200 kamen zum Protest in Wolkersdorf. Zahlreiche Bürger protestierten vor dem Schloss für Flüchtlinge in griechischen Lagern: Die Asylverfahren sollen durchgeführt und Flüchtlinge aufgenommen werden.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 05. März 2021 (03:41)
Ein schöner Anblick. Die Forderung hinter dem Lichtermeer vor dem Wolkersdorfer Schloss ist allerdings ernst: Aktivisten setzen sich für die Aufnahme von Flüchtlingen ein.
Clara
Hirschvogl

Mit einem Meer aus Kerzen brachten die versammelten Bürger vor dem Wolkersdorfer Schloss ihren Protest zum Ausdruck: Das Licht der Kerzen galt der Aufnahme von Flüchtlingen aus griechischen Lagern. Die Flüchtlingshilfe Wolkersdorf sowie jene aus Pillichsdorf haben zu der Aktion aufgerufen, um dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Widerstand gegen die Aufnahme von Flüchtlingen betrachtet Rudolf Rögner, Obmann der Wolkersdorfer Flüchtlingshilfe, nämlich mit kritischem Blick. Vor allem das Argument, Flüchtlinge nicht nach Europa herein zu lassen, um vor der Flucht hierher abzuschrecken, damit schlussendlich weniger Flüchtlinge nach Europa kommen, hält Rögner für unmenschlich: „Dann dürfte man auch keine Bergrettung durchführen“, denn dann würden sich auch seltener Menschen im Gebirge in Gefahr begeben.

Rögner appelliert an die Politik, Asylverfahren für jene Flüchtlinge durchzuführen, welche sich derzeit in Griechenland befinden und die EU-Grenze bereits überschritten haben. Diese Forderung steht vor dem Hintergrund der „menschenunwürdigen Zustände in den europäischen Flüchtlingslagern“, wie er und Milena Bister, Obfrau Flüchtlingshilfe Pillichsdorf, berichten.

200 Aktivisten nahmen an Protestaktion teil

Um der Forderung politische Kraft zu verleihen, fanden in ganz Österreich Protestcamps statt: In Wolkersdorf nahmen sogar 200 Bürger an der Veranstaltung teil – mehr als Rögner sich erwartet hat. Elf der Aktivisten entschlossen sich, im Schlosspark in Zelten zu übernachten, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen.

Rögner und Bister untermauern, dass ihre Forderung nach Aufnahme von Flüchtlingen durchaus umsetzbar wäre: 3.188 sichere Aufnahmeplätze habe die Initiative Courage österreichweit erfassen können. Die Flüchtlingshilfen Wolkersdorf und Pillichsdorf wünschen sich, dass die Gemeinden der Region sich verstärkt ihrer Forderung anschließen und sich per Appell an die Bundesregierung richten. Der Pillichsdorfer Gemeinderat tat dies im Dezember.

Vom starken Andrang an Flüchtlingen, wie er 2015 stattfand, ist in Wolkersdorf und Pillichsdorf heute allgemein nicht mehr viel zu spüren: Rögner berichtet, dass die Arbeit sehr stark zum Abschluss gekommen ist. Viele der Flüchtlinge, die noch hier leben, werden von seinem Verein beim Kontakt mit Behörden unterstützt.

In Pillichsdorf werden nach wie vor sieben Wohnplätze in einem Gemeindegebäude für die Flüchtlingsunterkunft genutzt. Einer der Flüchtlinge, ein armenischer Steinmetz, hat sogar das Wappen der Gemeinde in Granit gemeißelt.