Tankstelle darf keine Vignetten mehr verkaufen

Erstellt am 16. Juni 2022 | 05:11
Lesezeit: 3 Min
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Täglich werden die Unterschriften der Tankstellen-Kunden mehr, die mit der Petition erreichen wollen, dass die Asfinag die BP-Tankstelle wieder Vignetten verkaufen lässt. Chefin Eva Gartner und Langzeitmitarbeiterin Veronika Musilova zeigen die Packen der vergangenen Tage.
Foto: Michael Pfabigan
Die Asfinag kündigte der BP-Tankstelle an der Grenze in Drasenhofen den Vertriebsvertrag.
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Gleich nach dem Grenzübergang in Drasenhofen steht wohl die einzige Tankstelle in Österreich, in der es keine Vignetten zu kaufen gibt: Ein Mitarbeiter hatte vor zwei Jahren ohne ihr Wissen Vignetten ungelocht, was verboten ist, an einen Freund weitergegeben. Der hatte diese mit Aufschlag in Tschechien weiterverkauft, was auch verboten ist.

Lizenzgeber Asfinag erfuhr davon und kündigte Eva Gartner, Pächterin der BP-Tankstelle direkt an der Grenze, umgehend den Vertriebsvertrag – und seither ist kein neuer Vertrag mehr zu bekommen. Gartner selbst glaubt mittlerweile daran, das die Aktionen gegen sie persönlich gerichtet sind.

„Ich hab den Mitarbeiter fristlos gekündigt, aber das war dem Asfinag-Vignetten-Vertrieb egal“, sagt Gartner. Um den Reisenden trotzdem das Vignetten-Service bieten zu können, besorgte sie sich bereits gezwickte Vignetten bei anderen Tankstellen bzw. Organisationen. Das ging eine Weile gut, bis Testeinkäufer der Asfinag wieder darauf aufmerksam wurden, ihr den Weiterverkauf und den anderen Vertriebspartnern die Weitergabe an sie untersagten.

Kunden verstehen das nicht

Seit einem Jahr gibt es an der BP-Tanke jetzt keine Vignetten mehr. „Unsere Kunden verstehen das nicht, sie haben sogar eine Unterschriftenaktion gestartet, damit es wieder die Vignette bei uns gibt“, erzählt die Tankstellenbesitzerin. Derzeit gibt es die Vignette beim Roadhouse, einige hundert Meter Richtung Tschechien, und bei der Shell-Tankstelle in Poysdorf: „Zurückfahren will keiner und die Shell hat nicht 24 Stunden offen“, weiß Gartner.

Und es geht da nicht nur um die Unzufriedenheit der Autofahrer mit der Gesamtsituation, der Verlust der Vignettenlizenz ist auch ein finanzieller Schaden: Es geht um immerhin 5.000 bis 6.000 Euro pro Monat.

17 Jahre habe sie sich nichts zu Schulden kommen lassen und trotzdem bekomme sie keine zweite Chance von der Asfinag, klagt sie.

Asfinag sprach mehrere mündliche Verwarnungen aus

„Wir haben den Vertrag nicht von heute auf morgen aufgekündigt“, sagt Oguz Kücük, Vignetten-Vertriebschef der Asfinag: „Es gab mehrere mündliche Verwarnungen im Vorfeld.“ Der Vertriebsvertrag sei nach Vertragsverletzungen und Fehlverhalten im März 2020 aufgelöst worden. Auch Gespräche mit dem Gebietsbetreuer hätten keine Wirkung gezeigt, zumal der illegale Vignettenverkauf sich über längere Zeit gezogen haben dürfte. Dass sie den Mitarbeiter gekündigt hat, ändert nichts an der Tatsache, dass die Vertragsbedingungen verletzt worden seien, gibt sich Kücük unerbittlich.

„Stimmt überhaupt nicht“, kontert Gartner: „Ich wurde nie verwarnt und es konnte überhaupt nur eine einzige Vignette nachgewiesen werden, die ungezwickt aus meiner Tankstelle verkauft wurde“, ärgert sich die Tankstellenbesitzerin.

Dass die BP-Tankstelle je wieder einen Vignetten-Vertriebsvertrag bekommt, schließt Kücük kategorisch aus: „Wir haben an der Grenze einen guten Vertriebspartner, das wollen wir nicht ändern.“ Zumal sich das Kaufverhalten ändert und immer mehr Vignetten an den Automaten oder als e-Vignette gekauft würden.

Tankstellenbesitzerin Eva Gartner will das nicht auf sich sitzen lassen und schaltet jetzt den Volksanwalt und ihren Rechtsanwalt ein.

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