Breite Zustimmung für Filteranlage für Kläranlage. Die SPÖ initiiert im Umweltausschuss eine Filteranlage für die Kläranlage, mit der das gefährliche Mikroplastik herausgefiltert werden soll. Parteien nicht abgeneigt.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 28. Januar 2021 (03:36)
In der Kläranlage Mistelbach soll das Mikroplastik aus den Abwässern gefiltert werden. Jetzt werden einmal Machbarkeit und Kosten erhoben.
Michael
Pfabigan, SPÖ

Im Wahlkampf wurde es gefordert, jetzt brachte SPÖ-Gemeinderat Matthias Rausch den entsprechenden Antrag im Umweltausschuss ein: Die Stadt soll eine Filteranlage anschaffen, mit der Mikroplastik aus den Abwässern gefiltert werden kann.

Mikroplastik wird in Kosmetikprodukten beigemengt, stammt aus Reifenabrieb oder wäscht sich aus Kunstfasern der Kleidung aus und gelangt über die Abwässer in die Kläranlagen. „Wird es nicht effektiv herausgefiltert, gelangt es in die Flüsse und Meere und über den Klärschlamm wieder auf unsere Felder und Wiesen“, sagt Rausch. Da sich Mikroplastik wieder in Tieren ablagert, gelangt es in die Nahrungskette des Menschen: „Es ist eine lange unterschätzte Gefahr, wir sollten da handeln“, sagt Rausch.

„Die Experten unserer Stadtgemeinde sollen sich mit solchen Verfahren beschäftigen und ein Konzept samt Finanzierungsmöglichkeit vorlegen!“ Matthias Rausch, SPÖ-Gemeinderat

Die Kosten dieses Projektes, findet der SPÖ-Gemeinderat und Fraktionsführer im Umweltausschuss, sollen durch die Einnahmen der im Vorjahr beschlossenen zweckgebundenen Abfallwirtschaftsabgabe gedeckt werden.

Was würde es kosten? Rausch schätzt 80.000 Euro netto für ein Pilotprojekt, zumindest für eines der beiden Projekte, die er dem Ausschuss vorschlug: Das Projekt Wasser 3.0 von Katrin Schuhen filtert mittels eines chemisch-physikalischen Verfahrens Mikoplastik und Fremdstoffe wie Medikamentenreste aus dem Wasser. Möglich sind natürlich auch andere Verfahren: „Es gibt in Deutschland zwei marktreife Verfahren“, sagt Rausch: „Die Experten unserer Stadtgemeinde sollen sich mit solchen Verfahren beschäftigen und ein Konzept samt Finanzierungsmöglichkeit vorlegen“, fordert er. Außerdem soll ein entsprechender Grundsatzbeschluss gefasst werden.

„Es ist ein Wahnsinn, was wir unserer Natur zumuten“, sagt Andrea Hugl (ÖVP), ihres Zeichens auch Obfrau des Abfallverbandes GAUM: Mit dem Thema Mikroplastik befasse sie sich schon länger, insofern sei der Vorstoß der SPÖ richtig und wichtig. „Jetzt werden wir uns ansehen, welche Methoden zum Filtern von Mikroplastik es derzeit gibt und was es kostet. Mir als Obfrau des Umweltverbandes wäre es recht, wenn wir da etwas zusammenbringen“, sagt Hugl.

Zustimmung findet das Projekt auch bei Finanzstadtrat Leo Holy (NEOS), der Rausch schon Unterstützung bei der Finanzmittelfindung zugesagt hat.

„Sicher sinnvoll und wichtig“, sagt auch Umweltstadträtin Martina Pürkl (Grüne): Es sollte an zwei Ecken angepackt werden: Mit einem Verbot von Mikroplastik inkl. Aufklärung der Bevölkerung, wie man individuell durch die Veränderung des Einkaufsverhaltens dazu beitragen kann.

„Zweiter Punkt: Die Überprüfung der Möglichkeiten diverser Filter im Abwasserbereich“, sagt Pürkl. Über die Initiative der SPÖ freut sie sich: „Darüber bin ich persönlich erfreut, zeigt es doch, dass Umweltanliegen auch den anderen Parteien wichtiger werden. Wir werden uns das mit den Verantwortlichen für die Infrastruktur genau anschauen.“

Bis das Projekt in die Umsetzung kommen kann, wird es noch etwas dauern, kurzfristig soll es aber über die Gemeindemedien und auch über die Zeitung des GAUM Infos zur Schädlichkeit von Mikroplastik und wie man Produkte mit Mikroplastikanteil vermeiden kann, geben.