Vorwurf gegen KH Mistelbach: „Keiner hat informiert“. Familie glaubt, dass sich Patienten im KH in Mistelbach ansteckten, Klinik dementiert.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 09. Februar 2021 (18:28)
Der Onkel von Vanessa Niedermayer verstarb im Landesklinikum mit dem Coronavirus, die Schwiegermutter wurde nach einem Aufenthalt positiv getestet. Sie vermutet eine Ansteckung im Klinikum. Dieses hält das für unwahrscheinlich und verweist auf Sicherheitsmaßnahmen.
Michael Pfabigan

Vanessa Niedermayer aus Obritz (Bezirk Hollabrunn) versteht die Welt nicht mehr: Innerhalb von wenigen Tagen ist ihr Onkel mit Corona verstorben und ihre Schwiegermutter daran erkrankt. Beide wurden zuvor im Landesklinikum Mistelbach behandelt – für Niedermayer kein Zufall, ihrer Ansicht nach haben sie sich dort infiziert. Im Landesklinikum hält man das wiederum für unwahrscheinlich.

Niedermayers Onkel sollte im Landesklinikum operiert werden. „Der Termin wurde jedoch verschoben und er wurde nach Hause geschickt“, erzählt sie. Dort entwickelte er schnell schwere Symptome, seine Schwägerin fand ihn am Kellerboden liegend auf. „Er verstarb an Corona“, trauert Niedermayer um ihren Verwandten.

Doch damit hatten die Sorgen der Familie kein Ende: Ihre Schwiegermutter besuchte im selben Zeitraum wie ihr Onkel das Landesklinikum, sie wurde an der Schulter operiert. „Sie leidet auch an einer Beckenfraktur und darf ein Bein nicht belasten, eine Pflege zuhause war uns daher nicht möglich“, erzählt Niedermayer. Ihre Schwiegermutter wurde daraufhin im Landespflegeheim Mistelbach untergebracht.

Nachdem postoperative Schmerzen auftraten, wurde die Patientin zur Behandlung ins Landesklinikum gebracht - ohne Wissen der Familie. „Sie wurde auf Corona getestet, allerdings nicht mit einem Schnell-, sondern mit einem PCR-Test“, schildert Niedermayer: „Das Ergebnis wurde aber ohnehin nicht abgewartet.“

Niedermayer: "Niemand hat uns informiert"

Zwei Tage später wurden die Angehörigen von der Bezirkshauptmannschaft informiert, dass die Schwiegermutter positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. „Es hat uns niemand informiert!“, kritisiert Niedermayer, die seither verzweifelt versucht, mehr Informationen zu erhalten. „Die Quarantänemaßnahmen mussten im Nachtdienst unverzüglich umgesetzt werden, was durchaus prioritär zu behandeln ist. Die Information an die Angehörigen wurde im Anschluss ebenfalls so zeitnah wie möglich durchgeführt“, kontert Doris Slama von der Gesundheitsregion Weinviertel, der alle Pflegeheime unterstellt sind.

Mittlerweile ist die 74-jährige Patientin wieder im Landesklinikum, da sie durch die Coronaerkrankung an Atemnot leidet.

Niedermayer und ihre Familie, vor allem ihr Schwiegervater, leiden sehr unter der Situation. „Wir haben uns alle regelmäßig testen lassen, um eine Ansteckung zu verhindern, und dann das“, schüttelt sie den Kopf. Nun könne die Familie nur mehr warten und hoffen, dass die Schwiegermutter sich erholt. „Für uns ist es zu spät, aber wir hoffen, dass wir damit anderen solche Schicksale ersparen.“ Niedermayer wünscht sich vom Landesklinikum und vom Pflegeheim vor allem zwei Dinge: „Ehrliche Information und mehr Menschlichkeit im Umgang mit den Angehörigen.“

Zu den konkreten Fällen kann die Sprecherin des Landesklinikums, Barbara Schindler-Pfabigan, aus Datenschutzgründen keine Auskunft geben. Aber: „Eine Covid-Erkrankung kann auch mit modernsten Testmethoden nicht immer sofort festgestellt werden, da ein Nachweis erst einige Tage nach der Ansteckung möglich ist.“ Daher bedeute ein positiver Test, der im Klinikum gemacht wurde, nicht, dass die Ansteckung hier stattgefunden hat, stellt sie klar.

Klinikum und Heim: Vorwürfe unbegründet

Von Seiten der Klinikleitung seien alle erdenklichen Maßnahmen zum Schutz der Patienten sowie der Mitarbeiter gegen eine Ansteckung ergriffen worden. Dazu zählen auch eine Zugangskontrolle beim Eingang, um Erkrankte frühzeitig erkennen zu können, regelmäßige Testungen auf SARS-CoV-2 aller Patienten – bei der Aufnahme sowie gegebenenfalls im weiteren Verlauf des Aufenthaltes - sowie die Kohortierung von Verdachtsfällen auf den Stationen bzw. von positiv getesteten Patienten auf eigens dafür vorgesehenen Stationen. Auch die Mitarbeiter würden wöchentlich getestet werden und nur in der ihrem Bereich entsprechenden persönlichen Schutzausrüstung arbeiten. „Wir kooperieren mit der Sanitätsbehörde und halten uns strikt an deren Vorgaben, um unseren Patienten und Mitarbeitern so den größtmöglichen Schutz zu gewährleisten“, versichert Schindler-Pfabigan.

Und auch Doris Slama von der Gesundheitsagentur verwehrt sich gegen den Vorwurf mangelnder Kommunikation im Franziskusheim: „Das Pflegezentrum Mistelbach betreibt einen durchwegs sehr hohen Kommunikationsaufwand und ist immer bereit, Anrufe entgegenzunehmen und Videotelefonie via WhatsApp für die Bewohner zu ermöglichen. Den Vorwurf einer nicht ehrlichen Kommunikation weisen wir auf das Schärfste zurück.“