Sicherheit für Radfahrer: „Den 80er sofort umsetzen“. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Christina Ott. Erstellt am 14. August 2019 (04:12)
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Der Poysdorfer Markus Reidlinger bringt seine zwei kleinen Kinder jeden Tag per Fahrradanhänger in den Kindergarten - für Sicherheit sorgt er mit Gurt, Helm und adäquater Beleuchtung. 

„Es gibt großen Verbesserungsbedarf, was die Infrastruktur für Alltagsradler betrifft“, so der Poysdorfer Markus Reidlinger, passionierter Radfahrer und Vater von zwei kleinen Kindern, die er regelmäßig mit einem Fahrradanhänger in den Kindergarten bringt. Er selbst sorgt mit Helm, Gurt und adäquater Beleuchtung für die nötige Sicherheit, des Weiteren gibt es auf seiner Wegstrecke eine eigene Spur für Radfahrer. Das ist jedoch nicht überall so.

„Bei manchen hat man als Radfahrer keinen Stellenwert“ Poysdorfer Radfahrer Markus Reidlinger

Beeinträchtigt werde die Sicherheit von Radlern zudem durch Autofahrer: „Bei manchen hat man als Radfahrer keinen Stellenwert“, findet Reidlinger. Immer wieder brenzlige Situationen erlebt auch Rennradfahrer Michael Rosenberg aus Asparn, er ist jährlich 8.000 bis 10.000 Kilometer mit seinem Drahtesel unterwegs. „Viele Autofahrer sind aggressiv zu uns Radfahrern, anscheinend glauben sie, wir hätten nichts auf der Straße zu suchen. Jeder, der noch nie auf der Straße geradelt ist, weiß nicht, was er Radfahrern antut, wenn er so knapp an ihnen vorbeifährt“, beklagt Rosenberg. Des Öfteren musste er schon in den Graben fahren, um auszuweichen und Schlimmeres zu verhindern.

Zum aktuellen Fall hat er eine klare Meinung: „Die beiden Kinder hätte ein Helm auch nicht geschützt, wenn sie von einem 3,5-Tonnen-Geschoß von hinten gerammt werden. Und ein Rad sieht man auch in der Dämmerung“, so Rosenberg.

Radlobby NÖ fordert 80 km/h auf Landstraßen

Was fehlt ihm auf den Straßen? „Eine Erweiterung des Asphaltbandes neben der Begrenzungslinie auf 30 Zentimeter, auf dem die Radfahrer sicher fahren können. Aktuell sind das zehn Zentimeter, da kann man nicht fahren.“ Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h auf Landstraßen ohne Radweg, wie sie die Radlobby Niederösterreich nach dem folgenschweren Unfall nun fordert, wäre eine geeignete Maßnahme: „Das sollte man sofort umsetzen“, findet Rosenberg.

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Michael Rosenberg (im Bild mit Sohn Leo) unterstützt die Tempo-80-Forderung auf Landstraßen ohne Radweg.

Das Problem, dass es für Radfahrer keine eigene Spur gibt, ist allgegenwärtig. Probleme ortet die Radlobby Wolkersdorf dabei vor allem auf der Obersdorfer Hauptstraße im Ortsgebiet Wolkersdorf und Obersdorf. Bei dem dort im letzten Jahr begonnenen und heuer fortgesetzten Rückbau hat sich die Organisation dafür eingesetzt, dass auch ein Geh- und Radweg oder alternativ ein Mehrzweckstreifen errichtet wird. Von der damaligen Stadtregierung wurden die Forderungen allerdings nicht akzeptiert, mit dem Argument, dass dort Parkplätze für Anrainer und ÖBB-Kunden benötigt werden.

Mit der neu gewählten Stadtregierung gebe es nun eine gute Gesprächsbasis für die Anliegen der Radlobby - für den konkreten Fall hilft jedoch auch dies nichts, da aufgrund von vergangenen Beschlüssen und Förderzusagen des Landes bei dem aktuellen, weiteren Umbau der Obersdorfer Straße keine Änderungen mehr möglich sind. „Wir fordern daher dringend, dass bei künftigen Bau- und Umbaumaßnahmen der Radverkehr mitberücksichtigt werden muss“, so Hermann Hiebner von der Radlobby.

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