Poysdorfer Feuerwehr: "Lage in Kroatien war dramatisch". Drei Poysdorfer FF-Leute brachten zu Silvester Wohncontainer in das kroatische Erdbebengebiet südlich von Zagreb.

Von Werner Kraus. Erstellt am 05. Januar 2021 (17:38)
Drei Poysdorfer Feuerwehrmitglieder waren gemeinsam mit anderen Kollegen aus Niederösterreich im Erdbebeneinsatz in Kroatien und wurden nach ihrer Heimkehr von Dr. Neugebauer wieder auf Corona getestet: Martin Neugebauer, Bernd Kemminger, Thomas Grießl, Markus Pfeiffer, Günter Axter, Harald Schreiber.
Werner Kraus

Das schwere Erdbeben in Kroatien hat viele Menschen obdachlos gemacht und das in einem Gebiet, das zu den ärmsten Regionen des Landes zählt. Ab 30. Dezember Nachmittag erging auch an die Feuerwehr Poysdorf der Einsatzbefehl, mit dem eigenen Wechsellader und einem Tiefladeranhänger der Feuerwehr Wolkersdorf in das Krisengebiet aufzubrechen.

Nach einem Hilferuf aus Kroatien ersuchte das Innenministerium die NÖ Feuerwehren, 82 beheizbare Wohncontainer aus einer Grazer Kaserne sowie 400 Feldbetten aus dem NÖ Katastrophenlager in Tulln ins Krisengebiet zu bringen. Am frühen Abend führte Bezirksfeuerwehrarzt Martin Neugebauer noch einen Coronatest durch, alle drei Feuerwehrmitglieder waren negativ.

„Wir haben hier bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wahre Weihnachtsfreude und Hoffnung gebracht!“ Günter Axter, FF-Mitglied

Um 18 Uhr ging es dann nach Graz, wo die Container mit Feuerwehrkränen aus Krems und Wiener Neustadt verladen wurden. In drei großen Zügen starteten die Feuerwehrfahrzeuge aus Niederösterreich dann von Graz aus in das Erdbebengebiet. Poysdorf war beim dritten Zug dabei und konnte so schon sehen, wie die Wohncontainer der vorausfahrenden Feuerwehreinheiten bei den nicht bewohnbaren Häusern wertvolle Dienste leisten. Das kroatische Heer hatte für die Verteilung gesorgt und die wärmende Unterkunft im Hof oder auch im Vorgarten abgestellt.

Die Poysdorfer Gruppe mit Günter Axter, Bernd Kemminger und Markus Pfeiffer war tief berührt, als die Menschen dankbar winkten, den Hut zogen, den Daumen hoch zeigten oder auch einfach beim Autofahren hupten. „Wir haben hier bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wahre Weihnachtsfreude und Hoffnung gebracht“, erinnert sich Günter Axter. „Bei der Hinfahrt mussten wir auch auf der Autobahn wegen Erdbebenalarms einige Zeit warten“, erzählt Bernd Kemminger: „Die Situation ist dramatisch, kaum ein Haus hat noch einen Rauchfang. Die lagen am Gehsteig oder im Vorgarten. Der Turm und die Feuermauer einer Kirche fehlten und die Menschen hatten sich vor dem Haus Zelte aufgeschlagen.“

Die Straßen hatten armstarke Risse und auch bei den Brücken hieß es, vorsichtig zu sein. Gefahren wurde in Kroatien großteils auf Landstraßen, da die Höhen der Lkws mit den Containern für die kroatische Autobahn zu hoch waren.

Fahrt im Konvoi ins Erdbebengebiet: Die Poysdorfer FF-Leute fuhren am 30. Dezember ins kroatische Erdbebengebiet.
FF Poysdorf

Berührend auch das SMS eines Arbeitskollegen an Markus Pfeiffer: Der kroatische Kollege bedankte sich bei den Poysdorfer FF-Männern, dass seinen Landsleuten so spontan geholfen wurde.

In zwei Tagen ohne richtigen Schlaf schafften die drei Feuerwehrmänner die abwechselnde Fahrt nach Glina, das ist südlich von Zagreb. Wohlbehalten wieder zurück kamen die drei Poysdorfer Feuerwehrmitglieder am 31. Dezember um 23.45 Uhr in Poysdorf an.

Nach ihrer Heimkehr waren die Feuerwehrmitglieder todmüde und auch sehr froh, dass einige Kollegen unter der Führung von FF-Kommandant Harald Schreiber um Mitternacht gekommen waren, um die Fahrzeuge ordnungsgemäß zu versorgen. In der Silvesternacht kam dann auch noch Glatteis dazu.

Zwei Tage nach der Heimkehr führte Dr. Neugebauer nochmals einen Corona-Test durch.

Poysdorfs Bürgermeister Thomas Grießl dankte den drei Feuerwehrmitgliedern mit Poysdorfer Stadtsekt für ihre Hilfsbereitschaft.