„Das könnte ein Wolf gewesen sein“. Jäger glauben, dass er nur auf der Durchreise war. Keine Rissspuren.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 21. Juli 2020 (17:12)
Dieses Bild, aufgenommen auf einem Feld im Revier Gaweinstal, könnte einen Jungwolfzeigen. Festlegen will sich aber kein Experte nur anhand der Fotos.
zVg

„Es könnte sein, ich will mich aber nicht festlegen“, sagt Bezirksjägermeister Christian Oberenzer: Zwischen Gaweinstal, Kleinharras und Hohenruppersdorf soll am 16. Juli ein Wolf gesichtet worden sein. Handyfotos zeigen ihn auf der Landstraße dahintrabend und über Felder laufend.

„Auf den ersten Fotos, die ich gesehen habe, hätt ich das Tier eher für einen Schäferhund gehalten“, sagt Oberenzer; auf anderen Bildern sehe das Tier dann einem Wolf schon eher ähnlich. Und auch der Wolfbeauftragte des Landes hält das nicht für unwahrscheinlich. Auch Gaweinstals Hegeringleiter Christian Gepperth hatte die Bilder an das Wildforschungsinstitut der Vetmed geschickt - auch dort hielt man es für möglich, dass sich da ein Wolf durch das Weinviertel bewegt.

Derzeit gehen die Bilder auf den sozialen Medien viral: Man solle bei einer Sichtung das Wolfcenter Ernstbrunn rufen, heißt es auf Facebook: Die würden ihn betäuben, untersuchen, besendern und umsiedeln. Und: Man solle auf keinen Fall die Jäger rufen, die würden ihn nur abschießen. „Das wäre dann medialer Selbstmord der Jägerschaft“, entgegnet Oberenzer.

„Das wolfähnliche Tier wurde zuerst in Kleinharras (Bezirk Gänserndorf) und dann in Gaweinstal gesehen, seither gibt es auch keine Sichtung“, sagt Oberenzer. Und: Es gibt noch keine aufgefundenen Risse des Tieres: „Das hat aber nicht viel zu sagen. Wenn er einen Hasen gerissen hat und den im Kukuruz- oder Kornfeld gefressen hat, dann finden wir die Überreste nicht“, sagt Oberenzer.

„Wenn das tatsächlich ein Wolf war, dann war es ein einzelnes Jungtier, das durch das Weinviertel gezogen ist. Ich glaube nicht, dass der überhaupt noch da ist“, sagt Gepperth.

Muss man sich Sorgen machen, wenn man sich außerhalb der Ortschaften beispielsweise beim Sport aufhält? „Nein“, sagen die Jäger. Gesunde Tiere würden den Menschen meiden.