Mistelbach

Erstellt am 09. November 2018, 04:00

von Christoph Szeker

Soja als Frucht der Zukunft. Bezirksbauernkammerobmann ermutigt Kollegen zum Soja-Anbau und fordert billigeren Diesel.

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Für Landwirte war dieses Jahr aber wahrlich keines der großen Luftsprünge: Wetterbedingungen und Schädlinge zogen die Kulturen auf den Äckern in Mitleidenschaft. Im NÖN-Gespräch zeigt Bezirksbauernkammerobmann Hermann Stich daher Zukunftschancen für Landwirte auf und stellt klar, wo er Handlungsbedarf sieht.

„Soja ist eine Zukunftsfrucht“, ist Stich zuversichtlich und erwartet sich, dass Kollegen der Hülsenfrucht mehr Aufmerksamkeit widmen. Dafür sprechen jedenfalls die Verkaufspreise: Zwischen 280 bis 600 Euro pro Tonne sind möglich, denn Soja wird nicht nur zu Weltmarktpreisen gehandelt.

„Dieses Jahr wird eine Menge an Kartoffeln entsorgt, welche für 2,4 Mio. Menschen reicht.“Hermann Stich, Bezirksbauernkammerobmann

Wenn die Qualität stimmt und vertragliche Abnehmer gefunden sind, sind somit lohnende Verkäufe möglich. An den Zahlen zeigt sich jedenfalls schon jetzt, dass die Beliebtheit der Sojabohne zulegt: 2016 wurden im Bezirk Mistelbach 253 Hektar davon angebaut, dieses Jahr waren es schon 954 Hektar.

Die Suche nach alternativen Früchten für die heimischen Felder kommt jedenfalls nicht aus heiterem Himmel. Bei den Rüben mussten die Landwirte wegen des Rüsselkäfers dieses Jahr Einbußen von 20 Prozent der Rübenfläche hinnehmen (in Gänserndorf sind es sogar 54 Prozent).

Gut sieht es auch bei der Kartoffelernte nicht aus: Der Drahtwurm nagt an den Knollen. Stich: „Dieses Jahr wird in Niederösterreich eine Menge an Kartoffeln entsorgt, welche ausreicht, um den Bedarf von 2,4 Mio. Menschen zu decken.“ Ganz entsorgt werden die Früchte zwar nicht, denn sie können noch zu Stärke weiter verarbeitet werden, aber Gewinne sind mit diesem Geschäft nicht mehr möglich.

Stich sieht politischen Handlungsbedarf

Die Bedingungen, unter welchen Landwirte ihre Betriebe führen müssen, stehen nicht unter positiven Vorzeichen. Es verwundern daher auch nicht die sinkenden Betriebszahlen im Bezirk: Von 4.072 im Jahr 1995, waren im Vorjahr 1.666 geblieben.

Stich fordert die Landwirte daher einerseits zu mehr gemeinsamen Initiativen auf, wie etwa dem Direktverkauf auf Bauernmärkten, sieht aber auch politischen Handlungsbedarf. So steht der Bezirksbauernkammerobmann etwa hinter einer Treibstoffrückvergütung für Landwirte: „Wir verbrauchen den Diesel nicht auf öffentlichen Straßen“, weshalb auf Straßen auch keine Abnutzung durch landwirtschaftliches Gerät entstünde.

Wie sehr Treibstoff bei Landwirten ins Gewicht fällt? Neben Maschinen, Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmitteln ist er ein Hauptkostenfaktor. Beim Pflügen liegt der Dieselverbrauch mit 15 bis 20 Litern pro Hektar am höchsten. Der durchschnittliche Betrieb im Bezirk bewirtschaftet 50 Hektar, wobei die Äcker maximal sieben bis acht Mal von Maschinen befahren werden. Somit ergibt sich für einen durchschnittlichen Betrieb an der Obergrenze ein Verbrauch von zu bis 5.000 Liter jährlich. Auf eine Zahl für eine Treibstoffrückvergütung möchte sich Stich nicht festlegen, aber Diesel für Landwirte sollte „erheblich billiger sein.“