Drei Hauben in Wolkersdorf. Koch Patrick Lentavitsch sperrte im Frühjahr in Obersdorf „Die Schmauserei“ auf und erhielt nun zwei Hauben. Manfred Buchinger behält seine Haube.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 11. Dezember 2020 (04:03)
Patrick Lentavitsch und seine Frau Anastasija haben die Testesser überzeugt: 13 von 20 Punkten erhielt „Die Schmauserei“ in Obersdorf.
Pfabigan

Manfred Buchinger ist mit seiner „Alten Schule“ nicht länger Alleinvertreter der Haubenküche in der Stadtgemeinde: Der junge Patrick Lentavitsch, welcher das Obersdorfer Gasthaus nach Verlust des Pächters mit dem Namen „Die Schmauserei“ neu aufstellte, erhielt zwei Gault&Millau-Hauben (13 von 20 Punkte).

Auf ihren Tellern fanden die Verkoster Feldfrüchte aus der Region: „Im ziemlich radikal modernisierten Dorfgasthaus „Die Schmauserei“ besteht die Möglichkeit, dieses Gemüse auch sorgfältig zubereitet zu verkosten. So soll es sein. Der in etlichen Wiener Spitzenhäusern tätig gewesene Küchenchef Patrick Lentavitsch traut sich sogar, einige davon als Hauptgericht anzubieten.“

„Wir kochen gerne, was uns auch schmeckt.“ Patrick Lentavitsch, Küchenchef

Gemundet hat den Vertretern von Gault&Millau auch das Schweinsohrcarpaccio mit Gurkensalat. Ein Gericht, welches Lentavitsch erstmals in Litauen entdeckte – seine Frau Anastasija kommt aus dem baltischen Land. Die Schweinsohren werden, ehe sie auf dem Teller landen, gekocht, gepresst und in Scheiben geschnitten.

Manfred Buchinger hat auch dieses Jahr wieder eine Gault&Millau-Haube ergattert.
Pfabigan

Einen Haken hat das Gericht allerdings: Wie Lentavitsch mit Humor anmerkt, sind frische Schweinsohren nicht leicht zu bekommen. Ein Fleischer erwiderte seine Anfrage mit verwundertem Blick. Doch der Küchenchef lebt nach der Philosophie alles vom Tier zu verwenden. Ein Ansatz, der sich nach Urteil der Gault&Millau-Tester bewährt hat. In der Schmauserei wird daher auch das von den einen geliebte, von den anderen geächtete, Beuschel serviert.

Zwei Gerichte müssen bei Lentavitsch jedenfalls auf die Karte: Das Schnitzel und der Tafelspitz, doch das ist wenig überraschend. Wäre ein Gasthaus ohne Schnitzel auf der Karte nicht geradezu befremdlich?

Um zu entscheiden, was gekocht und serviert wird, folgt Lentavitsch darüber hinaus einem Leitspruch: „Wir kochen gerne, was uns auch schmeckt.“ Die Karte wird oft gewechselt. Eines seiner persönlichen Lieblingsgerichte, die Käsespätzle, bereitet Lentavitsch natürlich mit würzigem vorarlberger Bergkäse zu.

Patrick Lentavitsch und seine Frau Anastasija haben die Testesser überzeugt: 13 von 20 Punkten erhielt „Die Schmauserei“ in Obersdorf.
Szeker, R. Schwarzmüller

Der erschwerte Start in der Schmauserei – der 1. Lockdown kam kurz nach der Eröffnung – wird mit zwei Gault&Millau-Hauben vermutlich aufgewogen. Außerdem berichtet Lentavitsch von einem guten Sommergeschäft, aktuell betreibt er eine Abholküche. „Wir hoffen, dass wir im Jänner durchstarten können“, sagt der Küchenchef.

Ein unübliches Jahr war es mit Sicherheit auch für Langzeit-Haubenträger Manfred Buchinger. Das Geschehen in seiner „Alten Schule“ verlief dennoch wie üblich und das Urteil der Verkoster lässt auf die Vertrautheit mit dem Gasthaus schließen: „Auch heuer wieder verwöhnte man uns mit spannenden Gerichten aus hoch qualitativen Zutaten, die mit großer Lässigkeit und noch größerer Sorgfalt gezaubert wurden.“ Das kulinarische Erlebnis könne nur Buchinger selbst mit seiner Höflichkeit übertreffen.