Negativer Asyl-Bescheid: „Nicht tatenlos warten“. Flüchtlingen Afzal und Hayat droht Abschiebung, Familie und Mitmenschen wollen ihnen helfen.

Von Elisabeth Vyvadil. Erstellt am 07. November 2018 (04:00)
Möchten trotz des großen Schocks nicht den Glauben ans Gute verlieren: Hayat (13) und Afzal (18) mit einem Teil ihrer Pflegefamilie, Samir, Susanne und Lotta Loibl sowie Hund Mimi.
Elisabeth Vyvadil

Der Schock saß tief als im August eine schlimme Nachricht die Familie Loibl-Kien-Wakilzadeh erreichte: Die afghanischen Flüchtlings-Pflegekinder Afzal und Hayat, Onkel und Neffe, erhielten einen Negativbescheid. „Wir haben sofort darauf reagiert“, schildert Pflegemutter Susanne Loibl: Entsprechende Beschwerden wurden eingereicht, zudem erhielt man Hilfe in Form von Unterstützungsschreiben. Loibl: „Das war etwas Schönes in einer schiachen Zeit.“ 75 Schreiben sind eingereicht, weitere sowie Belege über erfolgreiche Integration wie Ausbildungen können laufend nachgereicht werden.

Möglich ist, dass beide, keiner oder nur einer von ihnen abgeschoben werden. Die Schreiben und Zusprüche bestärken die beiden, sie fühlen sich dadurch sicher: „Wir versuchen, nicht oft daran zu denken“, so die beiden zur NÖN über die Abschiebe-Gefahr. Die Familie will in der ungewissen Zeit Normalität beibehalten, positiv bleiben, den beiden ein Gefühl von Sicherheit geben: „Wir möchten, dass Hayat und Afzal jeden Tag mit einem guten Gefühl aus dem Haus gehen.“

„Wir möchten nicht einfach tatenlos dasitzen und warten bis es zu spät ist!“Susanne Loibl, Pflegemutter zweier afghanischer Jugendlicher

In Afghanistan einer usbekischen Minderheit angehörig, von Taliban misshandelt und bedroht, sollten sie sich diesen anschließen. Da die Religion der Familie besagt, dass sie friedlich leben und keine Waffen verwenden soll, flüchtete sie, auch Hayat und Afzal: Die Familie blieb im Iran zurück, die beiden Jugendlichen schafften es nach etwa drei Monaten im Dezember 2015 ins Flüchtlingslager Traiskirchen. Seit mehr als zwei Jahren leben die beiden bei der Pflegefamilie und haben gleich Anschluss im Ort gefunden.

Vormals Analphabeten, zeigen beide hohe Lernbereitschaft: Hayat lernte sehr schnell Deutsch, besucht die Neue Mittelschule, spielt beim U 14-Future-Team der Fußballakademie St. Pölten. Afzal hat Deutsch-Niveau B2, macht gerade den Pflichtschulabschluss und absolvierte bereits zwei Prüfungen positiv. Er spielt Fußball beim USG Paatzelsdorf, bekam eine Fix-Zusage für eine Restaurantfachmann-Lehrstelle: Der potenzielle Arbeitgeber war begeistert von seiner Höflichkeit und gewählten Sprache. Dann kam die Abschaffung der Asyl-Lehre.

Vernetzungsfest zur Abschiebe-Verhinderung

In einem Unterstützungsschreiben heißt es, die zwei seien super integriert, fester Familien- und Dorfgemeinschaft-Bestandteil. Behörden würden das anders sehen, beide in eine ihnen unbekannte afghanische Stadt abschieben wollen, wo lebensgefährliche Zustände drohen. Der zugängliche Hayat sei still geworden, lebe nun täglich in Angst.

Die Negativbescheide seien für viele unerklärlich, wären die zwei doch höflich und freundlich.

Loibl: „Wir möchten nicht einfach tatenlos dasitzen und warten bis es zu spät ist.“ So veranstaltet die Familie, unterstützt von rund 25 Menschen, am 9. November ab 16 Uhr im Pfarrstadl ein Vernetzungsfest zur Abschiebe-Verhinderung. Dort will man Möglichkeiten aufzeigen, und diskutieren sowie Raum für eigene Meinung geben.