Landau und Pröll über die Lehren der Geschichte

Erstellt am 30. November 2022 | 19:31
Lesezeit: 4 Min
Eine Krise nach der anderen: Was braucht es, um rauszukommen? Das erläuterten der ehemalige Landeshauptmann Erwin Pröll und Caritas-Präsident Michael Landau - mit Beispielen aus Laa und Retz.
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Die Caritas in der Region Weinviertel ließ beim „Abend des Zusammenhalts“ in der Burg Laa (Bezirk Mistelbach) zwei Männer aufeinandertreffen, die einmal – im Jahr 2015 – aneinandergekracht waren: Erwin Pröll, ehemaliger Landeshauptmann, und Michael Landau, langjähriger Direktor und jetziger Präsident der Caritas der Erzdiözese Wien.

Inhalt der Podiumsdiskussion anlässlich des 100-jährigen Bestehens von Niederösterreich und der Caritas zugleich war vor allem, welche Lehren sich aus der Geschichte für die Krisen der Gegenwart ziehen lassen. Der Streit war eines von vielen Beispielen, die die Ehrengäste den Zuhörern als „Tipps“ mitgaben.

„Es war 2015 eine sehr schwierige Situation mit Traiskirchen und wir hatten unterschiedliche Standpunkte“, erinnerte sich Pröll an die Flüchtlingskrise. „Du hast mit deiner Meinung nicht hinter dem Berg gehalten“, ergänzte Landau. „Aber das finde ich positiv, das hat einen Wert. Und manchmal läuft man bei dir in die Faust ...“ Pröll warf lachend ein: „Jetzt nicht mehr, nur mehr in die offene Hand.“

Botschaft: Nie die Schwächsten vergessen

Die zwei Männer hatten sich später ausgesprochen, seitdem duzt man einander. Genau darum gehe es, betonte Pröll: Standpunkte vertreten, Begegnung auf Augenhöhe, den Respekt bewahren. Und nie die Schwächsten der Gesellschaft aus den Augen verlieren: Das war eine weitere Botschaft der beiden. „Es braucht die Bereitschaft, hinzuschauen“, erklärte Landau.

Dass sie mit Moderator Werner Fetz (ORF NÖ) auf dem Podium Platz nahmen, hatte seinen Grund. 100 Jahre haben das Bundesland und die Sozialeinrichtung auf dem Buckel: „Ein Viertel dieser Geschichte haben diese Herren maßgeblich geprägt“, erklärte Thomas Krottendorfer, Caritas-Leiter der Region Weinviertel. Aber nicht nur sie griffen zum Mikrofon.

Was gewünscht und gefordert wird

Caritas-Interessensvertreterin Anna Petrides hatte konkrete Forderungen für Menschen mit Behinderung: Arbeitsplätze auch in der „Außenwelt“, gerechte Entlohnung, Forcierung der einfachen Sprache, größere Barrierefreiheit im öffentlichen Bereich und eine große „Akzeptanz, so wie wir sind“. Josef Widl (Hollabrunner Lerntafel) wünscht sich ein aktives Flüchtlingsmanagement der Politik. Menschen, die in Österreich bleiben dürfen, sollen außerdem schnell auf den Arbeitsmarkt gebracht werden. „Dann sind sie in der Gesellschaft auch akzeptiert.“ Susanne Jacobs, die die „Le+O LaaDe“ führt, hat die große Vision, dass in 100 Jahren dieser Sozialmarkt keine Notwendigkeit mehr hat.

In Zeiten der Teuerung ist dies kaum vorstellbar, Gesellschaft und Politik sind mit einer Krise nach der anderen beschäftigt. „Veränderung beginnt oft im Kleinen“, sagt dazu Landau. Er denkt an Eltern von Kindern mit Behinderung, die sich 2004 in Laa zu dem Verein „Behindert, Besonders - Anders“ (BBA) zusammengeschlossen haben. Letztlich war dies einer der Puzzlesteine, warum heute an einem neuen Caritas-Wohnhaus für Menschen mit Behinderung in Laa gebaut wird.

Retz: "Caritas-Bewohner gehören einfach dazu"

Er denkt aber auch an die Caritas-Einrichtung in Retz (Bezirk Hollabrunn) – und ihren integrativen Charakter: „Die Caritas-Bewohner in Retz gehören einfach dazu.“ Das lebte auch Pröll, der bei jedem Besuch in der Weinstadt von zwei Caritas-Klienten empfangen wurde und sie – auch unter ungläubigen Blicken – mit Umarmungen begrüßte. Diese Keimlinge hält Landau für wichtig: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich das Positive in die Breite ausdehnt.“

Fehlentwicklungen erkennt Pröll im Materialismus-Rausch und in der steten Gewinnmaximierung: Jeder Einzelne könne aber „überlegen, wie viel Luxus wir uns leisten können, damit wir die Schwächsten mitnehmen können“. Gelinge das nicht, seien Demokratie und Frieden gefährdet. „Die Währung Herz ist gefragt.“ Er wünsche sich einen zusätzlichen sozialen Schub, damit es wärmer „und nicht kälter und egoistischer“ wird.

„Wir werden verändert aus der Krise herausgehen, aber ob zum Guten oder zum Schlechten, liegt auch an uns“, ergänzt Landau. „Es geschieht einiges, aber es braucht das Zusammenspiel aller“, zieht er noch einmal das Beispiel Laa heran. Denn ohne die Stadtgemeinde, das Land NÖ, die Caritas und den BBA-Verein wäre ein Wohnhaus für Menschen mit Behinderung nicht möglich, wo auch die ökologische Verantwortung eine Rolle spiele.

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