Bausubstanz: Werden 400 Jahre alte Häuser abgerissen?. Mistelbacher sind vom möglichen Abriss der rund 400 Jahre alten Häuser wenig begeistert.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 09. Januar 2019 (05:00)
MaterialiensammlungMuseums-archivteam
Der Mistelbacher Hauptplatz 1784: Links neben der Kirchengasse (Bildmitte) finden sich das Bank-Austria- und das Wanderer-Haus.MaterialiensammlungMuseums-archivteam

Heftig waren die Reaktionen um einen möglichen Abriss des ehemaligen Bank-Austria-Hauses am Mistelbacher Hauptplatz: Enthält es doch eines der wenigen noch erhaltenen historischen Gewölbe im Stadtzentrum.

„08/15-Bau statt Altbauten“

Von „systematischem Austausch alter Bausubstanz zugunsten von 08/15-Zweckbauten“ bis zum „Verschwinden der letzten Schmuckkästchen“ reichten die Meinungen in der Diskussion. Eine Leserin forderte konkrete Vorgaben der Stadtgemeinde zum Schutz der alten Bausubstanz. Den Einwand, dass sich Gewölbe mit modernen Shopkonzepten von Nahversorgern nicht vereinen lassen, will sie nicht gelten lassen: „In anderen Städten ist das auch machbar“, sagt sie.

Das ehemalige Bank Austria-Haus, Hauptplatz 15 wurde im 17. Jahrhundert errichtet und ist eines der letzten wirklich alten Häuser im Zentrum. Alfred Englisch, der 2013 ein Buch über die Häuser im Zentrum geschrieben hat, listet akribisch die Geschichte des Hauses auf: Am Standort war ab 1659 eine Lebzelterei, von 1834 bis 1870 lebte dort der erste Mistelbacher Bürgermeister Franz Hafner. Und 1853 wurde dort der Jugendstilmaler und Mitbegründer der Wiener Sezession Wilhelm Bernatzig geboren – nach ihm ist der kleine Stadtsaal benannt. Später wurden am Hauptplatz 15 Grabkreuze und Bekleidung verkauft, bevor 1901 Karl Braun eine Pinselfabrik hier eröffnete.

Wanderer-Haus noch älter

Dann war es ein Fotostudio, ein Geschirr- und Spielwarengeschäft, eine Drogerie und ein Modewarengeschäft, ehe es 1980 von der Zentralsparkasse, der späteren Bank Austria, gekauft wurde.

Noch älter ist die Bausubstanz des Wanderer-Hauses: Es wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet, war eine Greißlerei, eine Schneiderei, ein Delikatessen- und ein Modegeschäft. 2010 wurde es von einer Immobilien-Firma aufgekauft, die ein Bürogebäude mit Premiumwohnungen und Parkdeck errichten wollte. Die Pläne wurden nie umgesetzt.

Jetzt hat ein Investor das Wanderer- und das benachbarte BA-Haus gekauft und will hier ein modernes Bürogebäude mit Nahversorger im Erdgeschoss errichten. Konkrete Pläne gibt es noch nicht.

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