Gedenken an Kriegspilot als „Nazi-Kult“?

Der Obmann des Mistelbacher Kameradschaftsbundes Walter Ofenauer wehrt sich gegen Kritik an der Teilnahme an Gedenkfeier für Weltkriegspiloten Walter Nowotny.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:37
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Umstrittene Gedenkfeier: Der ÖKB Mistelbach mit Obmann Walter Ofenauer waren am Tag vor Walter Nowotnys Todestag beim aberkannten Ehrengrab des Weltkriegs-Kampfpiloten am Wiener Zentralfriedhof.
Foto: Markus Sulzbacher

Am 8. November jährte sich der Abschuss des Wehrmachts-Kampfpiloten Walter Nowotny zum 77. Mal. Einen Tag zuvor war eine Abordnung des Mistelbacher Kameradschaftsbundes bei einer Gedenkveranstaltung für Nowotny bei seinem mittlerweile aberkannten Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof vertreten, was zumindest für Kopfschütteln sorgte.

„Wir rücken auch zu anderen Heldengedenken aus, betreiben aber sicher keinen Nazi-Kult“, sagt Mistelbachs ÖKB-Chef Walter Ofenauer. Die Frage, warum man Nowotny diese Ehre zuerteile, der Wiener Zentralfriedhof sei ja nicht gerade um die Ecke, wollte Ofenauer mit Hinblick auf seinen derzeitigen Kuraufenthalt nicht mehr kommentieren. Über den Landesverband lässt er dann noch ausrichten, dass man Nowotny in Mistelbach „als überaus erfolgreichen Soldaten in Erinnerung behalten“ habe.

Verbunden ist der ÖKB Mistelbachs dem Jagdpiloten auf jeden Fall: 1979 bekam er von der Gemeinde die Erlaubnis, eine Ehrentafel an der Friedhofsmauer beim Heldendenkmal aufzuhängen, jedes Mal, wenn diese geschändet wurde, sorgte der ÖKB für die Sanierung und Wiederaufhängung.

Landesverband: Gedenkfeiern allgemein halten

Den Auftritt der Mistelbcher Kameraden sieht man beim Landesverband durchaus kritisch: „Das erweiterte Präsidium des ÖKB hat schon vor Jahren einstimmig beschlossen, den eigenständigen Verbänden zu empfehlen, nicht mit Vereinsanzug und Fahne an solchen politisch umstrittenen oder zugeordneten Veranstaltungen teilzunehmen“, sagt ÖKB-Landespräsident Josef Pfleger: Etwas, an das sich die Verbände, mit dieser Ausnahme, auch halten würden.

Der ÖKB lehne grundsätzlich jede Form von Gewaltherrschaft und Terrorismus oder deren Verherrlichung dezidiert ab, bei Gedenkfeiern würde aller in den Kriegen gefallenen, vermissten und in Gefangenschaft umgekommenen Kameraden gedacht und nicht explizit Einzelpersonen, sagt Pfleger.

Politik kritisiert Gedenkfeier-Teilnahme

Kritik am Aufmarsch der Mistelbacher ÖKBler beim Nowotny-Grab kommt von SPÖ-Gemeinderat Matthias Rausch: „Ich finde das einfach nur bedenklich: Das Deutsche Reich war eine menschenverachtende Diktatur und Österreich hat sich bei der Wiedergründung klar davon distanziert.

Nowotny war illegales HJ-Mitglied, Nazi und wurde durch das NS-Regime als Ikone stilisiert. Das passt einfach nicht mit unserer liberalen Demokratie zusammen.“ Andere Gemeinderäte schütteln den Kopf: „Und für so einen Verein geben wir Förderungen her.“