Gemeindezusammenlegung: Bilanz im Bezirk Mistelbach.  Bis 1972 sind Großgemeinden im Bezirk entstanden, mit strukturellen und finanziellen Vorteilen

Von Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 21. April 2021 (04:40)
Die Gemeindezusammenlegungen waren auch Thema in den NÖ Nachrichten: Im Jänner 1972 war das Zusammengehen von Wolkersdorf und Obersdorf Thema.
Michael Pfabigan, Michael Pfabigan

Es gab Zeiten, da bestand der Bezirk Mistelbach aus knapp 125 Gemeinden, bevor ab 1966 die ersten Gemeinden begannen, sich zusammenzuschließen. Mit 1. Jänner 1972 war dieser Prozess abgeschlossen, es blieben nur noch 34 Gemeinden übrig. Bei zweien hielt die Gemeindeehe nicht, Gartenbrunn und Falkenstein wurden wieder geteilt.

Eine Großgemeinde, bei der die Fusion äußerst gut geklappt hat, ist Poysdorf. Mit seinen zehn Katastralgemeinden war dieses Projekt die größte Zusammenlegung des gesamten Weinviertels. Beginnend mit Wilhelmsdorf, Kleinhadersdorf und dem damaligen Poysdorf. Ab 1965 hat sich die Gemeinde ständig vergrößert, wodurch auch ein Ausbau der Infrastruktur und der Poysbachregelung verwirklicht werden konnte. Zur Erinnerung an diesen ersten Zusammenschluss hat man den Stadtbrunnen vor dem Poysdorfer Rathaus erbaut.

Es folgten weitere Orte, die Teil der Gemeinde Poysdorf wurden, so wie Erdberg. Neben der Infrastruktur hat das Projekt auch zu einer Verbesserung der Kommunikation beigetragen, wie Altbürgermeister Karl Schlemmer weiß: „Vor der Zusammenlegung gab es kaum Kontakt zwischen den Mandataren von Erdberg und Poysdorf“.

Große Herausforderung

Trotz aller Vorteile hat es sich bei der großen Zusammenlegung 1972 als Herausforderung herausgestellt, jahrhundertealte Traditionen und den Alltag von mehreren Ortschaften unter einen Hut zu bringen. Auch bei der Vereinigung von Diepolz, Zwingenhofen und Großharras gab es so manche Uneinigkeit.

Altbürgermeister Josef Windpassinger erinnert sich: „Zwingendorf fühlte sich benachteiligt, da Gemeinderäte glaubten, dass das Geld von Zwingendorf nun in Großharras verwendet wird“. Der amtierende Bürgermeister Josef Kindler beschreibt die heutige Situation jedoch als harmonisch: „Es gibt weder im Gemeinderat noch in der Bevölkerung Unstimmigkeiten zwischen den einzelnen Orten“.

Auch in Poysdorf hatten manche Angst, dass die Gemeinde Poysdorf zu stark dominiert. „Das wurde aber mit einer sehr guten Aufteilung der Mandatare und der Aufgaben gelöst“, erzählt Egon Englisch, der in dieser Zeit seinen politischen Weg in Poysdorf begann.

Die Schulen wurden vereinigt, die Kindergärten blieben in den Katastralgemeinden bestehen. Die Zusammenlegung brachte außerdem einen Aufschwung im Tourismus: Die Nächtigungen stiegen extrem, heute verzeichnet man das zehnfache von damals.

Nach den großen Gemeindezusammenlegungen von 1972 gibt es heute jedoch noch immer einzelne Ein-Ort-Gemeinden, Rabensburg, Bockfließ und Hausbrunn sind hier Beispiele. Hausbrunns Bürgermeister Johann Fürmann erzählt, dass eine Vereinigung noch nie ein Thema war. Jedoch: „Kooperationen werden seit Jahren erfolgreich praktiziert, wobei die Schulkooperationen mit Großkrut und Altlichtenwarth ein erfolgreiches Beispiel sind“.

Neben der Zusammenlegung von Wolkersdorf und Obersdorf ist auch mit Mistelbach damals eine bekannte Großgemeinde entstanden. Diese wurde laut dem ehemaligen Bürgermeister Alfred Weidlich bereits in den Achtziger-Jahren als Selbstverständlichkeit gesehen.

Die Eigenständigkeit der Ortsgemeinden und ein aktives Dorfleben durch Veranstaltungen und Vereine zeichnen die Mistelbacher Ortschaften aus, auch Einzelne übernehmen hier gerne Verantwortung. „Dies ist im städtischen Bereich Mistelbachs nicht in diesem Maße zu finden“, so Weidlich.

Um ein harmonisches Zusammenleben zu ermöglichen, bemühte sich die Gemeinde, die wichtigsten Projekte der Orte transparent umzusetzen. Außerdem gibt es für jede Ortsgemeinde ein eigenes Budget, über das sie eigenständig verfügen kann. Das bringt Einsparungen und mehr Mittel. „Die Zusammenlegung zahlt sich für alle aus“, lobt Alfred Weidlich das Projekt.

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