Vorwürfe gegen Pflegeheim: „Verwahrlost & dehydriert“. Töchter sehen ihre verstorbene Mutter schlecht gepflegt. Pflegeheim in Mistelbach sieht das anders.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:00)
Schwere Vorwürfe erheben drei Schwestern gegenüber dem Pflegeheim Mistelbach nach dem Tod ihrer Mutter. Das weist alle Vorwürfe zurück.
Michael Pfabigan, Michael Pfabigan

„Ich gehe in ein Pflegeheim, um gepflegt zu werden und nicht, damit ich verwahrlose!“ Drei Schwestern üben scharfe Kritik am Landespflegeheim Mistelbach: Dort habe man ihre Mutter, die zur vorübergehenden Pflege im Franzsikusheim untergebracht war, derart vernachlässigt, dass sie an den Folgen Anfang März verstorben sei.

„Wir weisen sämtliche schweren Vorwürfe auf das Schärfste zurück und stehen nach wie vor jederzeit für Gespräche mit den Angehörigen zur Verfügung“, heißt es aus der für die Pflegeheime zuständigen Gesundheitsregion Weinviertel: „Wir bedauern es sehr, dass seitens der Angehörigen keinerlei Versuch unternommen wurde, ein klärendes Gespräch mit der Leitung Pflege- und Betreuung, oder mit der Direktion des Hauses herzustellen.“

„Ich gehe in ein Pflegeheim, um gepflegt zu werden und nicht, damit ich verwahrlose!“ Kritik von Angehörigen nach dem Tod ihrer Mutter.

Die 83-jährige Mutter wurde Mitte November positiv auf Corona getestet; als sich der Zustand verschlechterte, wurde sie ins Landesklinikum Mistelbach eingeliefert, wo sie wenige Tage später auf der Intensivstation für 62 Tage in künstlichen Tiefschlaf versetzt wurde. „Mama war immer agil und fit“, erzählt eine der Töchter: Sie sei überhaupt nicht desorientiert gewesen. Sie wurde auf eine Station verlegt und erholte sich dort.

Dass die Mutter dann in das Franziskusheim überstellt wurde, war zwar nicht die erste Wahl der drei Töchter, mangels anderer Heimplätze und einer 24-Stunden-Hauskrankenpflege, die im letzten Moment abgesagt hatte, musste das dann aber hingenommen werden.

Die Pflege, die die 83-Jährige dort auf Station E bekommen haben soll, soll aber mehr als zweifelhaft gewesen sein, sagen die Schwestern: „Unsere Mama hat immer Wert auf ein gepflegtes Äußeres gelegt“, erzählt eine Tochter: Im Pflegeheim hätte sich die Frisur in ein ungepflegtes Etwas verwandelt, geduscht sei sie in vier Wochen nur einmal worden. „Und sie hatte immer Hunger und Durst“, erinnern sich die Töchter.

„Im PBZ Mistelbach wird bezüglich Baden und Duschen auf die individuellen Wünsche unter Rücksichtnahme auf die körperliche Verfassung der Bewohner eingegangen“, sagt Doris Slama von der Gesundheitsregion Weinviertel: „Tägliche Ganzkörperwaschungen sind Standard und in vielen Fällen die sanfteste und kräfteschonendste Art der Körperpflege. Im Fall von Frau Kirchmayer ist eindeutig dokumentiert, dass ihre Haare gewaschen und geföhnt wurden sowie Maniküre und Pediküre durchgeführt wurden.“ Tägliches Kämmen sei fixer Bestandteil der Pflege, sagt sie.

Wegen der Coronamaßnahmen durften Bewohner des Pflegeheimes nur einen Besucher pro Woche empfangen, und das nur für eine halbe Stunde: „Und aufs Zimmer hinauf durften wir überhaupt nicht“, machen sich die Töchter Vorwürfe, nicht so auf ihre Mutter geachtet haben zu können, wie sie es gerne getan hätten: „Die Tage, die sie dort war, hat sie fast nur Saft, Wasser, Kaffee und Tee und ein paar mal Suppe zu sich genommen“, listen die Töchter auf. Einmal gab es ein halbes Stück Kuchen, einmal eine zerdrückte Banane. Das geht aus der Pflegedokumentation hervor. „Wann immer erforderlich, unterstützt unser Pflegepersonal die Bewohner beim Essen, was selbstverständlich auch bei der Bewohnerin der Fall war. Aufgrund ihrer körperlichen Verfassung war sie teilweise gar nicht in der Lage selbstständig zu essen. Auf diverse Sonderwünsche wurde eingegangen, was auch dokumentiert ist“, sagt Slama.

Dehydriert ins Klinikum eingeliefert worden

„Unter vier Augen hat mir eine Schwester geraten, unsere Mutter da so schnell wie möglich rauszunehmen, sie habe noch so viel Potenzial, das sie hier nicht nutzen könne“, erinnert sich eine Tochter.

Vier Tage vor dem Tod der 83-Jährigen wurde sie wieder in die Notaufnahme des Landesklinikums mit Dehydrationsmerkmalen gebracht: „Als der Arzt die ausgetrocknete Zunge gesehen hat, hat er mich gefragt, ob die Patientin von daheim kommt“, schildert die Tochter: „Wäre das so gewesen, hätte ich sicher eine Anzeige bekommen“, ist sie überzeugt. Seitens der Gesundheitsagentur verweist man auf neun Infusionen, die der Bewohnerin in der Zeit ihres Aufenthalts verabreicht wurden. Sie sei auch immer wieder zur Flüssigkeitsaufnahme ermuntert worden, sagt Slama.

Im Klinikum erfuhr die Frau die entsprechende Pflege, nach einer kurzzeitigen Erholung verstarb sie am 2. März. Warum gehen die Töchter mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit: „Wir wollen, dass es anderen Bewohnern des Pflegeheimes nicht so ergeht, wie unserer Mutter“, sagen sie: „Auf unsere Kritik bekamen wir von der Heimleitung immer nur gesagt, sie seien kein Krankenhaus“, ärgern sich die Schwestern.