Ein Großer seiner Zunft. Über das Lebenswerk von Schiri Olindo Sangiorgi.

Von David Aichinger. Erstellt am 05. August 2020 (03:13)

Wer lange Fußball gespielt oder begleitet hat, hat bestimmt eine Schiedsrichteranekdote parat – oder mehrere. Die drehen sich dann um eine bestimmte Entscheidung, ein Vieraugengespräch oder eine persönliche Strafe wie einen Ausschluss. Wer dich vom Platz gestellt hat, bleibt dir einfach in Erinnerung.

Dann gibt es aber auch Schiris, die einfach so in deinem Gedächtnis bleiben. Olindo San giorgi war so einer, und das kam nicht von ungefähr. Der Wilfersdorfer hatte eine Gabe, die nicht viele besitzen: eine unglaublich respektvolle und sympathische Art, mit den Spielern zu sprechen. „Herr Spieler“ war beispielsweise eine Phrase, die er bei Jugendspielen gerne verwendete. Überraschend oft kannte er die Akteure auch beim Namen – selbst jene, die noch jung oder nicht so bekannt und talentiert waren. Ein Zeichen, dass er sich auf die Spiele vorbereitet haben musste – eine Wertschätzung.

Umgekehrt konnte man diesem Spielleiter, der so oft den richtigen Ton traf, auch einfach schwer böse sein. Sangiorgi wird unterm Strich nicht viel bessere oder schlechtere Entscheidungen getroffen haben als andere Schiedsrichter. Dennoch wird man ihn als einen tollen Referee in Erinnerung behalten. Aus menschlichen Gründen – und das völlig zu Recht.