Spannender Einblick in die Steinzeit. In Kleinhadersdorf fand Gesteinsabbau für die Mühlen der damaligen Zeit statt.

Von Werner Kraus. Erstellt am 17. September 2020 (04:17)
Mit dem Grabungsfest in der Föllimer Kellergasse wurde der offizielle Schlusspunkt bei den heurigen archäologischen Grabungsarbeiten in Kleinhadersdorf gesetzt: Thomas Grießl, Hanna Pietsch, Konstantin Hladik, Leon Schlund, Wolfgang Neubauer, Manfred Leisser und Matthias Löffler.
Werner Kraus

Wolfgang Neubauer ist nicht nur Archäologe, sondern auch leidenschaftlicher Hobbykoch. Als er zum Abschluss der archäologischen Grabungen in Kleinhadersdorf das Grabungsteam in die Föllimer Kellergasse einlud, fanden die Archäologen auf ihren Tellern daher einen besonderen Schweinsbraten: Neubauer hat das Gericht mit Unterstützung seines Freundes Wolfgang Lubisser aus Hallstatt nämlich nach jahrtausendealter Garmethode zubereitet.

Wichtiger als die Kulinarik waren an diesem Abend allerdings die Ergebnisse der Forschungsarbeiten: Gefunden wurden 32 Langhäuser mit bis zu 400 Quadratmetern Größe aus der Zeit von 5300 bis 5100 vor Christus. Frage bei der Untersuchung war, was die Siedler auf die Anhöhe beim Mistelbacher Wald geführt hat, da Siedlungen in dieser Zeit normalerweise an Bächen errichtet wurden. Das Geheimnis konnte gelüftet werden: Wie von Forscher Wolfgang Neubauer vermutet, fand in der Siedlung Gesteinsabbau statt, um die Reibplatten und Läufersteine die Mühlen damaliger Zeit zu produzieren.

Siedlung wurde noch lange genutzt

Die Häuser der Siedlung sind, obwohl von abgeschwemmten Material überschüttet, dennoch gut erhalten. Es gab sehr viele Keramikfunde, Tierknochen haben die Archäologen jedoch keine gefunden. Sie dürften sich in diesem lehmigen Boden nicht erhalten haben.

Langen Bestand hatte die Siedlung dennoch: Die Menschen der Wilhelmsdorfer Kreisgrabenanlage haben das Areal von 4800 bis 4600 vor Christus weiter genützt. Danach wurde die Siedlung aufgegeben. Die Forscher fanden keine weiteren Spuren einer Besiedelung.

Das Grabungsprojekt wurde vom Land NÖ und der Gemeinde Poysdorf gefördert. Die Universität Wien und das Ludwig Bolzmann Institut nützen die Grabungen, um Studenten auszubilden und die Grabungen nach den neuesten digitalen Methoden zu dokumentieren. Auch für das Wissenschaftsmagazin Nano (Arte) wurden Filmaufnahmen dieser Grabung angefertigt. Ein Großteil des Forschungsteams wechselt nun nach Dänemark, wo unter der Leitung von Wolfgang Neubauer mit den hochtechnischen Gerätschaften des Ludwig Boltzmann Instituts nach Burgen des Wikingerkönigs Harald Blauzahn gesucht wird.