Schweizer lassen Ratsche im Weinviertel bauen. Ernst Ribisch möchte die Kultur erhalten und baut Ratschen. Eine verkaufte er an Schweizer.

Von Gerhard Brey. Erstellt am 17. April 2019 (04:00)

Vor etwa 40 Jahren hat alles als Hobby begonnen und das ist es bis jetzt geblieben. Trotzdem oder gerade deswegen, hat der Herrnbaumgartner Ernst Ribisch eine Meisterschaft im „Ratschenbauen“ erreicht, die seinesgleichen sucht. Er ist heute einer der Wenigen, die diese Kunst noch beherrschen und er ist landauf, landab gefragt, wenn es um diesen alten Brauch in der Karwoche geht, der ohne Ratschen nicht gelebt werden kann.

Ribisch verfolgt mit dem Ratschenbauen vor allem ein persönliches Anliegen: „Nicht nur, dass ich gerne mit Holz arbeite und Dinge daraus fertige, die heute eher Seltenheitswert haben, so ist es mir persönlich ein Anliegen, dass das ‚Ratschengehen‘ weiterhin erhalten bleibt. Es gehört im Weinviertel zur Volkskultur und darf nicht in Vergessenheit geraten.“

Auch in Wien, Burgenland und Tirol

Dafür braucht man aber auch immer wieder funktionierende Ratschen. Deshalb repariert Ribisch auch beschädigte Ratschen, die nach Ostern in größerer Zahl bei ihm eintrudeln. Im Weinviertel ist die Schubkarrenratsche das gebräuchlichste Gerät. Es gibt weiters die Handratschen und erst kürzlich hat Ribisch auch eine Kastenratsche angefertigt. „Die Anfrage kam aus St. Pelage in der Schweiz. Die Pfarre liegt zwischen St. Gallen und dem Bodensee und dort ersetzen jetzt Kastenratschen aus Herrnbaumgarten die Glocken von Gründonnerstag bis Ostern.“ Seine Ratschen gibt es inzwischen aber auch in Wien, dem Burgenland, sogar in Tirol und natürlich vor allem in Niederösterreich.

„Es ist mir persönlich ein Anliegen, dass das Ratschen-Gehen weiterhin erhalten bleibt.“Ernst Ribisch, Ratschenbauer

In der Scheune, gleich neben seinem Wohnhaus, hat der Ratschenbauer seine Hobbywerkstatt eingerichtet. Dort werden nicht nur Ratschen gefertigt. Ribisch macht dort auch Kinderholzspielzeug aller Art bis zu Puppenhäusern, Leiterwagerln, diverse Sitzmöbel aus Holz, Drechslerarbeiten, wie Schüsseln, Vasen, Dosen, Figuren, Osterhasen, Kinderschubkarren und vieles mehr, weil ihm die Arbeit mit Holz einfach Spaß macht und ihn entspannt. Ein weiteres Highlight sind seine Klapotez: Eine davon steht in Ginzersdorf (Katastralgemeinde von Großkrut) und ist der Mittelpunkt eines Festes: Jahr für Jahr wird es von einem ortsansässigen Winzer, mitten in den Weinbergen in einer romantischen Kellergasse, organisiert.

Im Detail: Ratschen

  • Ratschen ist ein Lärmbrauch, der in verschiedenen Formen in weiten Teilen Österreichs praktiziert wird. Zentral dabei ist die sogenannte Ratsche, ein Holzschrapinstrument, dessen Geräusch von Gründonnerstag bis Ostersonntag die Kirchenglocken ersetzen soll. Kinder gehen dann ratschend durch den Ort und sagen Sprüche auf.
  • Ein häufig dabei verwendeter Spruch ist der „Englische Gruß“:
  • „Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Kniet’s nieder, kniet’s nieder auf euere Knie, bet’s drei Vater Unser und ein Ave Marie.“
  • Nach dem Ratschen werden die Kinder beim sogenannten „Absammeln“ belohnt.
  • Das Ratschen wurde 2014/15 als immaterielles Kulturerbe in das entsprechende Verzeichnis aufgenommen.