Bis zu 50.000 Euro Ärzteförderung. Stadt Mistelbach greift für Kassenarzt tief in die Tasche. Und man feilt an Primärversorgungseinheit.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 21. Oktober 2020 (05:10)
Politische Einigkeit bei der neuen Ärzteförderung, mit der ein neuer Kassenarzt nach Mistelbach gelockt werden soll: Leo Holy (NEOS), Bürgermeister Erich Stubenvoll (ÖVP), Philipp Markovics (Grüne) und Roswitha Janka (SPÖ).
Michael Pfabigan

Die Gemeinde Mistelbach ist künftig bereit, bis zu 50.000 Euro an Förderung in die Hand zu nehmen, damit sich ein praktischer Kassenarzt in der Stadt ansiedelt. In der Gemeinderatssitzung am Montagabend wurde die Ärzteförderung beschlossen.

In Mistelbach ist seit 1. Oktober eine Kassenstelle für einen praktischen Arzt vakant, der Andrang für die Ordination ohne Hausapotheke hält sich in engen Grenzen. Voraussetzung für die Förderung: Angesucht kann nur um die investierte Summe werden, maximal 50.000 Euro. Weitere Fördermöglichkeiten:

Die Rückerstattung der Gemeindeabgaben wie Kommunalabgabe, Kanal- und Wassergebühr für fünf Jahre, ein Beratungs- und Dienstleistungsscheck über 5.000 Euro für lokale Steuer- oder Unternehmensberater. „Außerdem stehen wir mit unserem Know-how bei der Suche nach passenden Räumlichkeiten in Gemeindeimmobilien und am freien Markt zur Seite“, kündigt Bürgermeister Erich Stubenvoll (ÖVP) an: Wenn er sagt, er braucht Hilfe, dann werden wir schnell eine Lösung finden.“

„Wir machen aus dem Thema mit Sicherheit kein parteipolitisches Thema. Wir sind uns einig, dass das eine sinnvolle Lösung ist!“Erich Stubenvoll (ÖVP), Bürgermeister Mistelbach

Hinter der Ärzteförderung stehen zumindest die Parteien der Stadtregierung: „Wir machen aus dem Thema mit Sicherheit kein parteipolitisches Thema. Wir sind uns einig, dass das eine sinnvolle Lösung ist“, sagt Stubenvoll und kann sich einen Seitenhieb auf das Hickhack rund um die Arztsuche in Laa nicht verkneifen.

Die Förderung wird nur an praktische Ärzte mit Kassenvertrag ausgeschüttet, wenn in einigen Jahren einer der derzeit aktiven Ärzte in Pension geht, könnte diese Förderung wieder angewandt werden, stellten bei der Präsentation auch Roswitha Janka (SPÖ), Philipp Markovics (Grüne) und Leo Holy (NEOS) fest. Auch das LaB ist bei diesem Thema an Bord.

Arbeit an Primärversorgungseinheit

Parallel zur Suche nach einem neuen praktischen Kassenarzt für die Stadt arbeiten die Gemeinderäte an einer Primärversorgungseinheit: „Das ist kein Projekt, das man in 18 Monaten einfach umsetzen kann“, weiß Stubenvoll. Interfraktionell haben die Gemeinderäte bereits eine Exkursion in eine Primärversorgungseinheit gemacht, demnächst hat Stubenvoll einen Termin mit einem Bürgermeister, der ebenfalls bereits eine umgesetzt hat - und dabei durchaus auch Lehrgeld gezahlt hatte. „Da können wir vielleicht auch lernen, welche Fehler man vermeiden soll“, sagt der Bürgermeister.

Primärversorgungseinheiten sind Ordinationen, die von mindestens drei Kassenallgemeinmedizinern gemeinsam gegründet werden, fixe Öffnungszeiten Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr haben und bei denen sich die Ärzte ganz auf ihre Arbeit konzentrieren können. Denn die Verwaltung wird von einem Manager erledigt, diplomiertes Pflegepersonal übernimmt Wundmanagement und andere pflegerische Tätigkeiten. Physiotherapeuten und Sozialarbeiter sind ebenfalls in eine PVE integriert. Ebenfalls integriert kann ein Kinderarzt werden, weitere Fachärzte können sich einmieten. „Die Patienten müssen nicht nachschauen, welcher Arzt gerade Dienst hat und können einfach die Primärversorgungseinheit aufsuchen“, weiß Stubenvoll um die Vorteile: „Wir glauben, dass das das Modell der Zukunft ist.“ Zumal junge Ärzte nicht mehr bereit sind, unter den heutigen Rahmenbedingungen eines praktischen Arztes zu arbeiten. Abgerechnet werden die konsumierten Leistungen über die Krankenkasse.

Die bestehenden Ärzte sollen nicht ausgespielt werden, in einem ersten Schritt will man versuchen, den einen oder anderen sogar in die PVE-Gesellschaft zu bekommen. Dass eine Gemeinde diese Aufgabe übernimmt und Ärzte bei sich anstellt, ist gesetzlich übrigens nicht möglich.

Zeithorizont für eine Umsetzung: Bis 2021 soll zumindest eine Gesellschaft gegründet sein, erst dann könne man über einen Standort sprechen.