Wirtesterben: Bürokratie raubt Kraft. Allergenverordnungen, Arbeitsaufzeichnungen und schwierige Personalsuche vermindern die Freude, Wirt zu sein. Von ssssss

Von Christina Ott. Erstellt am 05. Juni 2019 (04:30)
zVg
Wirt Otto Haselbauer hat als Gastronom schon viel erlebt. Als besonders belastend sieht er die gesetzlichen Vorgaben.

Anstrengend, zeitraubend, niemand will den Betrieb übernehmen: Die Gründe für die seit Jahren zurückgehende Zahl der Wirtshäuser sind vielfältig. Waren es 2008 noch 78 Gasthäuser im ganzen Bezirk, so sind es heuer nur mehr 62.

Einer, der schon über 50 Jahre im Wirtegeschäft dabei ist und alle Entwicklungen miterlebt hat, ist Otto Haselbauer, der in Niederleis seit 45 Jahren das Gasthaus „Zum Goldenen Adler“ betreibt. Einst waren es in Niederleis ganze acht Wirtshäuser, heute gibt es nur mehr sein Lokal, berichtet er.

WK NÖ; Foto: Iakov Filimonov/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Gründe für das Wirtshaussterben würde es einige geben: „Zum einen findet man nur mehr schwer Personal, der Beruf wird von vielen nicht mehr ernst genommen - manchmal glauben die Leute, es geht zu wie in einer Kochsendung“, so Haselbauer. Ein zweiter Grund würde in den vielen bürokratischen Hürden liegen: Arbeitsaufzeichnungen, Allergenverordnungen oder Registrierkassenpflicht erschweren den ohnehin schon anstrengenden Wirte-Alltag. „Jedes Mal wenn sie ein Gesetz wegnehmen, kommen zwei hinzu“, klagt Haselbauer. Der Wirtsberuf an sich würde ihm viel Freude bereiten, die bürokratischen Hürden „saugen einen aber aus.“

Dass die Besucher weniger werden, merkt auch er: „Vor 20 Jahren war es am Samstagabend noch gesteckt voll, das ist heute ganz anders.“ Mit dem Wirtshaussterben würde jedenfalls eine Kommunikationskultur verloren gehen - seiner Meinung nach verlagert sich diese nun teilweise zu Vereinen, die oft eine Kantine haben.

Sorgen, dass auch das letzte Wirtshaus in Niederleis zusperrt, müssen sich die Bewohner nicht machen, denn die Nachfolge ist bereits gesichert: Tochter Isabella Flandorfer wird später einmal übernehmen.

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