Frauenhaus in Mistelbach: „Für Frauen wird es eng“. Frauenhaus und Verein Frauen für Frauen warnen vor negativen Auswirkungen des Lockdowns.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 27. November 2020 (04:04)
Beim Verein Frauen für Frauen und vor dem Mistelbacher Rathaus wird wieder die Aktionsfahne der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ gehisst, Corona verhindert heuer aber ein gemeinsames Aufmerksammachen auf die Problematik, wie 2018.
Michael Pfabigan

„Aufgrund des neuerlichen Lockdowns wird es in den eigenen vier Wänden oft sehr eng, nicht nur räumlich“, weiß Claudia Fath-Kuba vom Frauenhaus in Mistelbach: „Viele Männer sind vermehrt zuhause, durch Verlust des Arbeitsplatzes ist die finanzielle Situation sehr angespannt, Schulen und Kindergärten sind wieder geschlossen, es gibt keine Ausweichmöglichkeiten zu Familie oder Freunden.“

All das führe mit Sicherheit zu einer Steigerung von häuslicher Gewalt. Im Bezirk Mistelbach gab es im Vorjahr 37 Betretungsverbote für gewaltbereite Männer.

„Die Frauen und Kinder, die im Frauenhaus Zuflucht finden, haben schon einen langen Leidensweg hinter sich, sie wurden zuhause geschlagen, beschimpft, gedemütigt und bedroht!“ Claudia Fath-Kuba, Frauenhaus Mistelbach

„Das spüren wir auch im Frauenhaus in Mistelbach, im Moment ist unser Haus voll, es gibt kein freies Zimmer“, sagt Fath-Kuba: „Die Frauen und Kinder, die im Frauenhaus Zuflucht finden, haben schon einen langen Leidensweg hinter sich, sie wurden zuhause geschlagen, beschimpft, gedemütigt und bedroht“, weiß Fath-Kuba.

Claudia Fath-Kuba vom Frauenhaus Mistelbach: 37 Betretungsverbote im Vorjahr, der Lockdown verschärft die Lage für Frauen.
zVg

„Ob es um überbordende Kontrolle durch den Partner, um Körperverletzung oder im schlimmsten Fall um Mord geht – in 95 Prozent der Fälle geht die Gewalt von Männern aus: Frauen und Mädchen müssen bei Gewalterfahrungen immer die Möglichkeit haben, rasch und kostenlos Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen zu können“, sagt Bianca Woisetschläger vom Verein Frauen für Frauen: „Dafür stehen gemeinsam mit den Schutzeinrichtungen, wie Frauenhäuser, Gewaltschutzzentren, Frauen-Helplines, etc., gleichermaßen die Frauenberatungseinrichtungen vor Ort zur Verfügung.“

Auch der Verein mit Sitz in der Mistelbacher Franz Josef Straße merkt den Anstieg bei der Gewalt gegen Frauen: „Nicht nur häusliche Gewalt und Bedrohungen sind das Thema, sondern Gewalt kann viele Formen annehmen und Frauen und Mädchen jedes Alters betreffen, egal welcher wirtschaftlichen Schicht sie angehören oder zu welcher Religion sie sich bekennen“, sagt Woisetschläger.

Das Frauenhaus Mistelbach unterstützt Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, und ihre Kinder. Es bietet eine geschützte, gesicherte Unterkunft und Hilfe auf dem Weg in ein gewaltfreies Leben. Das Haus hat Platz für acht Frauen und ihre Kinder. Es bietet Aufnahme rund um die Uhr, Schutz und Unterkunft, sowie ambulante und telefonische Beratung.

Immer noch wird in Österreich jede fünfte Frau in einer Beziehung Opfer männlicher Gewalt, unabhängig von Alter, Schicht oder Kultur. 90 Prozent aller Gewalttaten werden im sozialen Nahraum ausgeübt – 20 Frauen wurden heuer von ihren Partnern ermordet.

Auf Gewalt aufmerksam machen

„16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ ist eine internationale Kampagne, die jedes Jahr von 25. November bis 10. Dezember stattfindet. Auf der ganzen Welt wird in diesem Zeitraum vom Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, dem 25. November, bis zum Internationalen Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember, auf das Recht auf ein gewaltfreies Leben aufmerksam gemacht.

Vor dem Mistelbacher Rathaus und am Haus des Vereins „Frauen für Frauen“ in der Franz Josef Straße wird an diesen 16 Tagen wieder die „frei leben“ Fahne gehisst, um in Kooperation mit der Stadtgemeinde ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen.

Das Frauenhaus Mistelbach hat seit seiner Gründung vor knapp 30 Jahren weit über 1.500 Frauen und Kindern, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden, Schutz und Unterkunft geboten.