Spitalsarzt attraktiver: „Ja, es liegt am Geld“. Hausärztin Man bewertet den Beruf des Praktikers als unattraktiv.

Von Stefanie Markon. Erstellt am 13. Februar 2019 (04:00)
NOEN, Ingrid Fröschl-Wendt
2016 schockte die Schließung der Ordination von Gerald Kurzenkirchner die Laaer. Derzeit ist eine Allgemeiner-Planstelle in Laa offen.

„Viele Kassenstellen sind bei Weitem nicht mehr attraktiv. Und es liegt - anders als die Ärztekammer betont - selbstverständlich am Geld“, kritisiert die Pillichsdorfer Hausärztin Andrea Man. „Das betrifft aber nicht nur die Honorare im Allgemeinen, sondern auch die individuelle Wettbewerbssituation der einzelnen Stellen. Insgesamt neun der derzeit in Niederösterreich ausgeschriebenen Stellen befinden sich in Gemeinden oder Orten, die keine öffentliche Apotheke haben, aber in denen auch keine ärztliche Hausapotheke geführt werden darf.“ 

Andrea Man sei selbst in so einer Gemeinde tätig und weiß, dass sie einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den umliegenden Ärzten hat. Dadurch würde der ohnehin schon eher kleine potenzielle Patientenstamm noch kleiner. Grund dafür sei, dass sich ein Teil jener, die mobil sind, einen Arzt suchen kann, der ein besseres Medikamentenservice parat hat.

„Wenn dieses Problem nicht gelöst wird, wird es rasch sehr viele unbesetzbare Stellen geben"Pillichsdorfer Hausärztin Andrea Man

„Wenn dieses Problem nicht gelöst wird, wird es rasch sehr viele unbesetzbare Stellen geben und neben der medikamentösen Versorgung auch die ärztliche Versorgung auf dem Land verloren sein. Daher setze ich mich dafür ein, dass in allen Einarztgemeinden ärztliche Hausapotheken zur Sicherung der Versorgung der Bevölkerung ohne Einschränkung betrieben werden dürfen“, appelliert Man.

Derzeit zeigt sich in Mistelbach folgendes Bild: In der Allgemeinmedizin gibt es 39 Planstellen mit 38 Ärzten, eine Stelle ist derzeit unbesetzt. Bei den Fachärzten und den Zahnärzten sind derzeit alle Stellen besetzt, 19 Planstellen mit 20 Ärzten sind es bei Ersterem, 20 Planstellen mit ebensovielen Ärzten sind es bei Zweiterem. 

Niederösterreichweit sieht das ein bisschen anders aus. In der Allgemeinmedizin sind 15 Stellen unbesetzt, bei den Fachärzten sind es 7,5 Stellen und bei den Zahnärzten sind sechs Stellen derzeit nicht besetzt. 

"Nur acht Prozent der Ärzte sind Hausärzte"

Der ehemalige Sprecher des österreichischen Hausärzteverbandes und ehemaliger Gemeindearzt von Wilfersdorf Wolfgang Geppert meint: „Es wird oft genug behauptet, dass es genügend Hausärzte gibt, aber man muss die Gesamtzahl sehen. Nur acht Prozent der Ärzte sind Hausärzte. Die Allgemeinmedizin müsste aufgestockt werden, es wurden so viele restriktive Auflagen erstellt, dass Anstellungen nicht möglich waren. Sieht man sich die Zahlen seit 1980 an, waren es noch genau so viele Praktikerstellen wie Spitalstellen. Jetzt sind es allein im Bezirk zwei Praktikerstellen weniger. Es gibt eindeutig zu wenig Interessenten, weil das Ungleichgewicht Richtung Spitalärzte gedrängt wird."

Interessant sei auch, dass in Niederösterreich keine einzige Kassenplanstelle frei ist, bei der es eine Hausapotheke gibt. Mistelbach sei Spitzenreiter für Wahlärzte. „Der Beruf des Hausarztes wird auch nicht attraktiv gestaltet, weil es als sterbender Beruf gilt. Es gibt dort eben keine sichere Zukunft für die Jungärzte, was eindeutig geändert gehört", ist Geppert sicher.

Norbert Neuretter, Bezirks-Vertreter der Allgemeinmediziner, wollte zur NÖN-Anfrage kein Kommentar abgeben.

Umfrage beendet

  • Sollte es mehr Primärversorgungszentren geben?