„Graf Tono“ tötete nicht im Affekt. Weinviertler des Dreifachmordes - an Bruder, Vater und Stiefmutter - für schuldig befunden.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 10. Juli 2019 (05:34)
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Symbolbild

„Ich habe ihn bewundert, zu ihm aufgeblickt. Er war ein toller Geschäftsmann. Aber es ist nicht leicht, mit so einer starken Persönlichkeit zu leben“, erzählt Graf Tono vor Gericht von der Hassliebe zu seinem Vater ( wir hatten online aktuell berichtet, siehe hier ).

Es sei ihm immer wichtig gewesen, was der Vater denkt und er habe sich dessen Respekt im Familienbetrieb verdienen wollen: „Ich habe die gestellten Aufgaben auch gut erledigt, aber mein Vater hat das nie gewürdigt“, sagt der Adelsspross und bricht in Tränen aus.

J.H.
Gerichtspsychiater Werner Brosch befand den Weinviertler zum Tatzeitpunkt für zurechnungsfähig.

Nach dem Gefühlsausbruch ringt der Weinviertler sichtlich um Fassung, stockend erzählt er weiter. Er sei von dem zeitlebens sehr erfolgreichen Vater zur Härte und Strenge erzogen worden: „Ein Schwach- und Kranksein gab es bei uns nicht.“

Der seit Jugendtagen gesundheitlich angeschlagene Weinviertler, der 2017 an einem Aortariss fast gestorben wäre und danach mit Schwächezuständen und Konzentrationsproblemen zu kämpfen hatte, wollte für den Vater „stark sein“ und den betagten, oft schon starrsinnigen Senior im Betrieb entlasten. Aber der Schlossherr habe das Zepter nicht aus der Hand gegeben und für einen schwelenden Konflikt gesorgt: unter anderem mit dem Einbau eines Speiselifts ohne Baugenehmigung.

Am 13. Dezember vergangenen Jahres habe sich im Kaminzimmer des Schlosses bei Kaffee und Kuchen die Situation wegen der Schwarzbauten wieder einmal zugespitzt: „Alle haben auf mich eingeredet. Mein Vater machte mir Vorhaltungen wegen meiner Kinderlosigkeit, schimpfte auf meine Frau und warf mir Blödheit vor. Es kam von allen Seiten, selbst mein Bruder half zum Vater. Ich habe es nicht mehr ausgehalten, der Schmerz im Kopf wurde immer größer“, erinnert sich der Weinviertler. Dann sei ihm alles zu viel geworden und ein Gedanke sei ihm eingeschossen: „Ich muss alle töten!“

„Ich gestehe Totschlag bei allen drei Personen“

Der Weinviertler holte eine Schrotflinte aus dem Jagdzimmer, lud die Waffe auf dem Weg zurück ins Kaminzimmer und erschoss zuerst den Bruder (52), dann den 92-jährigen Vater, lud nach und feuerte auf die gehbehinderte Stiefmutter (87). Nach der Bluttat teilte er der Haushälterin mit: „Ich habe alle erschossen!“, dann verständigte er die Polizei und ließ sich widerstandslos festnehmen.

Der 55-Jährige gibt beim Prozess die Tötung der Familienmitglieder zu, will aber keinen Dreifachmord begangen haben: „Ich gestehe Totschlag bei allen drei Personen“, erklärt er und sein Verteidiger Peter Philipp macht eine allgemein begreifliche Gemütsbewegung geltend.

J.H.
Gerichtspsychiater Werner Brosch befand den Weinviertler zum Tatzeitpunkt für zurechnungsfähig.

Der psychiatrische Sachverständige Werner Brosch befindet den Weinviertler zum Tatzeitpunkt für zurechnungsfähig und erklärt: „Es waren heftige Emotionen im Spiel, aber er war in keinem krankhaften Ausnahmezustand. Er konnte komplexe Handlungen, wie Waffe holen, laden, Schüsse abgeben und nachladen, begehen. Dies schließt ein Affektdelikt aus.“

„Es war ein Blutbad. Er hat zielgerichtet drei Menschen erschossen“, hält Staatsanwältin Anna Weißenböck nach dem Beweisverfahren an ihrer dreifachen Mordanklage fest.

Die Geschworenen schließen sich ihrer Rechtsansicht an und befinden den 55-Jährigen des Mordes an seinem Bruder, des Vaters und der Stiefmutter für schuldig. Graf Tono wird zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt, nicht rechtskräftig. Graf Tono legte nach Rücksprache mit seinem Verteidiger gegen das Urteil Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde ein.