„Graf Tono“ wegen dreifachen Mordes angeklagt. Am 4. Juli, beginnt am Landesgericht Korneuburg ein zweitägiger Prozess gegen einen 55-jährigen Weinviertler, der im Schloss Bockfließ drei Familienmitglieder erschossen haben soll.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 03. Juli 2019 (18:07)

Zu einer blutigen Familientragödie kam es am 13. Dezember vergangenen Jahres im Schloss Bockfließ im Bezirk Mistelbach: Nach einem heftigen Streit soll der heute 55-jährige Sohn des Schlossherrn zu einer zweiläufigen Schrottflinte gegriffen und seinen jüngeren Bruder (52),  den 92-jährigen Vater und dessen Partnerin (87) erschossen haben. 

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Der psychiatrische Sachverständige Werner Brosch

Nach der Bluttat soll er ins Erdgeschoss in die Küche geeilt sein und gegenüber der mit dem Abwasch beschäftigten Haushälterin gesagt haben: „Ich halte es nicht mehr aus und habe alle erschossen!“ Danach soll er per Notruf die Polizei verständigt und die alarmierten Einsatzkräfte vor dem Schlossgebäude erwartet haben.

Widerstandslos habe sich der mutmaßliche Schütze festnehmen lassen. Er sei geständig. Er könne sich daran erinnern, die Taten begangen zu haben, allerdings nicht an die Reihenfolge der Schussabgaben, teilte Peter Philipp, der Anwalt des Verdächtigen,  beim Lokalaugenschein mit.

„Graf Tono“ erinnerte sich beim Lokalaugenschein an keine Details

Wie genau und warum es zu der Bluttat gekommen ist, wollte oder konnte der Tatverdächtige „Graf Tono“, wie ihn die Dorfbewohner nennen, zu diesem Zeitpunkt der Ermittlungen nicht sagen.  

Letztlich ergab die Motivsuche, dass sich in dem Familienbetrieb ein schwelender Generationskonflikt hochgeschaukelt hat: Unter anderem brachte der Einbau eines Speiselifts ohne baubehördliche Genehmigung Behördenprobleme mit sich und soll in der Folge immer wieder zu heftigen Debatten zwischen Vater und Sohn geführt haben. Am 13. Dezember eskalierte der Konflikt nach einem gemeinsamen Familien-Mittagsessen, und endete im Kaminzimmer bei Kaffee und Kuchen mit einem Blutbad.

Staatsanwaltschaft sieht in Bluttat dreifachen Mord

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Richter Martin Bodner

Die Anklagebehörde sieht in der Bluttat einen dreifachen Mord. In dem für zwei Tage anberaumten Schwurgericht unter der Leitung von Richter Martin Bodner kommen sieben Zeugen und drei Sachverständige (Gerichtsmediziner, Schießgutachter und Psychiater) zu Wort.

Wie verantwortet sich Angeklagter: Totschlag oder Mord?

Bereits beim Lokalaugenschein hat Verteidiger Peter Philipp angeführt, dass der 55-Jährige krank sei, unter „inneren Spannungen leide“ und „In Stress versetzt und heftig erregt“ zum Schrottgewehr gegriffen habe. Damit stellte er auch den Tatbestand eines Totschlages in den Raum.

Im Prozess wird sich zeigen, wie sich der angeklagte Weinviertler verantwortet und ob er zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war.