Oper mit schrillen Schwestern und „Bunga Bunga“

Erstellt am 04. August 2022 | 05:02
Lesezeit: 4 Min
Richard Panzenböck inszeniert im Schloss Kirchstetten eine bunte Fassung von Rossinis „La Cenerentola“.
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Wer soll beim „Bunga Bunga“ dabei sein? Geht es nach den hinterhältigen Schwestern, dann sie und der Prinz – und keinesfalls die Stiefschwester. Auf der kleinesten Opernbühne Österreichs, dem Maulpertschsaal im Schloss Kirchstetten, steht heuer Rossinis Oper „La Cenerentola“ – die italienische Version des Aschenputtels – auf dem Programm, am 1. August war umjubelte Vorpremiere.

Richard Panzenböck setzte bei seiner Regie wieder auf die Macht der Farben: Alles, was Fake ist versucht, sich aufdringlich in den Vordergrund zu drängen. Das Reine, Wahre ist zurückhaltend: „Ich wollte Farbräume schaffen, damit das Publikum gleich auf den ersten Blick sieht, wie die Personen zusammen gehören“, sagt Panzenböck. Ein Farbleitkonzept, auf das er schon bei früheren Produktionen gesetzt hatte.

„Ich wollte Farbräume schaffen, damit man gleich sieht, wie Personen zusammengehören.“
Richard Panzenböck, Regisseur

Die hinterhältigen Schwestern Clorinda und Tisbe alias Dora Garciduenas und Sevana Salmasi haben knallige Farben und schrille Frisuren. Stiefvater Daniele Macciantelli – wieder sensationell – ist ein schlaksiger Dandy, der noch vor dem entscheidenden Ball feiert, dass er seine beiden Töchter an den Prinzen bringen kann. Der Gegensatz: Prinz Andrés Alzate Gaviria ist im schlichten Leinengewand, die Titelheldin „Cenerentola Angelina“ Rachel Deatherage zeigt sich im von der Hausarbeit gezeichneten Kleid. Schwestern und Stiefvater nehmen sie hart ran: Laufmädchen spielen, putzen, da muss sogar die Glatze des musikalischen Leiters Hooman Khalatbari her, sie wird von ihr poliert, bis sie glänzt.

Die Verwandlung vom Aschenputtel zur Prinzessin? Regisseur Panzenböck, beim ORF für das Puppenspiel zuständig, setzt hier wieder auf das Marionettenspiel, das die Metamorphose zeigt, während Deatherage zum Umziehen von der Bühne eilt. Emilio Marcucci singt den Hauslehrer des Prinzen, der als allegorische Fee dafür sorgt, dass auch Cenerentola beim Ball dabei sein kann. Alberto Martinez ist der Diener, der den bösen Schwestern als Fake-Prinz vorgestellt wird.

Das Besondere an Kirchstetten: Die Sänger sind oft nur eine Armlänge entfernt, das Publikum wird bei Auf- und Abtritten sogar angesprochen. Und wenn sich zwölf Personen beim „Bunga Bunga“ auf der zwei mal sieben Meter großen Bühne begegnen, wird es kuschelig eng auf dem „Kunstrasen“. Umso größer ist die Wirkung dieser Kompaktheit.

Fazit : Intensives, unmittelbares Opernerlebnis mit tollen Stimmen, sehr bunt, sehr schrill und sehr vergnüglich.

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