Weinviertler in Krankenstand gekündigt. Erst nach Intervention bekam Arbeiter nicht ausbezahlte Lohnteile.

Von Michael Pfabigan. Update am 28. Februar 2020 (16:32)
Zogen Bilanz über das vergangene Arbeiterkammer-Jahr: Kammerrat Peter Schaludek und AK-Bezirksstellenleiter Rudolf Westermayer.
Michael Pfabigan

Ein 55-Jähriger aus dem Land um Mistelbach war bei einem nicht gemeinnützigen Verein in der Region beschäftigt. Als sich aber der Arbeitnehmer im März 2019 bei seinem Vorgesetzten ordnungsgemäß krankgemeldet hatte, wurde er umgehend gekündigt, und das fristlos.

„Der Arbeiter ist danach zwecks Kontrolle seiner Endabrechnung in die Arbeiterkammer-Bezirksstelle Mistelbach gekommen. Bei dieser Kontrolle stellte sich heraus: Weder ist die Kündigungsfrist eingehalten worden, noch sind ihm die zustehenden 15 Urlaubstage ausbezahlt worden“, sagt Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Rudolf Westermayer.

Nach einer Intervention durch die Kammer war der Verein nicht bereit, die Forderungen zu überweisen. Erst nach einer Klage beim Arbeits- und Sozialgericht erhielt der Arbeitnehmer die ihm zustehenden 2.000 Euro überwiesen. Otto Vogl-Proschinger, Präsident des Tierheimes Dechanthof legt Wert auf die Feststellung, dass sein Verein nicht der betroffene Verein sei.

„Der Weg zur AK war der richtige“, so Westermayer. „Mehr noch: Würden bereits heute die Regelungen hinsichtlich der Angleichung der Rechte von Arbeitern und Angestellten für 2021 gelten, dann hätte er 6.400 Euro an Kündigungsentschädigung, zuzüglich der Urlaubsersatzleistung in der Höhe von 1.250 Euro bekommen. Insgesamt also 7.650 statt 2.000 Euro“, so Westermayer.

Grundsätzlich suchten im Vorjahr 4.800 Mitglieder Rat bei der Arbeiterkammer in Mistelbach (2018: 4.385), davon entfielen 77 Prozent auf Beratungen im Arbeits- und Sozialrecht. Hier erstritt die Kammer für ihre Mitglieder 3,1 Mio. Euro. „Es ist traurig, dass es immer noch so ein Potenzial gibt, um Mitgliedern zustehende Leistungen einfordern zu können“, findet Arbeiterkammer-Rat Peter Schaludek. Bei 14 Insolvenzen im Bezirk sicherte die Arbeiterkammer insgesamt 2,8 Mio. Euro für die betroffenen Mitarbeiter. Der Großteil dieser Rekordsumme entfällt auf die Rupert Fertinger-Insolvenz in Wolkersdorf.

Auch Konsumentenberatungen finden auf der Arbeiterkammer statt: „Der Klassiker dabei war die elektronische Autobahnvignette“, weiß Schaludek: „Autofahrer hatten vergessen, die Vignette beim Wohnsitzwechsel umzumelden. Die ASFINAG ist da gnadenlos, die lässt nichts nach“, weiß der Kammerrat. Da geht gar nichts.