23-Jährigen in Hals gestochen: „War saublöder Zufall“. Er stach einem 23-jährigen Laaer in den Hals. Trotzdem plädierte der Angeklagte auf nicht schuldig.

Von Sandra Frank. Erstellt am 25. Februar 2021 (04:05)
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„Ich wollte den jungen Mann nicht töten. Es war ein saublöder Zufall, ich wollte sicher nicht seinen Hals treffen. Ich hab‘ mir nicht mehr anders zu helfen gewusst.“ Diese Worte richtete der Angeklagte am Ende eines langen Gerichtsverfahrens an die Geschworenen. Der 59-Jährige musste sich in Korneuburg wegen versuchten Mordes an einem 23-Jährigen verantworten.

Zugetragen hat sich die Tat vergangenen August in Laa: Nach einer durchzechten Nacht kam es zu einem Streit, bei dem der Angeklagte ein Messer zückte und den 23-Jährigen in den Hals stach. Es sei ein Wunder, dass keine Lebensgefahr bestanden habe, sagte die Staatsanwältin. „Wäre der Stichkanal minimal anders verlaufen oder minimal tiefer gewesen, wäre es zu einer unmittelbar lebensbedrohenden und schwer beherrschbaren Verletzung gekommen“, drückte es ein Gutachter aus.

Der Angeklagte plädierte jedenfalls auf nicht schuldig. Nicht nur, was den Mordversuch an dem 23-Jährigen betraf, sondern auch in zwei weiteren Anklagepunkten: Er soll den Vater (56) des jungen Mannes verletzt und einer Frau (32) ins Gesicht geschlagen haben. „Mordversuch heißt: Ich will jemanden töten, aber es ist mir nicht gelungen“, klärte der Verteidiger auf. Dann müsse es mehrere Stiche geben. Das sei hier nicht der Fall. Darum sei die Notwehr, auf die sich sein Mandant berief, völlig nachvollziehbar.

Der vorsitzende Richter Martin Bodner ließ sich vom Angeklagten die Geschehnisse schildern: Im August habe dieser ein Lokal in Laa besucht, dort habe er den 56-Jährigen und die 32-Jährige getroffen. Man habe sich davor flüchtig gekannt, an diesem Abend einiges getrunken und Schmäh geführt. Nach der Sperrstunde hat der 56-Jährige die beiden zu sich eingeladen, dort wurde weitergetrunken.

Ab da gehen die Versionen der Opfer und des Angeklagten, der bereits vier einschlägige Vorstrafen vorzuweisen hatte, auseinander: „Er hat ein paar provokante, frauenfeindliche Meldungen geschoben“, sagt das weibliche Opfer. Als sie dann, gegen sechs Uhr früh, provokant antwortete, habe sie einen „g’scheiten Schlag“ mit der Faust auf die Nase bekommen. Der 56-Jährige wollte den Angeklagten hinauswerfen.

„Er hat geschrien: ,Ich schlag‘ die Hure!‘ Aber jemanden in meinem Haus schlagen, das geht nicht!“ Auf dem Weg vom Innenhof durch die Garage auf die Straße sei es zu einem Gerangel gekommen. „Da ist mein Sohn dazugekommen, er wollte mir helfen.“ Als die drei Männer auf der Straße waren, habe der Angeklagte sein Messer gezückt und wild vor dem Vater herumgefuchtelt. „Ich war hinter ihm und wollte ihm das Messer wegnehmen. Er hat mich aus dem Augenwinkel gesehen, sich umgedreht und zugestochen“, erinnert sich der 23-Jährige, der später mit dem Rettungshubschrauber ins Landesklinikum Mistelbach geflogen wurde.

Der Angeklagte beschreibt den Ablauf ähnlich, bestreitet aber, die Frau ins Gesicht geschlagen zu haben. Er wollte nach Hause gehen, weil er müde war. Sie habe den 56-Jährigen dann auf ihn gehetzt. Der Sohn sei dazugekommen: „Die beiden sind auf mich losgegangen wie Berserker. Ich hatte Todesangst“, sagte der Angeklagte, der zum Zeitpunkt der Tat 2,3 Promille Alkohol im Blut hatte. Da er aber größere Alkoholmengen gewöhnt sei, sei der Berauschungsgrad nur mittelschwer gewesen, wie ein Gutachter feststellte: „Es gibt keinen Hinweis, dass er die Realität verloren hat.“

Der Angeklagte sei höchstens enthemmt gewesen.

Schließlich sei der 59-Jährige auf der Fahrbahn gelegen, der Sohn sei über ihm gestanden und habe auf ihn eingeprügelt, sogar mit Stahlkappenschuhen sei er getreten worden, behauptete der Angeklagte. „Ich bin gerade aufgestanden, ich war barfuß“, sagte der 23-Jährige. Das bestätigte auch die Mutter. Und der 56-Jährige trug Flip-Flops, wie die Polizeifotos bewiesen.

Die Geschworenen kamen schließlich zu dem Entschluss, dass der Angeklagte nicht die Absicht hatte, den jungen Laaer zu töten. Der 59-Jährige wurde wegen schwerer Körperverletzung am 23-Jährigen und Körperverletzung am 56-Jährigen schuldig gesprochen. Über ihn wurde eine Freiheitsstrafe von vier Jahren verhängt.

„Mildernd ist nix bei Ihnen“, sagte Richter Bodner, weil der Angeklagte bis zuletzt auf nicht schuldig plädierte und während des Verfahrens immer wieder behauptet hatte, die Polizei hätte alles so gedreht, dass er schuldig sei.