Bank-Austria-Haus: „Lösung mit Investor“. Baustadtrat Brandstetter kritisiert die Abrisspläne der Firma CPI.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:22)
Die Mistelbacher haben wenig Freude mit den Fassadenplänen für das Haus, das statt dem Bank-Austria-Haus im Zentrum gebaut werden soll. Auch Baustadtrat Friedrich Brandstetter ist kein Fan des Projektes und will das historische Bernatzik-Geburtshaus erhalten.
CPI Immobilien

„Seit knapp einem Jahr bin ich Vorsitzender des Gemeinderatsausschusses 2 zuständig für Planen, Bauen und Mobilität und insofern auch mit den Plänen der CPI konfrontiert“, sagt Baustadtrat Friedrich Brandstetter (Liste aktiver Bürger): Es sei richtig, dass das Projekt dem Gemeinderat im vergangenen Herbst vorgestellt wurde.

„Dabei hatte ich die Gelegenheit, meinen Standpunkt darzulegen: Meine Meinung war und ist, dass es möglich wäre, das Bernatzik-Geburtshaus zu erhalten und gleichzeitig eine Lösung zu finden, die die Wünsche der Mistelbacher Bevölkerung sowie die Interessen des Bauwerbers berücksichtigt.“ Nachsatz: „Meine Argumente gegen das Projekt waren im Wesentlichen die gleichen, die jetzt auch von vielen Lesern der NÖN vorgebracht wurden.“ Verhindern konnte und kann er nicht mehr viel: Denn das Projekt ist seitens der Gemeinde genehmigt.

„Unser Ziel sollte doch sein, Mistelbach zu verschönern und attraktiver zu gestalten!“ Friedrich Brandstetter (LaB), Baustadtrat

Die Firma CPI Immobilien kaufte vor einigen Jahren das Bank Austria Haus (Braun-Haus) und das benachbarte Wanderer-Haus, will beide abreißen und durch einen modernen Neubau mit Wohnungen, Arztpraxen und einem Gourmet-Nahversorger im Erdgeschoß errichten, die NÖN berichtete. Das Problem dabei: Das Bank-Austria-Haus ist eines der ältesten Gebäude im Stadtzentrum, hat ein historisches Gewölbe, ist allerdings von der Bausubstanz feucht und nicht behindertengerecht: Der ehemalige Kassenraum befindet sich im Halbkeller, das Gewölbe vom Straßenniveau gesehen ungefähr auf Bauchhöhe.

„Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich das Projekt in der vorliegenden Form ablehne. Ein zusätzliches Argument ist für mich, dass Mistelbach in Zukunft den Tourismus fördern möchte“, sagt der zuständige Stadtrat: „Das Bernatzik-Geburtshaus könnte man touristisch nützen, den in der vorliegenden Form geplanten Neubau nicht.“

Persönlich könne er dem Argument, dass nur unter Denkmalschutz stehende Gebäude erhaltenswert seien, nicht zustimmen. Das Bernatzik-Geburtshaus gäbe es nur einmal auf der Welt. „Es ist für Mistelbach identitätsstiftend und deswegen erhaltenswert“, findet der Bürgerlisten-Stadtrat: „Das schlimmste Argument der Befürworter des vorliegenden Projektes fand ich übrigens, dass es ohnehin schon so viele hässliche Bauwerke am Hauptplatz gäbe, da komme es auf eines mehr oder weniger nicht mehr an. Unser Ziel sollte doch sein, Mistelbach zu verschönern und attraktiver zu gestalten!“

Die seit der Wahl veränderte politische Landschaft verhindere nicht, dass von der alten Stadtregierung eingefädelte Projekte vom neuen Gemeinderat umgesetzt werden müssen. „Wie man aber bei der Busumsteigestelle gesehen hat, können wir gemeinsam bessere Lösungen finden als die ursprünglich vorgeschlagenen“, will Brandstetter auf Dialog setzen: „In diesem Fall müsste allerdings die Firma CPI bereit sein, sich an einer breiten Lösung zu beteiligen. Dass diese ein Interesse daran hat, sich über die Wünsche eines großen Teils der Mistelbacher Bevölkerung zur Erhaltung des Bernatzik-Geburtshauses hinwegzusetzen, kann ich mir schwer vorstellen“, meint Friedrich Brandstetter.