Kritik an Bank-Austria-Haus am Mistelbacher Hauptplatz. Grüne Pürkl kritisiert Fassade des Projektes am Hauptplatz. Investoren weisen Kritik zurück.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 31. Dezember 2020 (04:33)
Das ehemalige Bank Austria-Haus und das Wandererhaus sollen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.
CPI Immobilien, Pfabigan

1853 wurde Wilhelm Bernatzik, Jugendstilmaler und Mitbegründer der Wiener Sezession, im ehemaligen Bank-Austria-Haus am Mistelbacher Hauptplatz geboren. Jetzt steht das altehrwürdige Haus, das zu den ältesten Bauzeugnissen mit historischen Gewölben am Hauptplatz zählt, vor dem Abriss.

„War Wunsch der Stadträte“

Die CPI Immobilien GmbH hatte das Haus und das benachbarte Wandererhaus gekauft und plant den Bau eines zweistöckigen Gebäudes mit 73 Wohnungen, einer Gemeinschaftsordination und einem Gourmet-Supermarkt im Erdgeschoß. Letzterer ist einer der großen Wünsche der Mistelbacher, geht es um neue Geschäfte im Stadtzentrum. Am Dach des Gebäudes entsteht eine barrierefrei erreichbare Gemeinschaftsterrasse mit Pergolen und Hochbeeten, die allen Bewohnern des Hauses zur Verfügung steht und den Trend von „Urban Gardening“ aufgreift. „Gleichzeitig tragen Gründächer zu einem positiven Klima bei“, sagt Jennifer Leitner von der CPI Immobilien GmbH.

Das ehemalige Bank Austria-Haus und das Wandererhaus sollen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.
CPI Immobilien, Pfabigan

„Der Investor will leider keine Zugeständnisse an das historische Bauwerk oder Stadtbild machen“, kritisiert nun Stadträtin Martina Pürkl (Grüne): „Das geplante neue Gebäude wird meiner Meinung nach nichtssagend und austauschbar sein.“ Sie ist seit Start des Projekts dagegen, die alte Bausubstanz einfach abzureißen. Bei CPI Immobilien sieht man die Lage differenzierter: „Auf Wunsch mehrerer Stadträte und Stadträtinnen wurde eine stärker an historische Vorbilder vorhandener Gebäude am Hauptplatz angelehnte kleinteiligere Gliederung der Fenster angeregt, welche selbstverständlich in die Planung aufgenommen wurde“, sagt Leitner: „Es ist unser Bestreben, ein Projekt zu schaffen, das nicht nur zur weiteren Attraktivierung des Stadtzentrums beiträgt, sondern auch Anklang findet.“

Das Projekt stelle eine zeitgemäße Antwort auf die aktuellen Herausforderungen hinsichtlich kompakter Bauformen, Hintanhaltung von Zersiedelung, Vermeidung zusätzlicher Bodenversiegelung, Verbesserung mikroklimatischer Gegebenheiten sowie Emissionsschutz durch Erreichen ökologisch optimierter Energiekennzahlen dar. Gleichzeitig trage es zu einer weiteren Belebung des Hauptplatzes bei. Bei der Planung sei auch die Meinung der Stadträte abgefragt worden, das Feedback sei in die Planung mit aufgenommen worden, sagt Jennifer Leitner.

„Nicht ohne Grund wurde das Objekt von den Fachleuten des Bundesdenkmalamtes als nicht schützenswert beurteilt“

Den Vorwurf der Grünen-Stadträtin am Projekt will sie nicht so auf ihrem Unternehmen sitzen lassen: „Wir widmen uns seit mehr als 22 Jahren dem Werterhalt historischer Gründerzeithäuser in Wien, die wir mit großer Sorgfalt und Expertise sanieren. Wir schätzen den Wert historischer Gebäude und es ist uns ein Bestreben diese auch zu erhalten.“ Beim gegenständlichen Objekt entspreche die Bausubstanz allerdings in keiner Weise den Nutzungsanforderungen.

„Nicht ohne Grund wurde das Objekt von den Fachleuten des Bundesdenkmalamtes als nicht schützenswert beurteilt“, hält Leitner fest. Aufgrund der schlechten Bausubstanz sei eine Integration des Bestandsgebäudes in einen modernen Neubau weder aus statischen und bauökologischen noch aus gestalterischen sowie nutzungsrelevanten Faktoren möglich.

„Die historischen Bögen, die den Blick vom Hauptplatz durch die Kreuzgasse auf die Pfarrkirche einrahmen, werden im Zuge der Bauarbeiten jedoch erhalten“, kündigt Jennifer Leitner an.