Vereinsfunktionäre: Alte Regelung statt Geisterspielen. „Jeder vernünftige Vereinsfunktionär sagt, dass Politik nichts in einem Verein zu suchen hat“, sagt Mistelbachs Vizebürgermeister Manfred Reiskopf (SPÖ): Er war 26 Jahre Obmann des FC Mistelbach. Jetzt bricht er eine Lanze gegen die Einschränkungen, die Sportveranstaltungen in Bezirken haben, in denen die Coronaampel auf Orange gestellt ist: Die Vereine müssen ihre Spiele ohne Publikum durchführen, es entgehen ihnen die Eintrittserlöse und die Einnahmen aus den Kantinenumsätzen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 12. Oktober 2020 (16:22)
Gegen die Geisterspiel-Regelung in Bezirken mit Coronastatus Orange: Andre Erasim vom ESV Rabensburg, SPÖ-Bezirks-Chefin Melanie Erasim, Alt-Fußball-Funktionär und SPÖ-Vizebürgermeister Manfred Reiskopf und U15-Trainer bei Rabensburg Marco Erasim.
Michael Pfabigan

Außerdem sei es nicht gerade motivierend für Fußballer, die nur für die Anerkennung der Fußballfans spielen, ohne den zwölften Mann am Feld zu stehen.

Dabei habe im Mistelbacher Sportzentrum alles perfekt geklappt, als die Ampel noch auf Gelb stand, erzählt Reiskopf: „Die Zuschauer wurden registriert, bekamen einen Platz zugewiesen und sogar bei der Weinbar wurden die Sicherheitsabstände eingehalten: „Der Winzer hat mir da fast schon leidgetan.“

"Vereine werden ruiniert"

Reiskopf weiß: Die Geisterspiele treffen kleine Vereine noch härter als den FC spusu Mistelbach: „Mit den Maßnahmen werden die Vereine ruiniert!“

„Und hat einmal ein Verein zugesperrt, dann finden sich nicht so schnell Leute, die ihn wieder aufbauen“, sagt Andre Erasim, Obmann des ESV Rabensburg: Wenn es nur noch in jedem zweiten oder dritten Ort einen Fußballverein gebe, werde das Kicken zum Elitensport, der niederschwellige Zugang sei nicht mehr gegeben.

Das Problem für die Vereine: Die Lage ist schon seit dem Frühjahr kritisch: Zuerst wurde der Spielbetrieb eingestellt, ab Frühsommer durfte zumindest trainiert werden. Und für den Herbst und die Meisterschaft rüsteten die Vereine auf, besorgten sich Plexiglastrennwände, Sitzplätze wurden nummeriert, Desinfektionsmittelständer wurden angekauft: „Das alles kostet schnell mal 1.000 Euro“, weiß Erasim. Und dann käme die Verordnung des Landes, die solche Investitionen unnötig machen, da ohne Zuschauer gespielt werden muss. Er könne da nur verständnislos den Kopf schütteln.

„Man sollte da nicht aus einer Mücke einen Elefanten machen“

Verordnet wurden die Geisterspiele in den Corona-orangenen Bezirken, um Clusterbildungen durch zu engen Kontakt der Zuschauer zu verhindern, wie es beispielsweise vor einem Match in Gaubitsch geschehen war. Dort hatte die Gemeinde dann noch in Corona-gelben Zeiten den Sportplatz sperren lassen, da es unter anderem im Umfeld des Sportvereines positiv getestete Personen gab.  Die Sportler wollten von sich aus das Match absagen, der NÖLV hatte das aber abgelehnt, da eine Absage nur bei drei Spielern in Quarantäne möglich ist.  „Nur weil es einen Cluster beim Fußball gibt, heißt das nicht, dass man den gesamten Fußball verunmöglichen muss“, sagt Andre Erasim.

Das Coronavirus sei eine Tatsache, mit der wir leben müssen: „Es ist sicher auch nicht im Sinne der in Gaubitsch infizierten, dass keiner mehr auf den Sportplatz gehen darf.“ Ein Infektionsrisiko gebe es auch am Arbeitsplatz und im Wirtshaus: „Man sollte da nicht aus einer Mücke einen Elefanten machen“, sagt Erasim.

Beim UFC Gaubitsch sieht man die Coronalage übrigens nicht so entspannt, wie in Rabensburg: " Wir haben die Reißleine gezogen, alle Spiele und Trainings abgesagt, um unsere Spieler zu schützen", stellt Sektionsleiter Philipp Hödl klar.

„Es kann nicht sein, dass Outdoor-Veranstaltungen beim Sport schlechter gestellt werden, als Indoor-Kulturveranstaltungen“, sagt SPÖ-Bezirks-Chefin Melanie Erasim. Seit das Land NÖ die Maßnahmen für Bezirke mit Status Orange erlassen habe, habe ihr Handy nicht aufgehört zu klingeln. Denn Kulturveranstaltungen dürfen mit entsprechendem Coronakonzept nach wie vor stattfinden: „Das Coronavirus ist nicht so schlau, das weiß nicht, ob es gerade auf einer Sport- oder Kulturveranstaltung ist.“

Um den Vereinen über die einnahmelose Zeit zu helfen, fordern die Sozialdemokraten 1.500 Euro pro Geisterspiel an Unterstützung. „Das ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, schränkt Vizebürgermeister und Fußballvereinsobmannspensionist Manfred Reiskopf ein: „Die Mistelbacher zahlen pro Spiel schon alleine eine Schiedsrichtergebühr von fast 450 Euro. Auch Andre Erasim wäre es lieber, wenn wieder vor Publikum gespielt werden könnte. Mit der alten Regelung: 100 Stehplätze, 250 zugewiesene Sitzplätze: „Damit könnten wir schon leben.“