Mistelbachs Spitzenkandidaten am Wort. Dem Mistelbacher Gemeinderat gehören 37 Mitglieder an. 20 davon stellt Christian Balons ÖVP. Stadtchef Balon tritt im Gemeinderatswahlkampf gegen fünf weitere Kandidaten an. Gegen SPÖ-Spitzenkandidat Manfred Reiskopf.

Von Sandra Frank. Erstellt am 22. Januar 2020 (03:00)
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Dieser ist sicher, dass die Sozialdemokraten die aktuellen acht Mandate ausbauen werden. Friedrich Brandstetter führt die Liste aktiver Bürger (LaB) an, die mit fünf Sitzen im Gemeinderat vertreten ist. Drei Sitze haben die Freiheitlichen inne, die mit Spitzenkandidatin Elke Liebminger in die Wahl gehen. Ein Mandat ist pink. Nach dem 26. Jänner sollen es mindestens drei sein, hofft NEOS-Spitzenkandidat Leo Holy. Ebenfalls drei Sitze wünscht sich Martina Pürkl, die mit den Grünen wieder in den Mistelbacher Gemeinderat einziehen möchte.

Was wird getan, um den Schuldenstand der Gemeinde zu reduzieren?

Christian Balon, ÖVP: Wir haben in den vergangenen zehn Jahren den Schuldenstand von etwa 49 Millionen Euro auf 40 reduziert. Die Besonderheit: Wir haben keine Gesellschaft, wo wir Schulden auslagern können, so wie in anderen Kommunen. Wir haben viel umgesetzt und trotzdem die Schulden reduziert.

Manfred Reiskopf, SPÖ: Sparen, sparen, sparen. Der Schuldenabbau ist ein wichtiges Thema, aber ich habe es satt, über die Finanzen zu sprechen, und würde mich jetzt lieber anderen Themen widmen.

Friedrich Brandstetter, LaB: Die ÖVP versucht, Dinge zu verheimlichen. Sie hat die Gebarungseinschau ein halbes Jahr liegen gehabt, bevor die anderen Fraktionen sie einsehen konnten. Der Prozess beginnt vollkommen falsch: Man muss einen ordentlichen Kassasturz machen und sich den ganz genau anschauen.

Elke Liebminger, FPÖ: In der Vergangenheit ist ziemlich geurasst worden. Gelder, die zweckgewidmet waren, sind anders verwendet worden.

Leo Holy, NEOS: Die Schulden gehören abgebaut. Das ist aber gemeinsam im Gemeinderat zu klären.

Martina Pürkl, Die Grünen: Ich habe das Gefühl, die Gemeinde übernimmt oft Aufgaben, für die sie gar nicht zuständig ist. Zum Beispiel für eine Veranstaltungsreihe vor der Kirche. Und so kommen die hohen Schulden zustande.

Wird in Mistelbach genug für den Klimaschutz getan?

Christian Balon, ÖVP: Wir hatten als erste Gemeinde einen Baumkataster, 1.700 Bäume sind im Besitz der Gemeinde. Es finden laufend Baumpflanzungen statt, für zwölf gefällte Bäume, die uns gehören, haben wir über 50 nachgepflanzt. Wir sind Natur-im-Garten-Gemeinde. Photovoltaikanlagen sollen dort aufs Dach kommen, wo der Strom auch verbraucht wird. Wärmesanierungen der öffentlichen Gebäude stehen an.

Manfred Reiskopf, SPÖ: Ich schließe mich den anderen Oppositionsparteien an: Es muss grüner werden, wir müssen mehr Bäume pflanzen. Wir brauchen aber auch eine Anlage, die Mikroplastik aus dem Klärwasser filtert. Aus Klärschlamm kann man Strom erzeugen, eine solche Anlage hat sich in sieben bis zehn Jahren amortisiert. Auf öffentlichen Flächen sollte es Solar- und Photovoltaikanlagen geben.

Friedrich Brandstetter, LaB: Wir brauchen einen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke. Die Radwege müssen besser und sicherer werden. Man kann das Mikroklima verbessern, indem man Bäume pflanzt. Man muss Förderungen für Solar- und Photovoltaikanlagen wieder einführen, die von der ÖVP abgeschafft wurden.

Elke Liebminger, FPÖ: Wir sind sehr für Klima- und Naturschutz in der Gemeinde. Wir in den Katastralgemeinden trennen Müll wie die Wilden. In der Stadt ist man anonymer, da wird nix mehr getrennt. Es braucht einen zweigleisigen Bahnausbau nach Wien, um die langen Wartezeiten bei Gegenzügen zu entschärfen.

Leo Holy, NEOS: Es braucht mehr Grün: Einen Ausbau der Fahrradwege, das kann auch die Lebensqualität steigern. Wir sind eine Pendlerstadt, auch hier müssen wir ausbauen und sichere Fahrradwege zum Bahnhof schaffen. So schlecht sind wir nicht, aber es geht immer mehr.

Martina Pürkl, Die Grünen: Förderungen für Photovoltaik oder Fassadenbegrünung müssen eingeführt werden: Auf öffentlichen Dächern sollte es Photovoltaikanlagen mit Bürgerbeteiligung geben. Das hab‘ ich schon vor Jahren gefordert und bin ausgelacht worden. Man hat nie in die Zukunft gedacht, was sich in den nächsten zehn, 20 Jahren realistisch abspielen wird.

Mistelbach ist eine Zuzugsgemeinde, ist sie auch fit dafür? Kann die Infrastruktur mithalten?

Christian Balon, ÖVP: Mistelbach ist sehr fit! Die Kindergärten sind nicht überfüllt, es geht sich alles aus. Auch die Kläranlage ist gut ausgelastet. Wir haben ein Entwicklungskonzept, das auflag. Wir haben eine Studie gemacht, wir kennen die leeren Flächen. Aber manche Besitzer brauchen das Geld nicht und verkaufen uns die Bauplätze nicht. Da muss Bewusstsein gebildet werden.

Manfred Reiskopf, SPÖ: Mistelbach soll wachsen, Mistelbach muss wachsen. Wir brauchen dringend Startwohnungen für junge Familien! Im innerstädtischen Bereich muss mehr verdichtet werden. Ein Thema, bei dem es bereits zwei Minuten nach zwölf ist: Wir brauchen dringendst ein betreutes Wohnen für die älteren Menschen!

Friedrich Brandstetter, LaB: Ich finde es schade, dass die Stadt hier von Investoren abhängig ist. Es ist viel Bedarf an Wohnungen da.

Elke Liebminger, FPÖ: Wir brauchen leistbares Wohnen für junge Familien. Je jünger, umso schlechter ist das Einkommen. Bei Gemeindewohnungen sollte nach einer Notsituation überprüft werden, ob der Mieter sie noch braucht. Wenn er sich gefangen hat, sollte die Wohnung wieder freigegeben werden.

Leo Holy, NEOS: Ja, wir wollen wachsen. Aber da müssen wir den Menschen etwas bieten, zum Beispiel Radwege zu den Bahnstationen. Wir wollen, dass die Jungfamilien gut versorgt sind in Mistelbach.

Martina Pürkl, Die Grünen: Es gibt nur noch ganz wenig freie Bauplätze. Wir fransen zu sehr aus. Es gibt leider auch extrem hässliche Gebäude am Rand der Stadt und viele teure Eigentumswohnungen. Ich wünsche mir mehr Genossenschaftsgebäude und nicht drei bis vier Stockwerke.

Was ist Ihr Ziel für den 26. Jänner? Welches Wahlergebnis wünschen Sie sich?

Christian Balon, ÖVP: Die Absolute halten. Ich bin sehr stolz auf Mistelbach, wir sudern auf hohem Niveau. Ich will ein ehrliches Miteinander, eine sichere Zukunft und Klarheit durch die Wahlen.

Manfred Reiskopf, SPÖ: Zugewinne und die werden wir gut schaffen. Wir wollen Mistelbach fair-ändern, für ein anständiges und gerechtes Miteinander. Darum werden wir unsere acht Mandate ausbauen.

Friedrich Brandstetter, LaB: Wir wollen dazugewinnen. Wir sind keiner Partei verpflichtet, wir stehen für mehr Demokratie. Darum wollen wir stärker werden und die Absolute der ÖVP brechen.

Elke Liebminger, FPÖ: Unser Ziel ist, die Mandate zu halten und dazugzuewinnen. Und dass die Wahlbeteiligung bei fast 100 Prozent liegt, denn das Wahlrecht ist eine tolle Errungenschaft.

Leo Holy, NEOS: Mit einem Mandat kann man wenig verändern, darum ist unser Wunsch, drei Mandate zu erreichen. Dann können wir die Bürger gut im Gemeinderat vertreten.

Martina Pürkl, Die Grünen: Wir wollen erst am Montag einschlafen (lacht). Wir wollen mit drei Mandaten in den Gemeinderat zurückkehren. Das schaffen wir, davon bin ich überzeugt.