Tote in Auto: Schmauchspuren an Hand der Mutter. Mutter und vierjährige Tochter wurden tot in einem Auto bei Windschutzgürtel entdeckt.

Von Michael Pfabigan und Thomas Schindler. Update am 30. März 2021 (13:23)
Mutter und Tochter lagen tot im Auto im Windschutzgürtel. Bei den Untersuchungen fanden die Tatortermittler auch eine Waffe im Fahrzeug.
Usercontent, Michael Pfabigan

„Gegen den Ex-Lebenspartner der Toten und Vater des vierjährigen Mädchens gibt es nach den ersten Einvernahmen durch die Spezialisten des Landeskriminalamtes keinen konkreten Verdacht mehr“, sagt Reinhard Schwaigerlehner von der Landespolizeidirektion NÖ: Der Mann hatte sich am Sonntagabend bei der Polizei in Horn gestellt. Er dürfte ein glaubhaftes Alibi präsentiert haben und ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß. „Es liegen keine Hinweise vor, dass der Mann mit der Tat in Verbindung steht“, berichtet der Polizeisprecher.

Sonntagmittag hatte ein Jäger ein auf einem Feldweg bei einem Windschutzgürtel stehendes Auto bei Eibesthal entdeckt – darin die leblosen Körper einer 29-jährigen Frau aus Neusiedl an der Zaya und ihrer vierjährigen Tochter. Beide wiesen Schussverletzungen am Kopf auf. „Die Tatortgruppe hat eine Waffe unter einem Autositz gefunden, ob es sich dabei um die Tatwaffe handelt, werden Untersuchungen zeigen“, so Schwaigerlehner. Das Obduktionsergebnis jedenfalls deutet eindeutig in Richtung Mord und Selbstmord: An der Hand der 29-Jährigen Mutter waren Schmauchspuren gefunden worden, die entsprechende Untersuchung der Schusshand ist positiv. Parallel dazu wird zum Hintergrund der Verzweiflungstag im sozialen Umfeld ermittelt. Schwaigerlehner will vorerst nichts dazu sagen: „Das Spekulieren wollen wir anderen überlassen“, die Polizei beschränke sich auf das Ermitteln.

Der 59-jährige Ex-Partner hatte nach der Trennung von der 29-Jährigen in einer Wohnung in Mistelbach gelebt. Sein Quartier wurde am Sonntagnachmittag von einem Kommando der Cobra gestürmt. Von der Bluttat und der Suche nach ihm habe der Mann erst aus den Medien erfahren, gab er bei der Polizei zu Protokoll. Deshalb habe er auch am Abend die Polizei-Inspektion in Horn aufgesucht und sich dort gemeldet.

In Neusiedl herrscht Fassungslosigkeit

Erschüttert über die Bluttat zeigt sich Neusiedls Bürgermeister Andreas Keller. Er kannte bzw. kennt die Beteiligten. „Ich war mit allen gut. Man hat sich auf der Straße gesehen und gegrüßt“, erinnert sich der Ortschef im NÖN-Gespräch. Näheren Kontakt habe es keinen gegeben. Alle sind in Neusiedl geboren. Teilweise wohnen auch Familienangehörige des einstigen Paares im Ort.

Wie hat Keller von der Tragödie erfahren? „Durch einen Anruf. Ich musste mit der Feuerwehr die Haustür der Verstorbenen verschließen, nachdem die Wohnung von der Polizei durchsucht worden war“, schildert er. Warum es zu diesem Drama kam, kann sich der Bürgermeister nicht erklären: „Es waren alles nette Leute“, bedauert Keller die Geschehnisse.