Da fielen sogar die Hüllen beim Viertelfestival

Erstellt am 18. Mai 2022 | 11:07
Lesezeit: 3 Min
Ein Projekt in Mistelbach erinnerte im Rahme des Viertelfestivals an die Leistungen großer Frauen ohne Denkmal.
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Michael Jackson war noch nie in Mistelbach, trotzdem hat er ein Denkmal. Andere Männer übrigens auch. Um drei Frauen, die auch noch nie in Mistelbach waren und an die man sich trotzdem erinnern sollte, ein virtuelles Denkmal zu setzen, initiierte Lis Schiller das Stationentheater „Jackson war auch nie da“.

In der Kapelle des Barnabitenklosters sang Darleen Schubert Texte der mittelalterlichen Mystikerin Hildegard von Bingen auf Latein - dank Kräuterrauch und schwülen Temperaturen in der Kapelle meditativ.

Im Gebäude des Poly erinnerten Lis Schiller und Andreas Kuba an die vor den Nazis aus Wien geflüchtete Gerda Lerner. Sie gilt als Gründerin der feministischen Geschichtsschreibung: Lerner trifft dabei in einer US-amerikanischen Talkshow auf einen Moderator, der mit frauenzentrierter Sichtweise der Gesellschaft herrlich wenig anfangen kann. Der in den 1990er-Jahren stattgefundene TV-Auftritt ist nicht nur wegen der Überarbeitung durch Schiller und Kuba, sondern wegen des Aufeinandertreffens von zwei grundlegenden Denkrichtungen unterhaltsam.

Martina Pürkl erinnerte an die Mistelbacherin Clara, die wegen ihrer Schlaflosigkeit im Zweiten Weltkrieg einen Großbrand in der Mistelbacher Apotheke verhindert hatte. Und für Cordula Nossek ließ im Barockschlössl Aktmodel Andreas Pichler sogar die Hüllen fallen: Die Marionettenspielerin zeichnete das Leben der Malerin Paula Modersohn-Becker mit viel Einblick in ihre Gedankenwelt nach. Sie gilt als Protagonistin der Moderne in der Malerei, zu Lebzeiten war sie unbekannt.

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