„Allerletzte Chance“ für jungen Räuber

Ein 18-Jähriger beraubte mit einem 13-jährigen Komplizen Fahrgäste in der Schnellbahn zwischen Wolkersdorf und Mistelbach. Bei Verhandlung gab er sich geläutert. Zwei Jahre Haft.

Erstellt am 02. Dezember 2021 | 05:06
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Mit einem Komplizen raubte ein 18-jähriger Fahrgäste in der Bahn zwischen Laa und Wolkersdorf mit lächerlich geringer Beute aus.
Foto: Michael Pfabigan

Mit gerade mal 18 Jahren offene Vorstrafen von zwei und acht Monaten aufweisen zu können, erzählt einen Teil der Geschichte des jungen Mannes, der sich wegen schweren Raubes, räuberischen Diebstahls und Diebstahls vor einem Schöffensenat am Landesgericht Korneuburg verantworten musste. Am 29. Juli dieses Jahres begab er sich auf räuberische Tour auf den S-Bahn-Strecken Wolkersdorf – Mistelbach, von Laa nach Wien und zwischen Mistelbach und Wien. Dreimal an einem Tag.

Drei junge Männer wurden zu Opfern des seit Mitte August in U-Haft sitzenden Burschen. Abgesehen von der Jugendlichkeit des Täters schockierten zwei weitere Umstände dieser Raubüberfälle. Zum einen, dass die gesamte Beute mit 20,50 Euro lächerlich gering ausfiel, andererseits, dass der Komplize zum Tatzeitpunkt 13 Jahre alt war. Das waren aber nur die schwerwiegendsten Vorwürfe. Dazu gesellte sich der Diebstahl eines Rucksacks und zehn Euro in bar am 1. August am Bahnhof Gänserndorf, an dem der 13-Jährige ebenfalls beteiligt war.

Damit nicht genug, durchsuchte der junge Angeklagte kurz vor seiner Volljährigkeit im Mai in Maria Enzersdorf drei Mal und im Juni in Lanzendorf und Hollabrunn jeweils unverschlossene Autos auf Wertgegenstände. Zumeist wurde er dabei aber überrascht, beziehungsweise ertappt, oder er hinterließ bei seinen Diebstählen seine DNA. „Da gibt es nichts zu beschönigen“, begann Anwalt Michael Jobst seine Verteidigung. Er selbst sei erst vor zwei Wochen von seinem Mandanten über dessen Drogensucht informiert worden: „Er ist sehr zurückhaltend.“

In der Finanzierung und Beschaffung der Drogen dürfte auch das Motiv dieser Vielzahl an Taten liegen. Auch dabei hat der 13-Jährige eine Rolle als Dealer gespielt, was dieser auch mittlerweile zugegeben hat. Er war es auch, der die größte Bedrohung für die Opfer darstellte, da er ein Butterfly-Messer zur Einschüchterung dieser verwendete. Er selbst, so der 18-Jährige habe nie jemanden mit dem Messer bedroht. Der vorsitzende Richter Franz Furtner sah es jedenfalls als seine Pflicht, den jungen Erwachsenen darauf hinzuweisen, dass die Folgen so eines Angriffs gravierend sein können.

Täter entschuldigte sich bei allen Opfern

Es schien, als hätte er diesen Hinweis verstanden, als er sich bei jedem seiner Opfer in ehrlicher Weise entschuldigte und ihnen, für das vom Richter angesprochenen psychische Trauma, über das Materielle hinaus gehenden Schadenersatz anbot. Auch Furtner und der Schöffensenat werteten diesen Umstand als „äußerst wesentlichen Milderungsgrund“. Selbst Staatsanwalt Lambert Schöfmann kam in seinen Schlussworten nicht umhin, das Verhalten des 18-Jährigen als „kommt mir zum Teil geläutert vor“ zu bewerten.

An einer unbedingten Strafe führte, aufgrund der offenen Vorstrafen, trotzdem kein Weg vorbei. Zwei Jahre Freiheitsstrafe und Widerruf der offenen zwei Monate lautete schließlich das rechtskräftige Urteil. Verteidiger Jobst beantragte umgehend Haftaufschub, da sich der 18-Jährige inzwischen um eine Sucht- und Psychotherapie bemüht hat. „Die allerletzte Chance“ für seinen Mandanten, wie es Jobst auf den Punkt brachte.