Mistelbach

Erstellt am 06. Juni 2018, 05:00

von Michael Pfabigan

Belastete Straßennamen: Expertenkommission uneinig. Beirats-Mitglied Kuba stößt sich an Texten und ist für Umbenennung. Keine Tafel für Hötzendorf.

Für die Kernstockgasse wurde ein Text für eine Zusatztafel erarbeitet, für den Hötzendorf-Platz nicht.  |  Michael Pfabigan

Sollen zu problematischen Straßenbezeichnungen Zusatztafeln hinzugefügt werden oder soll gleich die ganze Straße umbenannt werden?

Darüber gibt es anscheinend Uneinigkeit in der Mistelbacher Expertenkommission, die vom Bürgermeister beauftragt wurde, entsprechende Texte für die Zusatztafeln für die Ottokar Kernstock-Gasse und den Konrad Hötzendorf-Platz (Mistelbach wählte bei der Benennung des Platzes die Schreibweise mit K. Korrekt wäre Conrad) auszuarbeiten.

Kuba: "Straßenbezeichnung stellt Ehrerweisung da"

Will Straßenumbennenung statt Zusatztafeln: Andreas Kuba.  |  zVg

Andi Kuba, Journalist und Mitglied in der Expertenkommission hält grundsätzlich wenig von Zusatztafeln für die beiden Namenspartonen: „Da eine Straßenbezeichnung eindeutig eine Ehrerweisung darstellt, erweisen wir in Mistelbach einem ideologischen Vorbereiter des Nationalsozialsozialismus und einem Kriegstreiber weiterhin die Ehre“, sagt Kuba.

Geht es nach ihm, sollten beide Verkehrsflächen umbenannt werden. „Ich bin davon überzeugt, dass beide Bezeichnungen aufgehoben werden müssen. Denn es ist aus heutiger Sicht, mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, einfach nicht mehr zu argumentieren, warum wir als Stadtgemeinde solchen Personen weiterhin die Ehre erweisen“, sagt Andreas Kuba.

„Es ist aus heutiger Sicht nicht mehr zu argumentieren, warum wir als Stadtgemeinde solchen Personen weiterhin die Ehre erweisen!“Andreas Kuba, Mitglied historischer Beirat

Und auch die Formulierung zu Kernstock findet nicht seine Zustimmung: „Das könnte peinlich für Mistelbach werden“, findet Kuba. Denn erstens wäre im Text erwähnt, dass Kernstock die Hymne der 1. Republik gedichtet habe, was insofern nicht stimmt, weil die Kernstockhymne erst ab 1929 gültig war. Außerdem stößt sich Kuba an der Formulierung, Kernstocks Werk wäre von den Nazis missbraucht worden: „Er war ein Vorbereiter des Nationalsozialismus“, sagt Kuba. Darauf hätten auch die Historiker in Graz geschlossen, dem könne man sich durchaus anschließen.

Keine Zusatztafel zum Konrad von Hötzendorf-Platz

Die Mistelbacher Expertenkommission, in der Alt-Bezirkshauptmann Gerhard Schütt, Peter Kenyeres, Peter Janner, Stadt-Historikerin Christa Jakob und Kuba sitzen, erarbeitete Texte für Zusatztafeln zu Anton Haas (Lehrer und Gründer des Musik- und Gesangsvereines, aber auch frühes Mitglied bei den illegalen Nazis ab 1932) und Ottokar Kernstock (Dichter, Verfasser der Kernstock-Hymne „Sei gesegnet ohne Ende“ und des „Hakenkreuzliedes“).

Keine Zusatztafel textete die Kommission zum Konrad von Hötzendorf-Platz vor der Polytechnischen Schule: „Die Person Franz Conrad von Hötzendorf ist von Historikern sehr umstritten. Deshalb möchte der historische Beirat keinen Text für eine Zusatztafel formulieren. Der Gemeinderat soll entscheiden, wie er in dieser Angelegenheit weiter vorgehen möchte“, heißt es in einer Mail an die Gemeinde.

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