treffen eine Aussprache bieten und sie mit Informationen versorgen.

Von Gerhard Brey. Erstellt am 07. August 2020 (04:41)
Clarissa Dampier hat seit 28 Jahren Erfahrung mit ihrem autistischen Sohn. Deshalb hat sie die „Selbsthilfegruppe Autismus“ in Mistelbach gegründet, denn es waren und sind viele Herasuforderungen zu bewältigen und da ist Erfahrungsaustausch ganz wichtig.
zVg

Clarissa Dampier, Mutter eines heute 28-jährigen Sohnes, bei dem im fünften Lebensjahr die Diagnose „frühkindlicher Autismus“ feststand, hat einen langen Weg hinter sich. Er war stets dadurch gekennzeichnet, für ihren Sohn ein bestmögliches Entwicklungsergebnis zu erreichen.

Im Laufe der Jahre waren viele Hürden zu bewältigen, auf so ziemlich allen nur irgendwie denkbaren Ebenen. So ist ein reicher Schatz an Erfahrungen entstanden und diese möchte sie heute mit Menschen, die vor denselben Herausforderungen stehen, teilen. Das ist auch der Grund, dass sie im Bezirk Mistelbach die „Selbsthilfegruppe Autismus“ gegründet hat.

„Meist wird die Anpassung des Kindes verlangt, was es auch gerne täte, aber einfach nicht kann.“Clarissa Dampier, Gründerin Selbsthilfegruppe Autismus

Die erste Zusammenkunft fand am 22. Mai statt und es sind auf Anhieb zwölf Teilnehmer erschienen. In erster Linie geht es in der Gruppe um Wissenstransfer; welche Erfahrungen mit welchem Therapeuten gemacht wurden, welcher Schule, welchem Kindergarten, und wie ist die Kommunikation und Hilfe mit und von den Ämtern?

Natürlich will die Gruppe auch etwas bewegen. In Schulen und Kindergärten gibt es selten speziell auf Autismus geschulte Pädagogen. „Meist wird die Anpassung des Kindes verlangt, was es auch gerne täte, aber einfach nicht kann“, weiß Dampier.

Wichtige Rückzugsmöglichkeiten bei Reizüberflutung fehlen. Das Kind fängt an zu schreien und um sich zu schlagen, und niemand weiß, was zu tun ist. So landen viele dieser Kinder rasch in der Sonderschule, nicht aus intellektuellen Gründen, sondern aufgrund ihrer anderen Art der Wahrnehmung. Damit ist der Weg dann meist vorgezeichnet, auch später, wenn es zum AMS geht. Auch dort fehlen dahingehend geschulte Sachbearbeiter.

Oft bleibt letztendlich nur die Tageswerkstatt. Diese kostet die Eltern in Niederösterreich monatlich 164 Euro plus die monatlichen Lebenskosten. Der „Klient“ bekommt monatlich 70 Euro Taschengeld und er erwirbt keine Versicherungszeiten, also später auch keine Pension. Es gibt auch bei der Berechnung von Pflegegeld für Autisten krasse Benachteiligungen, da die Einstufung praktisch nur auf körperlichen Defiziten basiert.

Noch ein paar Beispiele: Die Wartezeiten im Diagnosezentrum (VKKJ-Mistelbach) betragen oft mehr als ein Jahr und es gibt im Bezirk viel zu wenig Therapiemöglichkeiten, entsprechende Angebote und Ärzte.