Tenor in Mistelbach: "Die guten Vorsätze sind da". Das Brauchtum lebt noch: Zwischen Tradition, Konsum und bewusstem Handeln nimmt es verschiedene Formen an.

Von Florian Mark. Erstellt am 26. Februar 2020 (05:36)
Rita Newman

„Generell kann Fasten dazu einladen, das eigene Bewusstsein zu überdenken und sich auf das Wesentliche zu besinnen“, sagt Diätologin Jennifer Kellner aus Ernstbrunn zum Thema Fastenzeit: „Gerade heutzutage kann es Gelegenheit sein, sich bewusst auf den Konsum und verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln zu konzentrieren.“

Welche gesundheitlichen Aspekte sind bei der freiwilligen Ernährungseinschränkung zu beachten? „Es gibt verschiedene Formen des Fastens, das heutzutage sehr individuell umgesetzt wird. Traditionelles Fasten, also der Verzicht auf Nahrung und Genussmittel, kann ohne professionelle Begleitung schnell zu Mangelversorgung führen und ist für Kinder, Schwangere, Stillende, ältere und kranke Personen ungeeignet“, urteilt die Expertin.

„Intervallfasten ist ein alternatives Modell: Zum Beispiel wechselt man zwischen acht Stunden Nahrungsaufnahme und 16 Stunden Fasten ab, oder fastet jeden zweiten Tag. Dadurch kann die Autophagie, ein Reinigungsprozess der Zellen, gefördert und Krankheiten vorgebeugt werden. Zudem wird die Sensibilität des Körpers gesteigert: Man lernt, Appetit von Hunger zu unterschieden und nicht ununterbrochen Lebensmittel zu konsumieren.“

„Wichtig ist es, nicht wahllos irgendeinen Fastenplan umzusetzen, ohne sich vorher Informationen, auch bei Experten, einzuholen“, sagt Kellner abschließend.

Mit dem Aschermittwoch wird in der Kirche die 46-tätige Fastenzeit vor Ostern eingeleitet. Da die Sonntage traditionell nicht dazugehören, spricht man allgemein von 40 Tagen, an denen von Katholiken persönlicher, individueller Verzicht - und am Aschermittwoch und Karfreitag spärliche Kost - gefordert wird. In österreichischen Küchen, in denen gefastet wird, wird der Aschermittwoch daher zumeist spärlich gehalten. Traditionell werden Speisen wie Brezen, Fisch, Gemüse  und Suppen gekocht und verzehrt.

Der in Restaurants heute oft üppig ausfallende Heringsschmaus ist trotz der von kritischen Stimmen geäußerten Unvereinbarkeit mit dem Gedanken der Fastenzeit eine beliebte Menüwahl zum Aschermittwoch. In der Therme Laa wird er als Heringssalat mit Spezialitäten-Buffet angeboten. „Eine perfekte Ergänzung sind die von uns angebotenen Massagen und kosmetischen Behandlungen, die den Körper stärken und bei der Entgiftung unterstützen können“, so der stv. Geschäftsführer der Therme Laa – Hotel & Silent Spa Reinhold Hofmann. „Das sind zum Beispiel die Lymphdrainage, Honigmassagen oder Entschlackungspackungen.“

„Der Spinat am Gründonnerstag ist nicht wegzudenken, zusätzlich gibt es die ganze Fastenzeit über ein erweitertes Fischangebot“, so Karl Polak vom Hotel-Restaurant „Zur Linde“ in Mistelbach. „Unser Angebot wird mit Bärlauch und anderen Kräutern auch leichter und frühlingshafter.“ Ob die Gäste tatsächlich fasten? „Das merkt man durchaus“, so Polak. „In der ersten Woche starten viele mit wenig Fleisch- und noch weniger Alkoholkonsum, danach nimmt der Trend etwas ab. Aber die guten Vorsätze sind da.“

Ähnliches kann auch Haubenwirt Matthias Herbst vom Gasthaus Herbst in Hanfthal beobachten. „In der ersten Woche fasten alle, vor allem beim Alkohol. Am Gründonnerstag muss es nicht Spinat sein: Unsere Rezepte mit Wildkräutern der Saison, darunter Brennnesseln oder Bärlauch, sind bei unseren Gästen durchaus beliebt.“

Will man die 46-tätige Zeit spirituell aktiver gestalten, wird man vielleicht beim Programm „Fasten2020“ des Entwicklungsraums Dekanat Laa-Gaubitsch West in der Region Laa fündig. Insgesamt sieben Pfarren arbeiteten das vielfältige Veranstaltungsangebot mit Vorträgen, künstlerischen Workshops und Musikabenden aus. Den Beginn markiert ein Gottesdienst am Aschermittwoch, 26. Februar in allen teilnehmenden Pfarren.

Umfrage beendet

  • Fastenzeit: Leistet auch ihr Verzicht?