Covid-Langzeitschäden: Zwei Drittel mit Problemen. Der Großteil der stationär behandelten Corona- Patienten am Landesklinikum in Mistelbach leidet unter langwierigen Spätfolgen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 29. April 2021 (03:48)
Im Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf wird seit kurzem ein Aufbautraining für poststationäre Corona-Patienten mit Spätfolgen angeboten. Die Behandlung ist dabei angepasst an die Symptome interdisziplinär aufgebaut.
Michael Pfabigan, Michael Pfabigan

„Meist bilden sich die Beschwerden nach einigen Wochen, manchmal jedoch erst nach einigen Monaten zurück“, weiß Primaria Eva-Maria Uher, Leiterin des Instituts für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Landesklinikum in Mistelbach. Viele Patienten haben nach einer Corona-Infektion noch längere Zeit mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

„Rund zwei Drittel der stationär behandelten Patienten leiden an den Spätfolgen der Covid-Erkrankung, dem Post-Covid-Syndrom. Rund ein Drittel der Patienten berichten von Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, Depressionen und/oder Angststörungen“, sagt die Fachärztin. Im Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf wird für poststationäre Patienten des Hauses seit Kurzem ein entsprechendes Aufbautraining angeboten.

„Rund zwei Drittel der stationär behandelten Patienten leiden an den Spätfolgen der Covid- Erkrankung!“ Eva Maria Uher, Primaria Physikal. Medizin

Primaria Eva-Maria Uher: Post-Covid-Syndrom interdisziplinär behandeln.
LK Mis, LK Mis

Die häufigsten Symptome sind Erschöpfung und Müdigkeit, immer wieder auftretende Atembeschwerden oder hartnäckiger Husten, Kopf- und Gelenkschmerzen, aber auch Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen und Missempfinden in den Extremitäten.

„Die Verschiedenartigkeit der Symptome weist darauf hin, dass durch den Sars-CoV-2-Erreger in den verschiedenen Geweben, Organen und Gefäßen eine Entzündungsreaktion auftritt, die möglicherweise zu dauerhaften Organ- und/oder Nervenschädigungen führen kann“, sagt Uher.

Wie kann man die Langzeitfolgen behandeln? „Eine interdisziplinär enge Zusammenarbeit der Fachärzte für Allgemeinmedizin sowie Lungen, HNO, Neurologie und Physikalischen Medizin ist notwendig, um dieses Syndrom erfolgreich diagnostisch, medikamentös sowie therapeutisch behandeln zu können“, weiß die Medizinerin: „Je nach Symptomen sind eine Spirometrie, CT, MRT und Echokardiographie notwendige Kontrolluntersuchungen wie auch eine gezielte Labordiagnostik, um Organschäden auszuschließen.“ Da einige Patienten auch unter neurologischen Ausfällen leiden, ist eine gezielte neurologische Untersuchung mit spezifischen Tests, die den Funktionszustand des Nervensystems evaluieren, notwendig.

„Je früher sich Patienten aktiv an ihre Vertrauensärzte wenden, desto besser kann auf die Spätfolgen einer Covid-Erkrankung auch im niedergelassenen Bereich therapeutisch behandelt werden“, rät Eva-Maria Uher. Mit den Sozialversicherungseinrichtungen ist die ambulante Versorgung im Aufbau, es können Ansuchen in den Rehab-Einrichtungen von den Hausärzten gestellt werden, ebenso sind bei Bedarf berufliche Rehabilitationsmaßnahmen möglich wie auch eine ambulante, physiotherapeutische Mitbetreuung.