Viel Platz für Sonnenenergie sorgt für Kritik

Gaweinstal wird 18 Hektar für eine große PV-Anlagen im Freiland umwidmen. SPÖ und FPÖ üben Kritik am Flächenverbrauch und am Landschaftsbild.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:20
Photovoltaik
Foto: Diyana Dimitrova/Shutterstock.com

Als erste Gemeinde im Bezirk gab Gaweinstal am 17. November den Weg frei für die Errichtung von Photovoltaik-Kraftwerken auf freiem Feld - sehr zum Missfallen von SPÖ und FPÖ. Beschlossen wurden Verträge mit vier PV-Anbietern, die auf einer Gesamtfläche von 18 Hektar Sonnenkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 18 Megawatt-Peak errichten sollen.

SPÖ-Chef Markus Simonovsky störte an den Plänen der ÖVP und Bürgermeisterin Birgit Boyer (ÖVP) nicht nur die Formulierung des Vertrages, der den vier Errichterfirmen die Nutzung aller öffentlicher Liegenschaften, Wege und Brücken zusagte, ohne die Liegenschaften klar zu definieren. Außerdem war für ihn die Abgeltung der Nutzung und etwaiger Schäden sowie „Beeinträchtigungen durch die Veränderungen im Landschaftsbild“ mit 250 Euro pro Hektar und Jahr denkbar gering: „Uns geht es da nicht ums Geldverdienen“, stellte Bürgermeisterin Birgit Boyer klar: Hier gehe es darum, Richtung Energiewende ein Zeichen zu setzen.

Viel mehr störte ihn der enorme Flächenverbrauch von 18 Hektar: „Wir pflastern 18 Hektar mit Photovoltaikanlagen auf unseren Äckern zu! Schau’n wir zuerst, dass wir PV-Anlagen auf öffentliche Dächer und Beschattungen von Parkplätzen bekommen“, forderte Simonovsy.

„Kannst du dir ausrechnen, wie viele Dächer wir bauchen, damit wir auf 18 Hektar kommen“, konterte Boyer. Dass die Flächen versiegelt würden, stimme nicht: Denn einerseits befänden sich die PV-Elemente in drei Metern Höhe, darunter sei Schafzucht möglich, die Zäune rundherum seien so gestaltet, dass Niederwild hinein könne und hier Unterschlupf finden kann. Und bei der Bepflanzung könne auf Biodiversität geachtet werden.

PV-Flächen bei Gaweinstal, Pellendorf und Schrick

Wo befinden sich diese 18 Hektar? Einerseits links und rechts der Autobahn zwischen Gaweinstal und Pellendorf (sieben Teilflächen) und zwei bei Schrick im Bereich des Wirtschaftsparks am Autobahnknoten. Herbert Muthenthaler (SPÖ) sieht durch die Sonnenkraftwerke die Gemeinde in zwei Teile zerschnitten und forderte massiv andere Standorte ein - auch in gemeinsamer Planung mit Nachbargemeinden.

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NOEN

Bürgermeisterin Birgit Boyer verwies darauf, dass das nicht so einfach gehe: In die Planung seien mehrere Faktoren eingeflossen: Schlechte oder mittlere Bodenqualität und die Nähe zu einer bestehenden Hochspannungsleitung und zum Umspannwerk.

„Wo ist der Bauernbund? Das sind eure Felder!“, appellierte Simonovsky: Landwirte würden zu ihm kommen und sich gegen das Projekt aussprechen: „Da werden 18 Hektar Grund der Landwirtschaft entzogen“: Felder, die denen dann fehlen, die darauf angewiesen sind, Flächen dazu pachten zu müssen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Ackerpreise dadurch steigen. Die, die einen Vorteil aus dem Projekt ziehen würden, seien nur ein paar Großgrundbesitzer: „Ihr entzieht eurer eigenen Klientel die Grundlagen“, schüttelte der SPÖ-Chef den Kopf.

„Auf diese Landschaftsverschandelung kann ich gerne verzichten“, assistierte Muthenthaler.

Die Verträge und die Umwidmungen der Flächen wurden nur mit den Stimmen der ÖVP-Mehrheit beschlossen. Jetzt müssen die Betreiberfirmen Projekte vorlegen, die dann umweltverträglichkeitsgeprüft werden. Simonovsky fürchtet, dass es bei diesen 18 Hektar nicht bleiben wird: Denn im Plan als geeignetes Areal sind Flächen beiderseits der Autobahn von der Bogenneusiedlerstraße bis zum Weidenbach und im Bereich von Schrick westlich der A5 von der Astoria-Kreuzung bis zum Autobahnknoten und bis zum zweiten Windradweg.