Aufregung um Grab: „Ist nicht unser Islam“. Zigarettenstummel, Plastikflaschen: Grab regt Friedhofsbesucher auf. Imam lehnt es ab.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 17. Oktober 2019 (04:36)
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Ein moslemisches Grab mit Zigarettenkippen und Plastikflachen am Mistelbacher Friedhof regt die Friedhofsbesucher auf. Mistelbachs Imam Kenan Corbic verortet diesen Brauch bei bosnischen Romas: „Das hat nichts mit dem Islam zu tun, den wir hier praktizieren.“

Aufregung bei Friedhofsbesuchern am Mistelbacher Friedhof: An der Friedhofsmauer Richtung Landesklinikum steht ein moslemischer hölzerner Grabstein, der nur in einem Hagebau-Kübel steckt, rundherum sind mit dem Filter in den Kübel gesteckte Zigarettenstummel platziert und zwischen Grabstein und eigentlichem Grab stehen Energy-Drink-Dosen und Eistee-Flaschen. „Eine Schande“, urteilt eine Friedhofsbesucherin. Ihr Kind sei ganz verstört gewesen, als es das gesehen habe.

Grundsätzlich: Der Friedhof Mistelbach ist ein multikonfessioneller Friedhof. Wer sich ein Grab nimmt, kann selbst bestimmen, in welchem Ritus er das macht. „Das ist wie auf Privatgrund“, sagt Stadtrat Josef Strobl (SPÖ), Mitglied des Friedhofs-Gemeinderatsausschusses. Vorgaben gebe es nur hinsichtlich der Größe des Grabsteines, bzw. wenn sich Objekte neben dem Grab, auf öffentlichem Grund, befänden, heißt es.

Bursche starb bei Autounfall

Bei Moslems sei das so üblich, dass der endgültige Grabstein erst nach einem Jahr gesetzt werde. Bis dahin werde die grüne Holztafel, ähnlich wie das Holzkreuz bei Christen, am Grab angebracht. Und auch Zigaretten und Getränke rund um das Grab seien durchaus üblich, sagt Strobl.

Das Begräbnis des Burschen, er war bei einem Autounfall gestorben, hatte bereits wegen der anderen Art des Ablaufes, für Aufsehen gesorgt. Nicht nur, weil ein Wiener Bestatter die gesamte Beisetzung ausgerichtet hatte.

„Das hat alles nichts mit dem Islam zu tun, den wir hier in Mistelbach ausüben“, stellt Kenan Corbic, Imam der Mistelbacher Muslime klar: „Der Verstorbene und seine Familie waren keine Mitglieder unserer Religionsgemeinschaft.“ Ein moslemisches Grab müsse sauber und würdig sein, Zigaretten und Flaschen am und beim Grab würden eher auf Usancen von bosnischen Romas hindeuten: „Das hat mit dem Islam nichts zu tun“, sagt Corbic.