20 Jahre Euro: „Das war gut vorbereitet“

Erstellt am 19. Januar 2022 | 05:18
Lesezeit: 4 Min
Was ist die Bilanz von zwei Jahrzehnten mit der europäischen Währung derjenigen im Bezirk Mistelbach, die täglich mit Geld zu tun haben?
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20 Jahre ist es her, dass der Euro in Österreich als Ablöse des Schillings als neue Währung eingeführt wurde. Das bedeutete eine große Umstellung, das Fazit zum Euro ist heute weitgehend positiv.

„Jeder wollte so zeitig wie möglich den ersten Euro sehen“, schildert Poysdorfs Sparkassendirektor Werner Kraus zurückblickend auf seine Zeit als Filialleiter der Erste Bank in Wildendürnbach. Er erzählt auch von den Eurobussen, wo auch nach Jahren so manches Kopfpolsterdepot von Schilling auf Euro umgetauscht wurde. Wie heute die Impfbusse, tourten die Eurobusse durch ganz Österreich um Umtauschaktionen und Aufklärung über den Euro durchzuführen.

Die teure Wurstsemmel

Kraus erwähnt aber auch den Wertunterschied von Schilling auf Euro: „Die Wurstsemmel mit Salat, Gurkerl etc. ist immer ein gutes Beispiel. Sie kostet heute oft 3 bis 3,50 Euro. Ein Fleischhauer der 50 Schilling für eine Wurstsemmel verlangt hätte, wäre damals auf seiner Ware sitzen geblieben.“

Erste Bank Regionaldirektor Wolfgang Seltenhammer sieht den Euro als Gewinn für Österreich und notwendig: „Es ist eine stabile Währung. Ohne Euro hätten wir die wirtschaftliche Kaufkraft nicht so halten können. Der Schilling hätte das nicht geschafft.“

Er erzählt, dass es zu Beginn auch sehr einschneidend war, die Umstellung hätte organisatorischen und logistischen Aufwand mit sich gebracht. Er ist aber der Meinung, dass man immer für Change-Prozesse in der Wirtschaft offen sein sollte. „Es ist wichtig, offen für Neues zu sein und überlegt und koordiniert in neue Paradigmen zu gehen“, so Seltenhammer.

Starkes Zeichen der Gemeinschaft

Auch die Erwartungen des Regionaldirektors der Volksbank Rudolf Riener an den Euro wurden erfüllt. Er sieht die Währung als ein großes Gemeinschaftsprojekt der EU. „Wenn man als Wirtschaftsunion gemeinsam agieren möchte, braucht man eine gemeinsame Währung. Auch symbolisch, als starkes Zeichen der Gemeinschaft und zur Identitätsstiftung.“, so Riener.

Er erwähnt auch die aktuellen Probleme in Großbritannien und sieht diese als Bestätigung, dass Vieles gemeinsam doch besser funktioniert. Beim digitalen Euro, zum Beispiel sieht Riener noch Verbesserungsbedarf.

Für Unternehmerin Herta Reidlinger, die einen Sanitärmarkt in Poysdorf führte, ist eigentlich kein Problem mehr präsent. „Das war alles sehr gut vorbereitet“, betont die Unternehmerin, die in der Interessensgemeinschaft der Poysdorfer Wirtschaft aktiv war.

Unternehmer hatten natürlich mit der Euro-Umstellung sehr viel zu leisten. Buchhaltungsprogramme, Registrierkassen - alles musste von Schilling auf Euro umgestellt werden. In den Anfängen war es sogar notwendig, dass auch der Schillingbetrag weiterhin auf Rechnungen angezeigt wird. Das hat sich dann aber im Großen und Ganzen rasch eingependelt.

Mistelbachs Haubenwirt Karl Polak hatte keine Probleme mit der Umstellung. Für ihn sei der Euro eine reine Verrechnungseinheit, damals habe sich nichts für ihn geändert. Er glaubt auch nicht, dass sich die Preise durch den Euro sonderlich geändert hätten. „Wir hatten ja auch ein Preiserhöhungsverbot. Klar ist das Meiste teurer heute, als damals. Aber in 20 Jahren steigen die Preise“, meint Polak.

Der Euro ist für Sabine Buryan, Geschäftsführerin des Autohaus Karl und Obfrau der Leistungsgesellschaft Mistelbach, heute Alltag. „Damals galt der Euro für mich als modern und verbindend, heute erleichtert er das Wirtschaftsleben, vor allem international“, so Buryan.

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