Mistelbach: Jetzt kommen alle Parteien in die HAK. Nach der heftigen Kritik an einem Vortrag des EU-Abgeordneten und ÖVP-Spitzenkandidaten Lukas Mandl in der Mistelbacher HAK zwei Wochen vor der Wahl, wurde die Veranstaltung in eine Diskussion zur Wahl mit Vertretern aller Parteien umgewandelt.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 05. Mai 2019 (16:10)
HAK Mistelbach
An der Mistelbacher HAK werden kommenden Mittwoch Vertreter aller EU-wahlwerbenden Parteien miteinander diskutieren.

Aufregung um einen für Mittwoch  geplanten Vortrag von EU-Kandidaten Lukas Mandl (ÖVP) in der HAK Mistelbach. Zwei Wochen vor der Wahl hätte er nach Einladung durch Direktor Johannes Berthold, selbst schwarzer Gemeinderat in Gaweinstal, über seine Erfahrungen in Brüssel berichten sollen.

 „Unsere Schüler sind gut vorbereitet, wenn es darum geht, welche Institutionen es in der EU gibt. Aber sie haben wenig Ahnung davon, was Abgeordnete dort machen und wie sie für ihre Region dort Lobbying machen können“, rechtfertig sich Berthold.

Auf die Kritik reagierten die HAK und auch EU-Kandidat Lukas Mandl. Zudem sei 14 Tage später auch ein Vortrag von Ex-EU-Abgeordneter Ulrike Lunacek (Grüne) geplant gewesen. Auf Mandl sei er gekommen, weil er Abgeordnete mit Bezug zum Weinviertel gesucht hat, sagt Berthold.

Warum hat er dann nicht auch Karin Kadenbach aus Großmugl (Bezirk Korneuburg), seit 2009 im EU-Parlament vertreten, eingeladen? "Ich hab bei der Herkunft eher auf das Einzugsgebiet unserer Schüler (Bezirke Mistelbach und Gänserndorf) geschaut", sagt Berthold.

Diskussion mit Vertretern aller Parteien

Der Vortrag wurde abgesetzt, stattdessen wird eine normale Schülerdiskussion mit Vertreten aller Parteien durchgeführt.
Zusagen gebe es dafür bereits aus allen Fraktionen, namentlich fix sind bisher EU-Abgeordneter Lukas Mandl (ÖVP) und Nationalrätin Melanie Erasim (SPÖ).

Michael Pfabigan
Als Reaktion auf die massive Kritik am Vortrag von ÖVP-EU-Kandidaten Lukas Mandl an der Mistelbacher HAK reagierte Direktor Johannes Berthold und wandelte die Veranstaltung in eine Diskussionsveranstaltung um. Zugesagt haben mittlerweile alle Fraktionen.

Soloauftritte von Schwarzen Abgeordneten in Schulen sind für FPÖ-EU-Kandidatin Vesna Schuster „ein Skandal der Sonderklasse“, ein schwarzer Gemeinderat würde hier einen schwarzen Freund einladen, SPÖ-Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar spricht von „Schülern, die mit einseitiger Parteiagitation zwangsgeglückt“ würden.

Kann eine Diskussionsveranstaltung mit Teilnehmern, die Brüssel nicht aus ihrer direkten politischen Arbeit kennen, den gleichen Wissensgewinn vermitteln, wie ein Vortag eines EU-Insiders? Für Nationalrätin und SPÖ-Bezirksvorsitzende Melanie Erasim ist die Frage falsch gestellt:

"Es geht darum, die Themen zu präsentieren, wofür man bei der Arbeit in Brüssel steht", sagt Erasim: "Zwei Wochen vor der Wahl einen Vortrag mit nur einem Kandidaten abzuhalten sehe ich demokratiepolitisch bedenklich. Da geht es schon darum, dass dieser Politiker dann die Veranstaltung auch als seine Plattform nutzt."

Was wäre, wenn derartige Vorträge als tatsächliche Serie mit EU-Insidern aus mehreren Parteien stattfinden würden: Kein Problem, findet Erasim. Solange sie nicht im direkten zeitlichen Umfeld einer Wahl sind.

„Was hätten die Schüler bei einer Absage denn gelernt, außer dass sie sehen, dass Parteipolitik über Informationspolitik siegt?“Direktor Berthold

Direktor Berthold missbrauche seine schulinterne Position, um seiner Partei im Wahlkampf einen Dienst zu erweisen“, sagt SPÖ-EU-Kandidat Günther Sidl.

Diesen Vorwurf weist Berthold von sich: „Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht parteipolitisch handle.“ Nachlautwerden der Kritik habe er überlegt, ob er den Vortrag absagen solle, habe sich dann aber entschieden, stattdessen eine Wahldiskussion zu machen: „Was hätten die Schüler bei einer Absage denn gelernt, außer dass sie sehen, dass Parteipolitik über Informationspolitik siegt?“, fragt Berthold.

"Ich glaube Berthold, dass er keine Parteipolitik beabsichtigt hat", sagt ÖVP-Bezirksobmann und Landtagspräsident Karl Wilfing: "Hätte er mich nach meiner Meinung zur Veranstaltung gefragt, hätte ich ihm aber abgeraten, weil ich genau diese Diskussion befürchtet hätte, die wir jetzt haben."