Hermann Nitsch: 1.000 Liter Farbe pro Vorstellung

Nitsch-Bilder entstanden bei Malaktion bei Walküre-Aufführung in Bayreuth.

Michael Pfabigan
Michael Pfabigan Erstellt am 12. Oktober 2021 | 15:47

„Katharina Wagner hat mich gefragt, ob ich einen Künstler kenne, der eine Performance bei der konzertanten Aufführung von Wagners Walküre machen könnte“, erzählt Benedikt Stegmayer, Kulturreferent in Bayreuth.

Er war es, der den Aktionskünstler in die Richard Wagner-Hochburg brachte: Für Stegmayer passen Nitsch und Wagners Werk zusammen: Beide seien Universalkünstler. Bayreuth-Chefin Katharina Wagner sagte sofort zu. Und bei der Generalprobe gab sie die erste Kurzkritik: „Es war so geil!“ Am 9. Oktober wurden die bei dieser Malaktion entstandenen Bilder im Nitsch Museum Mistelbach präsentiert.

Zu sehen sind bei den Vorstellungen oder der Generalprobe entstandene Bilder, die bei der Premiere entstandenen Bilder blieben in Bayreuth: Sie sollen im neuen Wagner-Museum in Bayreuth ausgestellt werden.

„Es war eine Premiere für die Festspiele in Bayreuth“, sagt Stegmayer: Erstmals fanden zwei gleichberechtigte Kunstaktionen parallel statt. Wie wurde die Malaktion bei der konzertanten Aufführung der Walküre aufgenommen? Grundsätzlich sehr gut. Aber manche Konzertbesucher konnten sich durch die Malaktion nicht mehr auf die Musik konzentrieren und gaben ihre Tickets zurück, berichtet der Kulturreferent: „Das ist eigentlich eine riesige Auszeichnung für einen Künstler.“

Insgesamt wurden pro Vorstellung 1.000 Liter Farbe verwendet, das Entstehen und durch Übermalung Vergehen von Bildern zog die Walkürebesucher in den Bann.

Kurz-Rücktritt verhindert Eröffnungsrede

Eigentlich hätte die Ausstellung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner eröffnet werden sollen: Die musste sich aber kurzfristig zu den telefonischen Beratungen rund um den Bundeskanzler Kurz-Rücktritt zurückziehen: „Die Bilder sind wirklich eine Sensation“, schwärmte sie: „Und es ist eine großartige Werbung für Niederösterreich und den Standort Mistelbach.“ Die Bayreuth-Aktion habe weltweit für Aufsehen gesorgt.