Frauenpower bei der Feuerwehr. Die Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr im Weinviertel erzählen über Engagement, Leistung und Vorurteile.

Von Cathrine Leisser. Erstellt am 18. August 2017 (05:00)
Christoph Herbst

Wer denkt, dass Frauen sich nur über Schuhe und Nagellack Gedanken machen, liegt eindeutig falsch: Das beweisen jetzt die Frauen der Freiwilligen Feuerwehr im Weinviertel.

Obwohl der Eintritt der ersten Frau zur Freiwilligen Feuerwehr im Bezirk Mistelbach erst gute 23 Jahre her ist, kann man(n) sich die Feuerwehr ohne sie nicht mehr vorstellen. Ganz im Gegenteil: Die männliche Besatzung ist sogar richtig froh über den weiblichen Zuwachs. „Es ist toll, dass immer mehr Frauen zu uns stoßen. Auch, weil viele der Damen tagsüber verfügbar sind, da sie sich vor allem zuhause um die Familie kümmern oder Teilzeit arbeiten“, freut sich Kommandant Wolfgang Schuppler aus Gaweinstal.

Wichtige Aufgaben und Positionen

Nicht nur die zeitliche Verfügbarkeit, sondern auch ihre Leistung und ihr Engagement sprechen für die Damen: Sie übernehmen wichtige Aufgaben und Positionen und schrecken vor nichts zurück. Neben der Arbeit des Verwalters und des Bewerters bei Bewerben, sind sie auch für die Bekleidung zuständig, oder machten für die großen Feuerwehrfahrzeuge den LKW-Führerschein. Für die Damen steht fest: Sie sind sich für keine Arbeit zu schade und haben kein Problem damit Initiative zu zeigen.

Einer der Hauptgründe, warum sie bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv sind, stellt für sie vor allem die Hilfsbereitschaft dar. „Sicherheit und Schutz von Menschen ist mir sehr wichtig. Außerdem kann es im Alltag, abseits der Feuerwehr, auch oft notwendig sein, zu retten“, betont Feuerwehrfrau und Studentin Maria-Theresia Wild, die vor acht Jahren der Feuerwehrjugend Gaweinstal beigetreten ist.

Auch der selbstverständliche Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung in allen Bereichen ist ein Punkt, der für die Arbeit bei der Feuerwehr spricht und zählt zu den schönsten Momenten im Dienst. Einige der engsten Freundschaften wurden bei der Feuerwehr geschlossen und auch Partner und Ehemänner der Feuerwehrfrauen sind dort tätig. „Ich war frisch aus Wien hergezogen, wollte mich integrieren und habe bei der Feuerwehr Offenheit und Solidarität erfahren“, erzählt Feuerwehrfrau Wera Zagler aus Wolkersdorf. Die unterschiedlichsten Wege führten die Damen zur Feuerwehr.

„Mit ausreichend Motivation und dem richtigen Engagement sind Frauen nicht schlechter oder besser als Männer!“Stefanie Grum, Feuerwehrfrau 

Während Versicherungsmaklerin und Finanzberaterin Maria Gugganeder erst im Alter von 50 Jahren den Weg zur Feuerwehr fand, sind andere Damen damit aufgewachsen und haben ihre ersten Schritte in der Feuerwehrjugend gemacht. Auf negative Kommentare aufgrund ihres Geschlechts sind sie auf ihrem Weg bis jetzt nicht gestoßen. Trotzdem sind einige überrascht und erstaunt, dass Frau auch zur Bewältigung solcher Aufgaben fähig ist und das, vor allem, freiwillig tut.

Auch die männlichen Feuerwehrmitglieder verlieren kein schlechtes Wort über ihre Kolleginnen und benachteiligen sie auf keinen Fall. „Ich war bei den anderen Mitgliedern immer herzlich willkommen“, betont Sozialpädagogin Yvonne Pristl. Die gesamte Besatzung ist sich sicher: Frauen können genauso viel wie Männer. Die männlichen Mitglieder stoßen manchmal genauso an ihre physischen und psychischen Grenzen, wie die weiblichen, wobei in solchen Fällen auf Unterstützung vom Team vertraut werden kann.

„Mit ausreichend Motivation und dem richtigen Engagement sind Frauen nicht schlechter oder besser als Männer“, unterstreicht Buchhalterin Stefanie Grum.