Mülldeponie unter Spielplatz? Projekt auf Eis gelegt. Derzeit läuft die Auswertung der Proben. Umwidmung wurde verschoben.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 07. August 2019 (05:14)
Michael Pfabigan
Geht es nach der Gemeinde, soll der (nicht mehr intensiv) genutzte Spielplatz Lange Gasse/Neue Gasse zu Bauplätzen werden. Zuvor muss aber erst geklärt werden, ob sich darunter eine wilde Mülldeponie aus der Nachkriegszeit befindet.

Manchmal wissen Menschen mehr als die Akten einer Gemeinde: In der Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause wollte die Gemeinde kurzfristig Bauplätze schaffen, indem sie am Laaer Kellerhügel in einem ersten Schritt auf dem Spielplatz Lange Gasse/Neue Gasse die Widmung in Bauland ändern. Gleichzeitig sollte der Standort des Spielplatzes in der Bahngasse durch eine entsprechende Spielplatzwidmung abgesichert werden.

Sofort stand FPÖ-Gemeinderat Manfred Steiner auf und wies darauf hin, dass das problematisch sein könnte, weil es auf diesem Areal früher - vor mehr als 50 Jahren - eine Schottergrube gegeben hätte, in der alle Arten von Müll einfach versenkt worden seien. In der Sitzungsvorbereitung wurden die in der Gemeinde vorhandenen Akten durchgesehen und keinerlei Indizien für eine derartige wilde Müllablagerung gefunden.

Zusatzantrag schon in Gemeinderatssitzung

„Ich habe daher sofort reagiert und noch im Zuge der Beschlussfassung in der Gemeinderatssitzung den Zusatzantrag gestellt, eine Bodenuntersuchung vor einer möglichen Umwidmung vorzunehmen“, sagt VP-Bürgermeisterin Brigitte Ribisch: „Da ich über derartige Ablagerungen keine Kenntnis hatte, habe ich auch darauf hingewiesen, dass es entscheidend ist, wenn so etwas immer sofort gemeldet wird.“

Umgehend wurde eine fachkundige Firma mit der Probenentnahme beauftragt. Anfang Juli wurden diese auch durchgeführt. In der Zwischenzeit ist auch eine Unterschriftenliste für eine Erhaltung des Spielplatzes im Umlauf, die bei der Gemeinde offiziell abgegeben wurde. Darin wird unter anderem auch von vermeintlichen Ablagerungen aus den 1950er-Jahren gesprochen.

„Das ist genau so ein Fall, wo das Wissen von den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort extrem wichtig ist“VP-Bürgermeisterin Brigitte Ribisch

„Das ist genau so ein Fall, wo das Wissen von den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort extrem wichtig ist“, sagt Ribisch: Ein einfaches Mail an das Bürgerservice der Gemeinde könne da die Planungen der Gemeinde beeinflussen. „Wenn im Nachhinein plötzlich alle sagen, das haben wir eh schon immer gewusst, dann hilft dies keinem“, so die Bürgermeisterin. „Außerdem hindert uns – frei nach Adenauer – niemand daran, jeden Tag noch ein Stück klüger zu werden.“

Was passiert nun am Spielplatz Lange Gasse/Neue Gasse? Die Widmungsänderung am Kellerhügel wird vorerst verschoben, bis die Ergebnisse der Proben vorliegen. „Falls eine Kontaminierung des Spielplatzes besteht, die weder einen Spielplatz noch eine sonstige Nutzung möglich macht, müssen sowieso grundlegende Sanierungsarbeiten erfolgen“, erklärt Bürgermeisterin Brigitte Ribisch.