Grünschnitt-Deponie scheidet die Geister. Frättingsdorf bekommt als einziger Ort eine eigene Grünschnitt-Deponie.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 10. Juli 2019 (12:55)
M. Pfabigan
Die Grünschnittsammelstelle im Wertstoffsammelzentrum im Wirtschaftspark A5 bei Kettlasbrunn ist für die Frättingsdorfer zu weit weg. Deshalb sollen sie einen eigenen Sammelplatz im Ort erhalten.

Ist es wegen der anstehenden Gemeinderatswahlen oder doch, weil es ein sehnlichster Wunsch der Gemeindebürger ist? Im Gemeinderat wurde ein Pilotprojekt heftig diskutiert, mit dem in Frättingsdorf, der nördlichsten Ortsgemeinde der Stadt ein eigener Grünschnittsammelplatz eingerichtet wird, damit die Frättingsdorfer nicht in die östlichste Ortsgemeinde der Stadt in den Wirtschaftspark A5 bei Kettlasbrunn pilgern müssen, um ihren Grünschnitt loszuwerden. Laut Google Maps braucht man für die 20 Kilometer knappe 20 Minuten.

Denn dort befindet sich seit der Eröffnung des neuen Wertstoffsammelzentrums auch die Grünschnittsammelstelle.

„Bürger haben den Wunsch an mich herangetragen, gerade für Kleinstmengen eine derartige Möglichkeit zu schaffen“, berichtete Bürgermeister Alfred Pohl (ÖVP) dem Gemeinderat. Die Alternative sei, dass dieser Grünschnitt, weil sich die Bürger die 20 Kilometer Fahrtstrecke (in eine Richtung) sparen wollen, einfach in einem Windschutzgürtel entsorgt wird. „Die neue Sammelstelle soll probeweise für ein Jahr beim Friedhof installiert werden“, sagte Pohl.

Die Opposition fand den Antrag durchaus kurios, weil er bereits im zuständigen Gemeinderatsausschuss und auch im Stadtrat abgelehnt worden war. Die Gemeinderäte der Opposition fürchten durch die Einrichtung einer separaten Grünschnittsammelstelle in einer Ortsgemeinde Beispielwirkung. Derartige Begehrlichkeiten könnten dann auch aus anderen Orten kommen, die ebenfalls nicht den Weg in den äußersten Osten der Gemeinde nehmen wollen, um ihren Grünschnitt loszuwerden.

Liebminger: "Vor Verlegung gewarnt"

„Wir haben davor gewarnt, das Wertstoffsammelzentrum nach Kettlasbrunn zu verlegen“, sagte FPÖ-Stadträtin Elke Liebminger, Stadträtin Anita Brandstetter (Liste aktiver Bürger LaB) befürchtet eine Bevorzugung einer Ortsgemeinde gegenüber den anderen. SPÖ-Stadtrat Josef Strobl hatte technische Einwände. Für die Ablagerung von Grünschnitt auf öffentlichem Grund brauche es rein rechtlich eine verdichtete Oberfläche. „Dann brauchen wir ein Dichtheitsattest. Und das ist nicht billig“, warnte er.

Zudem gebe es Erfahrungen, dass eine derartige, unbeaufsichtigte Sammelstele nicht funktionierte. „Das hatten wir schon vor 25 Jahren in Hörersdorf. Da war alles Mögliche drinnen, nur kein Grünschnitt“, erinnert sich der langgediente Stadtrat.

Die ÖVP konterte: Der Wunsch aus der Bevölkerung sei im Ausschuss stiefmütterlich behandelt worden bzw. es seien keine Alternativen gesucht worden.

Stephan Prinz (NEOS) reichte es schlussendlich: Er beantragte, das Thema wieder in den Ausschuss zurückzustellen. Das wurde knapp abgelehnt. Der Probebetrieb für ein Jahr wurde nur mit den Stimmen der ÖVP beschlossen.