Eduard Böhm: „Personal in den Kliniken halten“

Nach 27 Jahren als Personalvertreter im Klinikum geht Edi Böhm in Pension.

Erstellt am 08. Dezember 2021 | 04:15
Lesezeit: 3 Min
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Landtagspräsident Karl Wilfing verabschiedet den jahrelangen Betriebsratsvorsitzenden Eduard Böhm in den Ruhestand und begrüßt seinen Nachfolger Franz Hammer.
Foto: Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf

Mehr als 38 Jahre arbeitete Eduard „Edi“ Böhm am Landesklinikum Mistelbach, 27 Jahre davon als Personalvertreter. Mit 30. November ging der Betriebsratsvorsitzende in Pension.

NÖN: Wie schwer fällt Ihnen der Abschied als Personalvertreter?
Edi Böhm: Es ist nicht so schlimm, weil ich aufgrund meiner Erkrankung und mit meinem Resturlaub eh schon einige Zeit zuhause bin und meine Dienste nur noch vereinzelt wahrgenommen habe, aber jetzt bei meiner Abschiedstour durch die Statinen merke ich schon, dass mir die Menschen fehlen werden.

Was wird am meisten fehlen?
Der tägliche Kontakt zu den Menschen. Ich bin jeden Tag gerne in die Arbeit gegangen. Aber ich bin auch immer gerne heimgegangen.

Der Vergleich: Die Arbeitssituation vor allem in der Pflege: Wo liegen die Unterschiede zwischen damals, als Sie begonnen haben, und heute?
Als ich begonnen habe, hat es mehr Hilfsdienste in der Pflege gegeben als Diplompersonal. Das hat sich dann schlagartig geändert. In Zukunft wird es wieder so sein. Ich bin überzeugt, dass die Pflegeassistenten das diplomierte Personal nicht werden ersetzen können. Ich habe schon 2016, als ich die Pflegeausbildungsreformpläne erstmals gesehen habe, davor gewarnt, dass wir in einen Pflegenotstand kommen. Und wenn man sich die Situation heute ansieht: Wir kommen genau dort hin.

Als ich begonnen habe, hat es mehr Hilfsdienste in der Pflege gegeben als Diplompersonal

Was werden die Herausforderungen für Ihre Nachfolger sein?
Die größte Herausforderung wird sein, sollte Corona je vorbei sein, das Personal in den Klinken und in den Heimen zu halten. Es hat noch nie eine Zeit gegeben, wo so viele gestandene Diplomkräfte und Pflegeassistenten sagen: Jetzt renn ich noch nicht davon, aber wenn das vorbei ist, wechsle ich den Job. Studien gehen davon aus, dass 50 bis 70 Prozent den Job wechseln wollen.

Was könnte eine Lösung gegen die Job-Flucht sein?
Wir brauchen dringend eine Fachhochschul-Außenstelle in Mistelbach. Ohne FH-Außenstelle ist unser Klinikum dem Tod geweiht, das wäre für die Region eine Tragödie. Denn wenn die Jungen für die Fachausbildung nach Krems, St. Pölten oder Wiener Neustadt müssen, werden sie nicht mehr zurückkommen. Wir müssen unseren Mitarbeitern diese Möglichkeit bieten. Wir reden immer vom Fachkräftemangel: Wir bilden Mechaniker drei Jahre lang aus. Aber für einen Pflegeassistenten, der am Menschen arbeiten soll, sollen zwei Jahre reichen. Da stimmt was nicht.

Die größte Herausforderung wird sein, sollte Corona je vorbei sein, das Personal in den Klinken und in den Heimen zu halten

Was werden Sie jetzt in Ihrer Freizeit machen?
Ich war immer beim Verschönerungsverein, ich pflege den von meinem Vater in Staatz gegründeten Eduard Böhm-Park seit Jahrzehnten, ich wurde jetzt gefragt, ob ich bei „Essen auf Rädern“ fahren will. Außerdem habe ich Kinder und Enkelkinder, die sind ja sowieso das Schönste. Fad wird mir nicht.