Aufregung um Spaziergang gegen den Lockdown. Privatperson organisiert einen Protestmarsch gegen Corona-Maßnahmen und Lockdown in Mistelbach.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 23. Februar 2021 (18:17)
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Für gewaltiges Aufsehen sorgt in der Stadt Mistelbach ein Posting in der Facebookgruppe Mistelbach: Dort ruft Manfred Platschka, ehemals FPÖ-Gemeinderat und bekennender Identitärer zur Aktion „Mistelbach geht spazieren“ auf: Geht es nach ihm, dann trifft man sich am 7. März um 14 Uhr unter dem Motto „Gemeinsam statt Einsam“ am Mistelbacher Hauptplatz eben zum gemeinsamen Spazieren.

Organisiert wird der Spaziergang vom Kettlasbrunner Harald Prohazka: „Als Privatperson“, wie er betont. Unterstützt wird er dabei allerdings zumindest von der FPÖ-Gemeindepartei, dem bekennenden Identitären Manfred Platschka und der Ladendorfer ex-FPÖlerin und zuletzt Liste NÖ-Landeschefin Cornelia Makowsky. „Ich bin der Meinung, dass hier im Staat Österreich einiges falsch läuft. Jeder sollte das Recht haben gegen die Auflagen der Regierung etwas zu unternehmen“, findet Prohazka.

„Wenn man hier mitliest, sieht man, wo sich der Weizen von der Spreu trennt. Es tut meiner Seele gut zu sehen, dass mehr Weizen als Spreu in Mistelbach überbleibt!“ Kommentar eines Facebook-Nutzers

Was erwartet er sich davon? „Ich erwarte mir davon, dass möglichst viele Menschen kommen und gegen die Ungerechtigkeiten der Regierung aufstehen. Viele Menschen sind in ihrer Existenz bedroht.“ Diejenigen, die im öffentlichen Dienst oder in staats-nahen Betrieben arbeiten, könnten dies oft nicht nachvollziehen, glaubt der Kettlasbrunner. Und natürlich werde die Veranstaltung entsprechend angemeldet: Man wolle ja rechtskonform agieren.

Geplante Route: Hauptplatz, Museumsgasse, Franz Josef-Straße, Försterweg, Waldstraße, Trinklergasse, Bruderhofgasse, Rollerweg, Hauptplatz

Für hefige Diskussionen in den Sozialen Netzwerken sorgte die Unterstützung der Aktion durch Ex-FPÖ-Gemeinderat und bekennenden Identitären Manfred Platschka, in den Foren gingen die Wogen hoch.

Brauchen wir in Zeiten der Corona-Maßnahmen und ihrer Restriktionen einen derartigen Spaziergang in Mistelbach? „Offenbar schon, denn sonst gäbe es nicht so viele positive Rückmeldungen“, lacht Platschka: „Unser Spaziergang ist unpolitisch und für jeden zugänglich“, stellt er klar: „Wenn jemand mit einem Transparent oder Schild spazieren geht, so kann er das durchaus tun“, sagt der ehemalige FPÖ-Gemeinderat: „Wir leben noch in einem freien Land.“

Mit dem Mobilisieren von Menschen hat Platschka Erfahrung: 2016 organisierte er zu Beginn der Flüchtlingswelle zwei Anti-Asyl-Demos in Mistelbach und als ein Mädchen einen Übergriff durch einen Asylwerber im Freibad erfand, stellte er sich zur Mahnwache vor das Mistelbacher Rathaus.

Grundsätzlich soll es ein gemütlicher Spaziergang für alle Altersklassen werden und kein Fitmarsch: „Daher soll es auch nur ein kleiner Stadtrundgang werden.“ Platschkas Nachsatz: „Kein Spaziergang ist illegal!“

Die Reaktionen im Netz sind gespalten: „Na endlich, jetzt hat´s der Wiener Blödsinn zu uns a g’schafft“, meint ein Facebook-Nutzer. Er und viele andere befürchten, dass aus dem kleinen Spaziergang ein Superspreader-Event werden könnte.

Ein Einwand, den Organisator Harald Prohazka übrigens nicht versteht: „Wir werden die Teilnehmer anweisen, Abstände zu halten und die FFP2-Masken zu tragen. Wenn die Vertreter der Regierung recht haben, so kann es, soweit diese Maßnahmen eingehalten werden, zu keiner Ansteckung kommen.“

„Zurzeit kann man sehr viel in der Natur spazieren gehen. Es muss, glaube ich, keine Völkerwanderung sein“, meinte eine andere Nutzerin der Plattform Facebook.

Wieder eine andere kündigte an, für ihre Kinder spazieren gehen zu wollen: Denn während sich andere Kinder auf das Wiederöffnen der Schulen freuen würden, würden sich ihre aus Angst, beim Nasenbohrertest positiv getestet zu werden, gemobbt fühlen. „Wenn man hier mitliest, sieht man, wo sich der Weizen von der Spreu trennt. Es tut meiner Seele gut zu sehen, dass mehr Weizen als Spreu in Mistelbach überbleibt“, resümierte ein anderer Facebook-Nutzer angesichts der überwiegend ablehnenden Grundhaltung im Mistelbach-Forum.