Erwin Schramm: Immer auf der Suche nach mehr Vielfalt. Wirtschaftlich haben es Landwirte schwer. Erwin Schramm setzt daher auf Nischenpflanzen wie den Iberischen Drachenkopf und hohe Qualität auf seinen Bio-Feldern.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 27. Juni 2020 (05:14)
Bio-Landwirt Erwin Schramm bei seinen Paradeisern im Folientunnel.
Christoph Szeker

Der Iberische Drachenkopf hat – anders als sein Name – ein kaum auffallendes Erscheinungsbild. Für den Laien mag das krautige Grünzeug wie jede andere Kräuterpflanze aussehen. Doch der Drachenkopf hat es in sich: Aus den Samen wird Öl gewonnen, Blätter und Blüten sind Basis für Sirupe und auch als Heilkraut hat die Pflanze aus Kleinasien Bedeutung.

Mit seinem untypischen Namen sorgt der Lippenblütler – auch Salbei oder Lavendel zählen zu dieser Pflanzenfamilie – jedoch für Verwunderung: „Woher kommt das“, fragen Kunden den Landwirt Erwin Schramm oft. „Aus Großengersdorf“, ist dann seine Antwort.

Der Iberische Drachenkopf: Äußerlich nicht aufregend, doch lassen sich Öle und Sirupe aus ihm gewinnen.
Szeker

Der Landwirt hatte vor einigen Jahren begonnen, die Pflanze mit dem auffälligen Namen auf seinen Äckern anzubauen. Er ist „immer auf der Suche“ nach neuen Ideen für seinen Betrieb, welchen er mit Ehefrau Maria seit 2006 als Bio-Landwirtschaft mit Hofladen führt.

Mit der Umstellung auf den Bio-Landbau startete Schramm die Suche nach Nischen-Pflanzen, denn zu dieser Zeit war die Nachfrage nach Bio-Ware noch begrenzt. Der Umstieg war für ihn somit ein Schritt in Neuland und Ungewissheit, doch ein notwendiger: „Wir müssen nachhaltiger wirtschaften und die Natur für unsere Nachkommen erhalten“, definiert Schramm seine Aufgabe. Schließlich ist er Landwirt, nicht bloß Nahrungserzeuger. Für ihn bedeutet nachhaltig die naturnahe Bewirtschaftung des Bodens ohne Einsatz von Chemie. Als Jäger hat für ihn die Schaffung und Erhaltung natürlicher Lebensräume für Wildtiere zudem große Bedeutung.

Bio-Landbau bedeutet für den Großengersdorfer auch weniger Abhängigkeit. Abhängigkeit von der chemischen Industrie und ein Stück weit auch von Weltmarktpreisen, die keinen Bezug zu den Gegebenheiten in Schramms Landwirtschaft haben. Von der Bürokratie konnte er allerdings nicht unabhängig werden: Kontrollen seien sinnvoll, doch der Aufwand erstrecke sich hinein in nicht mehr nachvollziehbare Detailaufzeichnungen. Das wirtschaftliche Dasein als Landwirt hält Schramm ohne ein zweites Standbein für beinahe unmöglich. Die Zahlen der Landwirtschaftskammer verdeutlichen das: Von 4.072 Betrieben im Jahr 1995, sind im Bezirk 2017 nur noch 1.666 geblieben.

Nischenpflanzen haben für Schramm viel Wert

Auf Schramms Hof wird daher auf Nischen und Qualität gesetzt. Mit der Ölmühle verarbeitet er die Samen von Lein, Hanf oder Drachenkopf zu wertvollen Ölen. Sein Leinöl brachte dieses Jahr bei der Ab-Hof-Messe in Wieselburg den Titel „Ölkaiser“ ein.

„Regionale Produkte vom Bauern schmecken am besten“, ist sich der Bio-Landwirt sicher. Vor allem, wenn der Bauer kein anonymer Produzent ist. Dass nicht jeder Versuch des Großengersdorfers ein Erfolg wird, stört Schramm wenig: Reis hat er vor Jahren versucht anzubauen, doch daraus wurde nichts. Für nächstes Jahr hat er schon neue Ideen.