Hotel in den Weinbergen: Viele Fragen sind noch offen. Mistelbachs Parteien sehen Chance für Stadt, aber Klärungsbedarf bei Kosten für die Stadt.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 22. April 2021 (04:04)
Diesen Ausblick auf die Stadt und die Leiserberge hat man vom geplanten Standort des spusu Life Resort in den Weinbergen hinter der Landwirtschaftlichen Fachschule. Für das Projekt müssten auch Teile der Weingärten weichen.
Michael Pfabigan, Michael Pfabigan

Am Waisenhausberg, gleich neben dem Dionysos-Weg Richtung Eibesthal, will die Unternehmerfamilie Andrea und Franz Pichler ihr Vier-Sterne-Superior-Wellnesshotel spusu Life Resort errichten, mitten in den Wein- und Obstgärten der Landwirtschaftlichen Fachschule.

„Das ist eine Jahrtausend-Chance für Mistelbach“, ist SPÖ-Chef und Vizebürgermeister Manfred Reiskopf überzeugt: Mistelbach habe ein tolles Paket rund um ein Radwegenetz geschnürt, so ein Wellnesshotel mit im Angebot zu haben, das sei ein unbedingtes „must have“. „Egal, wie der Betreiber heißt“, fügt er hinzu, denn Franz Pichler ist sein Cousin.

Stichwort Flächenversiegelung: „Die war und ist bei uns immer ein Thema, die müssen wir unbedingt reduzieren“, sagt Reiskopf: „Wir dürfen aber die Augen nicht vor dem wirtschaftlichen Aspekt des Projektes verschließen: Da werden 80 bis 100 Arbeitsplätze geschaffen.“

„Das ist eine Jahrtausend-Chance für Mistelbach!“Manfred Reiskopf (SPÖ), Vizebürgermeister

„Ich bin im Wigl-Wogl“, gesteht Umweltstadträtin Martina Pürkl von den Grünen: „Einerseits Bodenknappheit, Versiegelung und andererseits eine tolle Möglichkeit für die Region mit qualifizierten Arbeitsplätzen, steigender Bekanntheit und zusätzlichen Gästen.“ Positiv vermerkt sie, dass die Familie Pichler nicht dem Irrglauben aufgesessen sei, eh alles besser zu wissen, sondern sich Unterstützung bei Gemeinde, Land NÖ und Tourismusexperten geholt hätte.

Und es gibt noch offene Fragen für die Grün-Mandatarin: Wie viele von den Schulweingärten müssen woanders neu ausgepflanzt werden und wer zahlt das? Wie schaut es mit der versprochenen Attraktivierung und den Wegeverlegungen im Dionysosweg aus, wie mit der Infrastruktur für Fußgänger, Radfahrer und Autos? Und wer zahlt all das? Wo und wie parken die Autos beim Hotel?

Da müssen die Details zu den Plänen und die Verteilung der entstehenden Kosten noch ausdiskutiert werden, findet Pürkl.

Offene Fragen, die noch geklärt werden müssen sieht auch Liste aktiver Bürger-Chef und Stadtrat Friedrich Brandstetter: „Grundsätzlich ist ein Projekt, mit dessen Hilfe Arbeitsplätze geschaffen werden und das beim Ankurbeln des Tourismus hilft, zu begrüßen.“ Vor allem, welche Kosten auf die Gemeinde zukommen werden, ist für Brandstetter noch zu klären. Auch, wie Mitarbeiter und Gäste umweltschonend in der Region mobil sein können und was die Stadt selber machen muss, damit sie touristisch attraktiver wird und die Gäste des Hotels nicht nur die Region, sondern auch die Stadt selbst beleben werden.

Kritik von FPÖ

Nicht bei der Vorstellung des Projektes für die Gemeinderäte dabei war FPÖ-Gemeinderätin Elke Liebminger, die sich grundsätzlich zu einer Belebung des Tourismus bekennt. Was für sie unverständlich ist: „Warum wurde das Projekt ohne Vorabinformationen am 8. April überfallsartig den Stadt- und Gemeinderäten präsentiert?“ Und warum wurde die Machbarkeitsstudie ohne vorherigen Beschluss in den Ausschüssen über den Stadtrat direkt in den Gemeinderat gepeitscht? „Und warum wurde gleich am Tag nach der Vorstellung des Projektes eine Pressekonferenz gegeben, obwohl dieses noch nicht ausgereift ist“, ärgert sich Liebminger: „Wir von der FPÖ finden, dass das ein schlechter Stil ist.“

Offene Fragen sieht die Blaue, woher das Wellnesshotel sein Wasser nimmt, wo und wie es an das Kanalnetz angeschlossen wird und ob die Kläranlage die zusätzlichen Abwässer bewältigt. Weitere Kritikpunkte: Das fehlende Verkehrskonzept, Zersiedelung und Bodenversiegelung.

Warum wurde das Projekt nur so kurzfristig vor der öffentlichen Präsentation den Gemeinderäten präsentiert? „Es war der ausdrückliche Wunsch der Projektbetreiber, dass unbedingtes Stillschweigen gehalten wird“, sagt Bürgermeister Erich Stubenvoll (ÖVP). Im Vorfeld waren noch nicht alle Grundstücksdeals unter Dach und Fach, da wollte man Spekulationen verhindern. Außerdem seien Projekte immer in Gefahr, wenn zu früh informiert werde. Hinsichtlich der angesprochenen Kosten wird es, wie bei jedem Großprojekt, eine Grundsatzvereinbarung zwischen Stadt und Projektbetreiber geben, in der festgeschrieben wird, wer welche Kosten zu tragen hat.

Wie reagiert übrigens der Mitbewerb? „Wir freuen uns über einen weiteren Beherbergungsbetrieb im Weinviertel und sind davon überzeugt, dass die Region dadurch auch nach außen gestärkt wird“, sagt Reinhold Hofmann, stellvertretender Geschäftsführer des Hotel Resorts Therme Laa.